Zurückgehende Schülerzahlen = leer stehende Klassenzimmer. Diese Gleichung geht im Landkreis Forchheim nicht so ohne Weiteres auf. "Wir haben keinen Schule, in der ein ganzer Trakt leer steht", sagt Schulrat Ulrich Löhr. Selbst an Orten nicht, wo mit der Einführung der Mittelschule die Hauptschulklassen weggebrochen sind.
Zuvor waren die Hauptschüler von Poxdorf und Effeltrich auf die zwei Orte verteilt. Seither gehen sie nach Baiersdorf.

"Jetzt nutzen wir die Räume alle für die Grundschule", sagt Poxdorfs Rektor Hans Schaub. Denn in Poxdorf gibt es seit sieben Jahren eine Tagesschule. So heißt das von ihm auf den Ort zugeschnittene Modell einer über den Tag verteilten Unterrichtszeit.

Schaub bezeichnet den Architekten, der das Poxdorfer Schulhaus geplant, als clever. Denn dank des ausgeklügelten Konzepts haben die Poxdorfer Kinder "unten die Freizeiträume und oben die Lernräume".
Freizeit im Sinne von süßem Nichtstun meint Schaub damit allerdings nicht. Aber das großzügige Raumangebot lasse es eben zu, dass die nachmittägliche Betreuung auch großzügig ausfällt. Vor allem die Mittagspause. Der Unterricht beginnt in Poxdorf erst um 8.30 Uhr. Schon ab 7.15 Uhr gibt es jedoch eine Betreuung, da viele Eltern derart früh aus dem Haus müssten.

Viel los im Haus

Bis 11.45 Uhr läuft ein Block mit vier Unterrichtsstunden. "Dann haben alle eine Stunde Pause", sagte Schaub. In dieser Zeit gibt es für die Schüler auch warmes Essen.

Anschließend ist nach Schaubs Konzept jedem Schüler freigestellt, ob er heimgeht oder bleibt, Hausaufgaben unter Betreuung macht oder an einer der zahlreichen AGs teilnimmt. Haben die Schüler bereits frei, haben die Dritt- und Viertklässler ihre fünfte und sechste Stunde. Da ist zur gleichen Zeit viel los im Haus.
Dank der vielen Räume lässt es sich dies aber gut trennen. Heroldsbach hat eine Mittelschule, aber mit deutlich zurückgehenden Schülern.

Eine Ursache, so Bürgermeister Edgar Büttner (SPD), sind die "überdurchschnittliche Übertrittsquoten an wei
terführende Schulen". Aber bei weitem nicht jeder, der ans Gymnasium oder die Realschule gehen soll, schafft die Anforderungen auch. Sie wechseln dann zurück an die Mittelschule, aber nicht in ihren Heimatort. "Viele Eltern legen Wert darauf, dass ihre Kinder in Forchheim zur Schule gehen", sagt Büttner. Allzu großes Verständnis hat er für diese Einstellung nicht.

2,2 Millionen Euro hat die Gemeinde in die energetische Sanierung der Schule gesteckt. 110 000 Euro soll der Umbau des Hauptschulpausenhofs kosten. "Wir überlegen, unser Schulangebot zu erweitern. Die Fachgespräche laufen", blickt Büttner in die Zukunft. Das Oberland ist nach Löhrs Ansicht gut aufgestellt. Gößweinstein profitiere vom Zusammenschluss mit dem Bayreuther Land. Mit dem M-Zug in der siebten bis neunten Klasse gebe es dort viele Einpendler.

"Attraktiver Standort"

Gräfenberg ist mit über 200 Schülern zweizügig. "Neunkirchen gilt als richtig attraktiver Schulstandort", sagt Löhr. Hier pendelten sogar Kinder aus Spardorf ein.
"Eine Extremsituation wie in Adelsdorf, wo eine Mittelschule sich mangels Schülern langsam auflöst, haben wir im Landkreis nicht", betont Löhr. Im laufenden Schuljahr blieben die Schülerzahlen stabil. Der Schulrat führt das auf einen Attraktivitätsgewinn durch die starke Berufsorientierung zurück.