Wasser ist das Lebenselexier, nach dem Mensch und Natur derzeit lechzen. Vögeln und anderen tierischen Gartenbesuchern wird schon mal eine Schale mit dem kühlendem Nass angeboten. Doch wie gelangen Waldbewohner wie Rehe und Hasen an Wasser?

"Rehe trinken nicht", sagt Hans-Jürgen Dittmann. Er ist Vorsitzender der Kreisgruppe Jagd in Forchheim. Den Rehen reichen feuchte Blätter, die sie fressen, oder der Tau am frühen Morgen. Tau auf den Wiesen, das ist angesichts der Trockenheit schwer vorstellbar. "Wenn man am frühen Morgen durch die Wiese läuft, bekommt man nasse Füße", sagt Dittmann. Er gibt aber zu, dass es derzeit nicht so ausgeprägt feucht ist wie gewünscht. Den Rehen aber reicht es, und auch die Hasen trinken kaum.

Wasser finden Tiere auch in den Biotopen. Sollten diese ausgetrocknet sein, suchen sich die Waldbewohner andere Ecken, suchen noch tiefere Stellen im Wald oder andere Lebensräume, konzentriert an Bächen und Flüssen.


Tiere nicht von kühlen Stellen aufscheuchen

Was der Mensch tun kann, ist einfach: "Möglichst wenig im Wald spazieren gehen", meint Hans Derbfuß, Revierpächter der Jagd Lilling. Vor allem aber sollten die Menschen auf den Wegen bleiben und nicht quer durch den Wald laufen, um die Waldtiere von ihren tiefen, mit hohen Gräsern geschützten kühlen Stellen aufzuscheuchen.

Einen Eimer mit frischem Wasser aufstellen oder eine Art Zwerghasentränke an den Bäumen anzubringen, sei vielleicht gut gemeint, könne aber das Gegenteil bewirken. "Das geht einen Tag gut. Dann kann es gefährlich werden", meint Dittmann. Denn das Wasser würde Bakterien sammeln, sei anders als das Wasser der Tümpel. Zudem kennen die Rehe das Angebot nicht und würden es auch nicht annehmen.


Mehr Biotope notwendig

"Deshalb kämpfen wir, dass es genügend Biotope und Feuchtgebiete gibt", erklärt Dittmann. Blickt man über die Landschaft, zeigt so manche Monokultur, dass es um Futter für die Waldtiere und somit um genügend Feuchtigkeit nicht immer gut bestellt ist. Im Mais finden sie nichts zu fressen, höchstens einen Unterschlupf.

Doch es gibt auch andere Regionen, wo Hase und Reh durchaus noch gute Bedingungen vorfinden. Die Blührahmen um die Maisfelder herum beispielsweise bieten diese Möglichkeit. Kräuter und Früchte wie die Erbsen, die dort aus der Erde gewachsen sind, versorgen die Waldtiere mit Nahrung und Wassergehalt, erklärt Derbfuß.

Ideal sei auch, was in den Zwischenreihen des Biohopfens bei Lilling angesät wurde. "Das ist Ölrettich", erklärt Hans Derbfuß, nimmt einige Blätter in die Hand und zerreibt sie. Die Feuchtigkeit aus diesen Blättern ist an seinen Fingern sichtbar. Zudem lindert die Pflanze den Hunger der Tiere. Der Landwirt hat diesen Ölrettich gesät, damit die Schädlinge am Hopfen von den Nützlingen der Pflanze vernichtet werden. Bio-Hopfen darf nicht gespritzt werden.

Auch sonst ist noch ausreichend Nahrung für die Rehe vorhanden: ein paar Blätter, die Früchte im Wald wie Himbeeren oder Brombeeren. Und weiter oben hängt noch Obst auf den Bäumen, so dass die Rehe mit den Äpfeln oder Zwetschgen, die am Boden liegen, Futter und Wasser haben. "Blätter und Früchte sind Nassfutter mit über 60 Prozent Feuchtigkeit", erläutert Derbfuß.


Nicht mehr Verbiss als sonst

Sorgen, dass die Suche der Rehe nach Wasser zu mehr Verbiss an den Bäumen führt, kann Hans-Jürgen Dittmann nehmen. "Die Rinde ist zu trocken und unter der Rinde ist Harz. Da gibt es für die Tiere nichts zum Abschöpfen", bekräftigt Dittmann. Mehr Verbiss werde es durch die Hitze nicht geben.

Was den Tieren aber ganz sicher fehlt, sind die Hackfrüchte wie Kartoffeln und Rüben, das Futter der Hasen schlechthin. "Das wirkt sich auf den Hasenbestand aus", betont Derbfuß. Der Hase, der im Frühjahr zuhauf auf den Wiesen und Feldern gesichtet wird, ist im Verlauf des Jahres ein seltener Gast geworden, der dann nicht zuletzt durch die breiten Mähwerke Gefahren ausgesetzt ist. "Der Hase bleibt bis zum Schluss in der Sasse sitzen", sagt Derbfuß. In den dichten hohen Feldern findet er zwar Schutz vor den Fressfeinden wie den Greifvögeln und vor der Hitze, aber kein Futter und keine notwendige Feuchtigkeit.