Wortkarg aber witzig. Wer Hubert Forscht trifft, der merkt, dass der 64-jährige Humorist und Musiker ein echter Franke ist. Für seine lustigen und lebensklugen Satiren und Musikstücke wurde Forscht sogar mit dem Forchheimer Kulturpreis ausgezeichnet. Wer könnte also besser einen Einblick in die lustige Seele der Menschen im Landkreis Forchheim geben? Der Fränkische Tag hat Hubert Forscht anlässlich der Humor-Themenwoche in seiner Schreinerei besucht.

Sie sind der bekannteste Kabarettist im Kreis Forchheim. Was zeichnet den Humor in der Region aus?

Hubert Forscht: Es gibt den typisch fränkischen Humor. Der ist sehr wortkarg. Anders als in Großstädten wie München, Berlin oder Wien, wo die Kabarettisten wortreich agieren, ist unser Humor etwas spartanischer.

Haben Sie ein Beispiel?

Ein lustiges Beispiel im fränkischen Dialekt stammt aus der Verwandtschaft meiner Frau. Ihr Großvater hat immer gesagt: "Ihr müsst Dreggsäu sei, dass ihr euch alla Wochen baden müsst. Ich wasch mein Hals amol im Joar, wenn ich mein Ofen ausgeputzt hab." Das ist sehr kluger Humor, der mit wenigen Worten auskommt, er ist bildhaft und übertrieben. Über den Spruch könnte ich mich totlachen.

Ihre Satiren basieren häufig auf erlebten Alltagssituationen. Was bringt Sie besonders zum Lachen?

Eine Sache ist, wenn man in einer Situation steckt, in der man überhaupt nicht lachen darf. Zum Beispiel bei Kindern in der Kirche. Gerade weil das Lachen verboten ist, denkt man plötzlich über etwas Lustiges nach. Ich war mal mit einem Handwerker-Freund im Allgäu bei einem Architekten zu Besuch. Seine Mutter, eine aristokratische Frau aus Frankfurt, hat Grüne Soße gemacht. Der Tisch war mit tollem Geschirr gedeckt. Dann fragt diese große, schlanke und gepflegte Frau, wie es schmeckt. Da ist mir der Spruch meines Stuckateur-Freundes wieder eingefallen: "Zum Scheißen taugt's!" Ich habe damals gedacht, mich zerreißt es vor Lachen.

Kennen Sie einen guten Witz?

Was ich toll finde, sind jüdische Witze. Das ist eine ganz besondere Art, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Der jüdische Humor ist nicht derb, sondern feinsinnig. Einer geht so: Ein Gläubiger betet an der Klagemauer, dann kommt eine Frau und fragt, für was er denn betet? Er bete für Gesundheit und seine Familie. Die Frau will wissen: "Haben sie das Gefühl, dass Gott Sie erhört?". Da antwortet der Gläubige: "Manchmal denke ich schon, ich rede gegen eine Wand." Da merkt man, wie man sich auch über Religion lustig machen kann. Mit Humor kann man sich auch mal quasi von außen betrachten und sich selbst fragen, was passiert hier gerade eigentlich.

Das klingt toll. Was kann Ihrer Meinung nach Humor alles bewirken?

Ich wurde für runde Geburtstage engagiert und sollte ganz persönliche Texte meistens über den Ehepartner verfassen. Es war ein schönes Erlebnis, dass die Leute mir deftige, aber teilweise peinliche Geschichten anvertrauten, die ich mit meinen Worten aufbereitet zum Besten gab. Und die Witze haben auch immer funktioniert. Das beweist, welchen Stellenwert Humor hat. Um etwas Großes zu feiern, ist Humor unabdingbar. Damals hab' ich die Schwächen der Personen genommen und diese dann umgedreht. Jede Schwäche ist eine Stärke. Ein Pedant ist sehr ordentlich. Ein Schlamper lässt alles liegen, ist aber entspannt. Ein Fleißiger ist ein Workaholic und ein Ruhiger eine faule Sau. Das ist genau das, was ich mag. Beide Seiten zu beleuchten. Humor ist einfach eine tolle Möglichkeit, Bescheidenheit auszudrücken. Mit Humor nimmt man sich selbst und den anderen nicht so ernst.

Steckt hinter Ihrem Humor-Verständnis also sehr viel Empathie und Menschenliebe?

Humor halte ich für das wichtigste Vehikel, um zwischenmenschlich zu agieren. Damit kommt man im Leben gut vorwärts. Man merkt es auch bei Politikern: Gerade die guten haben Humor. Ein Diktator hat keinen Humor. Und alle Fundamentalisten und religiöse Eiferer sind völlig humorlos.

Und was hat Sie in Ihrer Kunst beeinflusst?

Mein größtes Vorbild ist Jacques Tati (französischer Schauspieler und Regisseur) und sein Filme. "Die Ferien des Monsieurs Hulot", "Das Schützenfest" oder "Mein Onkel" habe ich schon dutzende Male gesehen. An seinen Filmen kann ich mich immer wieder erfreuen. Ich mag auch Filme von Billy Wilder wie "Manche mögen's heiß". Im deutschen Kabarett finde ich das Duo Schwarze Grütze oder Gerhard Polt gut. Aber klar, der fränkische Humor hat mich auch beeinflusst. Natürlich gibt es auch in Franken die Polterer, aber der wortkarge Witz ist das, was mir persönlich besonders gut gefällt.

Das Gespräch führte Ronald Heck

Musik und Hörbuch von Hubert Forscht

CDs Hubert Forscht hat derzeit die Musik-CD "Alles wird gut" und das Hörbuch "Wir sind Gefangene im Festzelt des Lebens" auf dem Markt. Die CDs sind bei den Buchhändlern in Forchheim erhältlich.

Infos Weitere Informationen finden Sie auch auf seiner Facebook-Seite www.facebook.com/hubertforscht.rh