Die Feuerwehr galt viele Jahrzehnte klassischerweise als Männerdomäne. Das ändert sich langsam, aber sicher. Denn immer mehr Frauen interessieren sich für die Tätigkeit. In Langensendelbach sind mittlerweile 20 Frauen aktiv. Seit 20 Jahren unterstützen sie bei Einsätzen dabei ihre männlichen Kollegen. "Im Januar 1999", erzählt Kreisbrandmeister und Kommandant Willibald Hofmann, "gründeten wir mit 20 Frauen eine Damenmannschaft, von der heute alle noch tätig sind. Die Frauen haben damals dafür gesorgt, dass der Frauenanteil bei der Feuerwehr Langensendelbach heute 20 Prozent ausmacht." Vorher hatte es keine aktiven Feuerwehrfrauen in Langensendelbach gegeben, weiß Kommandant Hofmann.

Das "Mädchenhafte" ablegen

Man müsse das "Mädchenhafte in die Ecke stellen", wolle man als Frau in der Feuerwehr akzeptiert werden, sagt Claudia Müller. "Man muss zeigen, dass man es will und höchstens innerlich Schweißperlen hat", ergänzt Andrea Wagner, "denn wir sind keine Püppchen, bleiben locker, sind ehrgeizig, haben Ahnung, packen mit an und machen uns auch dreckig, ohne zu heulen." Andrea Wagner erinnert sich an die Zeit, als sie sich für die Feuerwehr entschied: "Erst wollte ich mir das alles erst einmal anschauen, daraus sind nun 20 Jahre geworden. Ich schätze die Gemeinschaft in der Feuerwehr, und doch habe ich Lampenfieber und bin aufgeregt, wenn die Sirene geht." Gemeinsam absolvierten die Frauen die Ausbildung zum Truppmann. 2011 legten sie mit Erfolg die Leistungsprüfung in Bronze ab. 2012 machte die Damenmannschaft in der höchsten Gruppe das Leistungsabzeichen Rot-Gold. Damit konnte sie an Löscheinsätzen teilnehmen.

Mit der Feuerwehr aufgewachsen

Als Exoten fühlen sich die Brandschützerinnen in den Kreisen ihrer männlichen Feuerwehrkollegen nicht. "Wir sind zwar in der Minderheit, werden aber nicht anders behandelt", erzählt die aus Adlitz stammende Alexandra Langguth, die quasi mit der Feuerwehr aufgewachsen ist. Ihr Vater war schon bei der Feuerwehr. Dort war sie in der Jugendfeuerwehr aktiv und gründete 1999 die Damenmannschaft mit, machte ihre Ausbildung zum Truppführer und absolvierte mit fünf Kolleginnen die Funkerprüfung . Sie sei nach 30 Jahren Dienstzeit immer noch mit Eifer bei der Sache, gesteht sie stolz.

Großbrand miterlebt

Zu den aktiven Frauen gehört auch Eleonore Nägel, die im Zentrum von Langensendelbach wohnt und den Großbrand bei der Bäckerei Singer miterlebt hat. Sie fragte sich damals, wie man helfen könne, wenn man als Hausfrau zu Hause sei. "Es ist zwar nicht das klassische Frauen-Hobby, aber eine vielseitige Aufgabe in einer netten Gemeinschaft, die mich vor 20 Jahren veranlasst hat, die Langensendelbacher Wehr zu unterstützen", meint sie. Zur Wehr gehört auch Monika Erlwein. Wie ihre Kolleginnen machte sie die Ausbildung zum Truppmann und legte die Leistungsprüfung in Bronze und Rot -Gold ab. "Ich habe mich noch nie davon verunsichern lassen, dass die Feuerwehr als Männerdomäne abgestempelt wird", sagt sie. Erlwein besitzt wie ihre männlichen Kollegen den Führerschein zum Fahren eines der großen Feuerwehrautos bis 40 Tonnen.

Vorurteile fehl am Platz

Vorurteile, wonach Frauen bei der Feuerwehr nur Brötchen schmieren, gibt es hier nicht. "Als weibliche Brandschützer bekommen wir keine Extrawurst. Und wir wollen auch keine haben. Wir wollen und müssen die gleichen Leistungen wie unsere männlichen Kollegen bringen. Das Feuer nimmt schließlich keine Rücksicht", führt Erlwein aus. Die Feuerwehrfrauen behaupten: Sie könnten genauso gut anpacken. Muckis seien aber nicht alles. Die Frauen könnten mit Wissen, Aufmerksamkeit und Erfahrung genauso gut punkten. Sie sähen manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel und könnten so bei Problemlösungen entscheidende Beiträge leisten.

Der nächste Lehrgang

Dass die Feuerwehrfrauen im Ernstfall voll einsatzfähig seien, zeige ihre vielfältige Ausbildung, erklärt Kreisbrandmeister Willibald Hofmann: "So haben wir bei den Frauen drei Maschinisten, zwei Atemschutzträger und sechs mit einer Funkausbildung." Dieses Jahr würden die Langensendelbacher Frauen den Lehrgang für technische Hilfeleistung absolvieren mit dem Schwerpunkt Sicherung und Verletztenbetreuung.