Ein rätselhaftes Baumsterben auf dem Alten Friedhof in Forchheim beunruhigt die Menschen. Seit Frühjahr werden die Nadeln von Koniferen, Zypressen und Thujen hässlich braun; kurze Zeit später sind die Pflanzen dürr. Das Stadtgartenamt macht in einer Presseerklärung den besonders trockenen Winter dafür verantwortlich.

Für die Floristin Elisabeth Kraus, die gerade zwei Thujen mit einem Stammdurchmesser von mehr als 20 Zentimetern von einem Grab entfernt hat, weil sie verdorrt waren, ist die Sache völlig klar: Schuld sei der Splitt, der zwischen den Gräbern verteilt wurde. Die Steinchen seien mit Streusalz versetzt, das den Pflanzen den Garaus gemacht hat. Der Schaden: "Ein paar hundert Euro", urteilt Kraus.


Wert von 200 Euro


Addiere man den Verlust an sämtlichen Pflanzen auf dem Friedhof, gehe der Schaden in die Tausende. Allein die 20 Jahre alte Thuje gegenüber dem früheren Leichenhaus habe einen Wert von über 200 Euro gehabt, erklärt Gärtnermeister Michael Klaus.

Für ihn ist es schon nachvollziehbar, dass die Pflanzen an den Folgen des Streusalzes eingegangen sind. "Jeder weiß, dass Salz den Bäumen schadet", betont Klaus. Das sei an der Birke zu beobachten, unter der das Streugut gelagert wird. Auch dieser Baum gehe ein.

Als "Beweis", dass der Splitt die Ursache des Übels ist, verweist Elisabeth Kraus darauf, dass in dem Teil des Friedhofes, auf dem es nur Rasen gibt, keinerlei Schäden feststellbar seien. Und Gärtner Klaus ergänzt: "Betroffen sind vor allem die größeren Pflanzen, die ein breites Wurzelgeflecht haben." Das sei vom Salz zerstört worden.

Statt des Unkrauts, das nach Angaben eines Friedhofsbesuchers mit dem Streu-Splitt vernichtet werden sollte, sterben nun die Nadelgehölze ab. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht: Eine Vielzahl von Friedhofspflanzen bekommen gerade jetzt die ersten braunen Stellen.

Andreas Fuchs vom Stadtgartenamt weist jegliche Schuld von sich. Er habe Kenntnis von 15 Gräbern mit abgestorbenen Koniferen. Dabei handle es sich ausschließlich um besonders trockenheits-empfindliche Arten. Fuchs verweist auf eine Mitteilungen des Deutschen Wetterdienstes, wonach im letzten Winter statt 181 Liter pro Quadratmeter nur 122 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen seien. Zusammen mit den 190 Sonnenscheinstunden habe die Trockenheit zu dem Pflanzensterben geführt.

Überdies gebe es auch in einem Bereich des Friedhofes geschädigte Koniferen, in dem kein Streusalz von der Stadt ausgebracht worden sei, auch nicht mit Splitt vermengt. Dass allein der trockene Winter die Ursache des Übels sei, belege eine 60 Seiten starke Studie, die beim Stadtgartenamt eingesehen werden könne.

Kritiker bleiben indes bei ihrer Meinung. Beweisen könne man das nur durch die Untersuchung des Splitt-Gemisches. Doch das könnte teuer werden, fürchtet ein Betroffener.