Die Kreuzbergkirche bei Hallerndorf beherbergt seit einer Weile einen gefiederten Untermieter. Zum Kreuzbergfest am ersten Maiwochenende waren die Kreuzwegstationen entlang der Außenmauer der Wallfahrtskirche geöffnet. Nur eine der 15 Stationen blieb den Besuchern verschlossen.

Dahinter verbirgt sich eine kleine Kohlmeise, die sich diesen ungewöhnlichen Nistplatz als Familienquartier ausgesucht hat. Mit Moos, Gräsern und kleinen Zweigen hat sie das Nest gemütlich ausgepolstert.

"Die Tür der Station schließt nicht richtig", sagt Pfarrer Matthias Steffel, der das Nest bereits Anfang April entdeckt hat. Das hat der Vogel ausgenutzt und sich häuslich eingerichtet. Inzwischen sind schon die ersten Jungen geschlüpft. Pfarrer Steffel kennt auch eine passende Stelle aus der Bibel. "Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen, deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König", heißt es im 84. Psalm.

Nun nistet in der Kreuzwegstation weder ein Sperling noch eine Schwalbe, sondern eine Meise. "Das Nest darf natürlich bleiben", beruhigt der Pfarrer. Die Vogelfamilie stört die Gottesdienste nicht.

An allen Maisonntagen finden um 17 Uhr auf dem Kreuzberg feierliche Maiandachten statt. Die erste Andacht mit Festprediger Provinzial Bruder Benedikt Ende aus Münster, die der Kirchenchor Willersdorf musikalisch umrahmte, hatte viele Besucher angelockt.

Im Anschluss an die Andacht zeigte Pfarrer Steffel dem Provinzial der Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder, wo die Kohlmeise nistet. "In dieser Station ist fast jedes Jahr ein Vogel drin", erklärte er.

Neben den Maiandachten finden von Anfang Mai bis Ende September an jedem Dienstag um 18.30 Uhr ein Gottesdienst in der Kreuzbergkirche statt. Die Tür der Kreuzwegstation soll nun aus Rücksicht auf die Vogelfamilie verschlossen bleiben, um die Aufzucht der Jungen nicht zu stören.

Noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts pilgerten an einem Tag über 20 Wallfahrten hinauf zum Kreuzberg. Mit selbstgezimmerten Holzkreuzen umrundeten die Pilger die Kreuzbergkirche und ihre 15 Kreuzwegstationen.
An den Außenwänden der Wallfahrtskirche befinden sich 15 stichbogige Nischen, in denen die Kreuzwegstationen untergebracht sind. Neben den sonst üblichen 14 Kreuzwegstationen gibt es als Besonderheit noch eine 15. Station mit der Darstellung der Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena.

Am Sonntag, 11. Mai, ist das Glockenläuten der Kreuzbergkirche um 12 Uhr im Radio auf Bayern 1 zu hören.