Die Parkbucht "Lindenhof" ist sehr begehrt, vor allem am Wochenende. Die Parkbucht liegt kurz hinter dem Ortsschild Igensdorf, direkt an der B2 Richtung Nürnberg. Büsche am Rand des Parkplatzes grenzen die Parkbucht von der Bundesstraße ab.
Erich Treutlein aus Nürnberg ist einer jener, der den Rastplatz regelmäßig ansteuert. Dann geht er zielstrebig auf einen ganz bestimmten Tisch zu. Karotten, Kohl, Spargel und Kartoffeln sind dort auf einem Tisch drapiert. Ein großes Schild mit der Aufschrift "Frisches Gemüse" spricht aus, was das Auge der Besucher ohnehin längst erkannt hat.

Wein, Brot und Wurst

Vier Direktvermarkter verkaufen in dieser Parkbucht ihr Gemüse, Obst, selbst gemachte Weine, Liköre oder Schnäpse. Es gibt Wurst, Holzofenbrot und selbst gebackene Küchla. "Ich kaufe so oft wie möglich hier ein und kann die Ware nur loben", sagt Treutlein. Den Einkauf ver bindet er meist mit einem Ausflug in die Fränkische Schweiz.
"Von den Anbietern kenne ich den Hof. Ich weiß von der vernünftigen Tierhaltung und habe gesehen, wie das Gemüse angebaut ist. Von diesen regionalen Produkten kaufe ich so viel wie möglich und unterstütze die Direktvermarkter", sagt Erich Treutlein, während er saftig- dunkelrote Kirschen betrachtet und sich diese von Peter Wagner neben das Bündel Karotten legen lässt.

Ihr Gemüse und Obst, das die Wagners im Vollerwerb auf über 10 000 Quadratmeter anbauen, verkaufen sei seit 13 Jahren in der Parkbucht Lindenhof. Bis er am Nachmittag abgelöst wird, steht der 83-jährige Paul Wagner aus Neunkirchen hinter dem Verkaufsstand.
Am Stand daneben schenkt Oskar Erlwein aus Langensendelbach dem Ehepaar Macher aus Lauf einen selbst gemachten Beerenwein zum Probieren aus. Seit 1984 bietet Erlwein seine Waren im "Lindenhof" an. Die Erlweins verkaufen ihr Obst im Nebenerwerb und bieten Ware, die es vielleicht sonst nirgends zu kaufen gibt. "Diese Wein gelees sind aus reinem Wein, eingedickt mit Agar Agar", er klärt Erlwein beispielsweise.

Das Amt hat Bedenken

Dabei handelt es sich um eine Meeresalge, die auch in Kliniken verwendet wird, um Kulturen anzusetzen, erläutert der Langensendelbacher. Er arbeitet hauptberuflich in leitender Funktion bei der Fachpflege für Intensivmedizin in einer Erlanger Klinik.

"Vorher haben wir unser Obst über die Halle verkauft. Doch das Preis-Leistungsverhältnis war nicht gerecht", erklärt er seine damaligen Beweggründe, nach einem anderen Weg gesucht zu haben. "Wo sind die Leute, fragt man sich als Selbstvermarkter", sagt Erlwein.
Früher haben in der Tat deutlich mehr Bauern ihre Waren auf Verkaufsständen direkt an der Bundesstraße angeboten. Dann brachte das Straßenbauamt Einwände vor.

Die Stände könnten die Autofahrer ablenken und so die Verkehrssicherheit gefährden. Damals, vor 15 Jahren, hat das Straßenbauamt auch versucht, das Treiben in der Parkbucht "Lindenhof" zu verbieten. Den Verkäufern sprang aber die Gemeinde Igensdorf zur Seite. Sie erhob eine Standgebühr. "1,50 Euro pro Tag pro laufenden Meter", sagt Bürgermeister Wolfgang Rast (IU). Die Gemeinde darf das, weil die Parkbucht auf Igensdorfer Grund liegt.

Die Igensdorfer Verwaltung hat mit diesem Schritt aber auch für Ordnung gesorgt. Die Gebühren verhindern, dass unbegrenzt Händler in die Parkbucht kommen. Auf diese Weise konnte auch das Straßenbauamt beschwichtigt werden. Zudem ist der Straßenabschnitt entlang der Parkbucht erst vor vier Wochen auf 70 Stundenkilometer begrenzt worden.

"Alles auf einmal"

"Hier bekommen wir alles auf einmal", sagt derweil das Ehepaar Wulf aus Igensdorf. Sie kommen seit 15 Jahren hierher, obwohl sie auch in den Hofläden einkaufen. Und auch Irmgard Ginzel aus Unterrüsselbach kauft regelmäßig in der Parkbucht ein.

Bei dem Verkaufsauto "Schaffer" ist sie sicher, keinen Gammel in der Wurst zu haben und auch andere, frische Ware zu bekommen. "Wenn Verwandte zu Besuch kommen, wählen sie extra einen Tag, an dem sie auch hier einkaufen können", erzählt Günzel. Bestellungen können natürlich aufgegeben werden. "Dass die Hygienevorschriften eingehalten werden, kontrolliert das Lebensmittelamt", weiß Erwin Zeiß. Er ist der Neffe des Altbürgermeisters Erwin Zeiß und verkauft unter anderem Forellen.

Die Vorschriften waren für viele Bauern auch der Grund, die Bucht wieder zu verlassen. Geblieben sind die vier festen Direktvermarkter, die an den Wochenenden und an den Feiertagen ihre Waren an die Kunden bringen. Jeder verkauft für sich, natürlich. Aber die vier Direktvermarkter sind auch eine große Familie.
Wenn Anni Zeiß Nachschub für ihren Stand bringt, reicht sie oft auch eine Handvoll Kirschen an den Standnachbarn Erlwein weiter.