Es ist nur ein kleiner oranger Luftballon, aber er hat Leute zusammengebracht, die noch nie im Leben voneinander gehört haben und Hunderte Kilometer voneinander entfernt leben.

Der Luftballon gehört Felix Schröter aus Kunreuth. Am 9. Mai hatten die Gräfenberger Schulfest gefeiert und wie es sich für ein Schulfest gehört, einen Luftballon-Wettbewerb angeboten. Wessen Ballon am weitesten fliegt, der hat gewonnen - so geht das Spiel. Vorausgesetzt, jemand findet den Ballon mit den dazugehörigen Daten des Besitzers und meldet sich.

Im Garten gefunden

Zu den 59 Ballons, die an diesem Tag mit Helium gefüllt in den Gräfenberger Himmel stiegen, gehörte auch der von Felix.

Der Luftballon des Vierjährigen flog und flog. Herunter kam er erst in Kotka. Kotka, das liegt in Finnland. "Am Montag nach dem Schulfest erhielten wir eine Mail von Riina Hotari. Sie ist Journalistin einer Zeitung aus Kotka", berichtet Christine Nanke. Sie organisierte am Schulfest mit ihrer Kollegin Susanne Gumbmann den Luftballonwettbewerb. Riina Hotari schreibt darin, dass ein Frau aus Kotka namens Mari Käyhty den Luftballon bereits einen Tag nach seinem Start in Gräfenberg in ihrem Garten gefunden hat.

Eine Karte am Luftballon wies Felix Schröter als dessen Besitzer aus. Verbunden waren diese Informationen mit der Bitte, die Karte doch bitte zurückzusenden.

Die finnische Journalistin überprüfte die Angaben im Internet und fand dort Hinweise auf das Gräfenberger Schulfest.

Sie fasste den Plan, über diesen ganz erstaunlichen Luftballon eine Geschichte zu schreiben. Sie blieb aber skeptisch: Immerhin liegen zwischen Gräfenberg und Kotka 1500 Kilometer Luftlinie. Sie hat sich deshalb erst einmal bei einem meteorologischen Institut erkundigt, ob ein Luftballon in der kurzen Zeit überhaupt eine derart weite Strecke fliegen kann.

"Am betreffenden Tag war es sehr stürmisch. Wenn der Ballon auf drei Kilometer Höhe geflogen ist, waren aufgrund des Windes die Strömungen so gut, dass der Ballon 20 Meter pro Sekunde fliegen kann", fasst Nanke zusammen, was die Meteorologen der finnischen Journalistin gesagt haben. Die Aussage der Meteorologen überzeugten die Finnin am Ende.

Zeitgleich setzte sich Mari Käyhty in Kotka an ihren Schreibtisch und schrieb einige Zeilen für Felix. Den Brief schickte sie später an die Realschule nach Gräfenberg.

Bis nach Tschechien

Darin schilderte sie, wie sie abends auf der Couch saß, aus dem Fenster schaute und dann einen orangenen Luftballon im Baum bemerkte. Die Karte, die an der Schnur befestigt war, ließ sie sich von ihrem Freund, der Deutsch spricht, übersetzen.

Auch ihr zweijähriger Sohn habe den Ballon und seinen langen Weg sehr aufregend gefunden. Gern würde sie mehr über den Luftballonwettbewerb erfahren. In ihrem Brief fragt sich Mari Käyhty auch, wo die anderen Ballons aus Gräfenberg wohl gelandet sind. "Wenn wir uns die Karte anschauen, vermuten wir, dass viele Ballons in der Ostsee gelandet sind", sagt Christine Nanke. Denn zurückgekommen ist nur noch eine einzige Karte. Der Luftballon zu dieser Karte hatte es bis nach Dobruska geschafft.

Der Ort liegt in Tschechien und rund 350 Kilometer von Gräfenberg entfernt. Auf seine Reise geschickt hatte den Ballon am Jubiläumsschulfest Lena Meier aus Hiltpoltstein.

Das Lustige daran ist, dass weder Lena noch Felix derzeit die Gräfenberger Schule besuchen. Lena wird das erst ab September machen, Felix besucht sogar noch den Kindergarten. Von der Aufregung seines Ballons hat er recht wenig mitbekommen. "Er konnte das mit der Entfernung nicht einschätzen", sagen seine Eltern Silke und Klaus Schröter. Gefreut hat sich Felix aber sicherlich auch über einen Brief, der ihn aus Kroatien erreicht hat. Eine Frau, die in Koblenz lebt und in Kroatien Urlaub machte, schrieb diesen Brief. Sie drücke ihm die Daumen, dass er den Luftballon-Wettbewerb auch gewinne.

"Wenn Dein Ballon nicht der am weitest geflogene ist, dann ist er zumindest der am weitesten gereiste", liest Nanke aus dem Brief vor. Das Geheimnis, wie die Geschichte von Felix' Ballon nach Kroatien kam, war schnell gelüftet. Die Frau machte in Kroatien Urlaub und lernte dort Mari Kähyty, die Finderin aus Finnland, kennen.

Ein Handtuch und ein Schiff

Da deren Freund Deutsch spricht, kamen sie ins Gespräch. So erfuhr die Frau vom Luftballon, der es aus Gräfenberg bis nach Finnland geschafft hat. Die Finnin hatte sogar ein Foto dabei, das den Ballon mit Karte zeigt.

Auch die Koblenzerin fand diese Geschichte unglaublich und abenteuerlich. Sie wollte deshalb unbedingt wissen, wie die Geschichte ausging und ob es für Felix für den Sieg gereicht hat.
Und ja, das hat es. Felix hat gewonnen. Als Preis hat er ein Handtuch und einen Gutschein über 25 Euro bekommen, den er in einem Spielwarengeschäft einlösen konnte. "Davon hat er sich ein Schiff von Playmobil gekauft", sagt Klaus Schröter.

Einen Gutschein über 15 Euro bekommt Lena Meier für ihren zweiten Platz. Sie konnte aber noch nicht erreicht werden und weiß deshalb wohl noch nichts davon.