Es ist düster im TSV-Sportheim in Geschwand. Draußen tobt ein aggressives Gewitter, es blitzt und kracht und regnet in Strömen. Doch die Fußballer draußen spielen unbeirrt weiter und so hält es auch die Theatergruppe - geschützt in den Räumen.

"Es gibt einem einen unglaublichen Kick auf der Bühne zu stehen. Ich kann vorher weder essen noch schlafen und bin so aufgeregt, dass ich zittere. Aber sobald ich auf der Bühne stehe, freue ich mich eigentlich schon auf das nächste Mal", erzählt Traudi Mayer, die Zweite Vorsitzende der Theatergruppe Geschwand.

Die Theaterproben beginnen jedes Jahr im Januar und die Aufführung findet immer in der Woche vor Ostern statt. Für diese Termine nehmen die engagierten Laienschauspieler einiges auf sich. "Wir machen die Termine immer von Probe zu Probe neu aus", erzählt Edeltraud Pesahl. "Mit der vielen Schichtarbeit heutzutage ist es einfach nicht mehr möglich, einen festen Termin in der Woche auszumachen, an dem alle Teilnehmer zum Proben zusammen kommen können", ergänzt Oswin Gmelch.

Dafür machen die Theaterproben dann immer umso mehr Spaß. "Wir haben sehr viel Spaß miteinander und es wird so viel gelacht! Die Proben sind neben den Auftritten das Schönste am Theater", so Traudi Mayer.
Natürlich laufen auch die Auftritte nicht immer problemfrei. Die Klassiker, wie Texthänger, haben sie alle hinter sich. "Das blöde ist, dass man gerade auf der Bühne oft die Souffleusen nicht versteht. Einmal ist jemand hinter die Bühne gegangen und hat gefragt, wie es denn weiter geht", lacht Oswin Gmelch.

Ganz spektakulär war ein Auftritt in Gößweinstein: Da hat ein junger Mitspieler während des Theaterstücks in der Pause beschlossen, auf dem Moped schnell seine Freundin zu holen.
Seine Schauspielkollegen und das gesamte Publikum haben eine geschlagene Dreiviertelstunde gewartet, bis sie das Programm fortsetzten konnten. "Das war der absolute Hammer", sagt Adolf Sebald - Sam genannt - dazu.

Fast wie bei Loriot


Auch Edeltraud Pesahl hat so ihre Erlebnisse mit den Requisiten gemacht: "Ich habe einmal einen Mann gespielt und habe mir einen Schnauzbart und dicke Augenbrauen angeklebt, aber durch das Schwitzen hat sich der Kleber gelöst und alles rutscht in meinem Gesicht hin und her - wie die berühmte Szene von Loriot mit der Nudel."
Da sich in der Geschwander Theatergruppe nur Laienschauspieler befinden, gibt es auch keinen richtigen Kostümfundus. "Das machen wir alles nebenbe", erklärt Edeltraud Pesahl. "Wer etwas hat, das verwendbar ist, bringt es einfach mit."

Auch die größeren Requisiten werden mitgebracht: "Bei mir ist es meistens so, dass kurz vor der Premiere meine halbe Wohnung ausgeräumt ist. Meine Mutter hat ein schönes altes bäuerliches Sofa, das kommt dann rauf auf die Bühne", erzählt Traudi Mayer. Aber was macht die arme Mutter derweil? "Die hat halt für zwei Wochen kein Sofa!", lacht die 50-Jährige. Sogar wenn die Theatergruppe in anderen Städten wie Nürnberg auftritt, werden all diese Requisiten in einen Lkw verladen und mitgenommen. "Das ist jedes Jahr eine neue Herausforderung", so Edeltraud Pesahl.

Das Gewitter hat inzwischen aufgehört, aber leiser wird es dennoch nicht: Die Fußballer sind fertig mit dem Training und stürmen das Sportheim - vielleicht sollten die mit Tragen helfen?