Sein Vorbild ist Willy Brandt. Die Rede ist von Atila Karabag, der 46-jährige gebürtige Forchheimer tritt bei der Landtagswahl am 14. Oktober als Direktkandidat für die SPD an.

Sein rotes Hemd und das dunkelrote Jackett weisen ihn eindeutig als "Roten" aus. Zusammen mit der schwarzen Hose geht er aber auch als Club-Fan durch. "Ja ich bin ein Clubberer, ich fiebere mit", gesteht er. "Ich bin in der Hermann-Löns-Straße, am Fuße des Kellerwaldes aufgewachsen und hatte eine wunderbare Kindheit", erinnert sich der zweifache Familienvater, der Vorsitzender des Elternbeirates der Anna-Schule ist. Dort gehen die achtjährige Tochter und der siebenjährige Sohn zur Schule. Der Sohn spielt Fußball beim 1. FC Burk, ein Verein, dem Karabag eine ausgezeichnete Jugendarbeit bescheinigt.

Der Diplomingenieur, Diplomkaufmann und Diplomvolkswirt, der in Forchheim die Realschule absolvierte und an der Fachoberschule in Bamberg das Abitur machte, spielte in seiner Jugend selbst Fußball. "Zum Profi hat's nicht gereicht, ich kickte beim SV Bammersdorf", erzählt Karabag, dem "Heimat bewahren" ein Herzensanliegen ist. Dabei schwärmt er von seinen Kindheitserlebnissen rund um die Oertelbergweiher.

Der umtriebige SPD-Kandidat ist Mitglied beim Musikverein Buckenhofen, gehört der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft an, ist Spielplatz-Pate und unterstreicht sein soziales Engagement durch eine Mitgliedschaft bei der Arbeiterwohlfahrt. Und er betont die enorme Bedeutung von Caritas und Rotem Kreuz.

Seit 2002 hat er das Parteibuch der SPD. "Ich komme aus einer sozialdemokratischen Familie und sehe die Werte unserer Gesellschaft am besten bei dieser Partei vertreten", begründet der Landtagskandidat diesen Schritt. "Nicht reden, sondern handeln, lautet meine Devise. Ich möchte die Menschen mitreißen." Dies sei auch der Grund, warum Atila Karabag einen Haustür-Wahlkampf führt.

Nah an den Menschen

Er sucht das Gespräch mit den Menschen. "Politik muss sich um die Belange der Bürger kümmern, ihre Anliegen ernst nehmen und dann nach Lösungen suchen", erläutert Karabag seine Strategie. Der Lehrbeauftragte für betriebswissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge an der Technischen Hochschule Nürnberg will nicht nur Fakten weiter geben, sondern in erster Linie Werte vermitteln. Dabei betont er: "Der Mensch muss im Mittelpunkt des politischen Handelns stehen."

Wichtig sei eine klare Haltung. "Nicht herumreden, sondern kurz, klar und prägnant den Standpunkt erläutern", fordert der wortgewandte Landtagskandidat, der Poetry Slam liebt. Überhaupt: Die Arbeit des Jungen Theaters findet Karabag so großartig wie die Stadt Forchheim selbst, für die er sich mit aller Kraft einsetzen will.

Ein besonderes Lob erhalten dabei die Forchheimer Bands wie die Chicolores oder Lauschrausch. "Das ist für die Unterhaltung", gesteht Karabag, der offen ist für alle Musikrichtungen von Hardrock bis Klassik. Die braucht er zur Entspannung.

Inhalte Bezahlbarer Wohnraum

In Forchheim ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum besonders groß. An staatlichen Wohnungsbaugesellschaften führt daher kein Weg vorbei. Parallel dazu muss die Schaffung von privatem Wohneigentum gefördert werden. Durch ein Wohnungsbau-Beschleunigungsgesetz könnten Hindernisse bei der Schaffung von neuen Wohnungen reduziert werden. Dass Privatinvestoren Wohnungen renovierten und dann die Mieten erhöhten sei so nicht hinnehmbar.

Kostenlose Kitas

Um Familie und Beruf vereinbaren zu können brauchen wir kostenlose und qualitativ hochwertige Kindertagesstätten. Nach einer Qualitäts-Offensive müsse ein Betreuungsschlüssel von 1:8 angestrebt werden. Studien hätten ergeben, dass dies die ideale Gruppenstärke sei, um Kinder optimal fördern zu können. Die 535 Millionen, die das kosten würde, könnten durch Steuer -Mehreinnahmen und die Neuregelung des Länder-Finanzausgleichs finanziert werden.

Gleiche Bildungschancen

"Noch immer hat ein Kind aus einer Akademikerfamilie eine sechsfach größere Chance auf einen höheren Bildungsabschluss als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie", klagt Atila Karabag. Neben der Lehr- müsse auch eine Lernmittelfreiheit realisiert werden. Ebenso wichtig sei ein Ganztags-Schulangebot, allerdings optional. Die Entscheidung müsse bei den Eltern liegen. Für Erwachsene müssten zehn Tage berufliche Fortbildung in zwei Jahren zur Regel werden.

Stärkung ländlicher Räume

Um gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen will Karabag in den öffentlichen Personennahverkehr investieren der so wie in Hessen für Schüler, Studenten und Rentner gratis nutzbar sein soll. Der Ausbau des Glasfaser-Netzes müsse vorangetrieben werden und für die Schulen auf dem Lande fordert Karabag eine Bestandsgarantie. Hinzu komme eine wohnortnahe Grundversorgung. Dazu gehöre auch der Landarzt und die Apotheke.

Pflege sichern

"Der Pflegeberuf muss attraktiver gemacht werden", fordert Atila Karabag. Weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Patienten. Nur so sei auf Dauer ihre Versorgung gewährleistet. Da zwei Drittel der Pflegefälle von Angehörigen betreut würden, müssten die entsprechend unterstützt werden. Dazu brauche es eine vernetzte Beratung und Information. Fachärzte müssten sich auch auf dem Land niederlassen. Und es brauche mehr generationsübergreifende Wohnformen.