Zugegeben: Das Lager am Ortsrand von Morschreuth, in dem fast 200 Jugendlichen zwischen 13 und Mitte 20 in mehr als zwei Dutzend Zelten campieren, sieht etwas martialisch aus. Aber sie wollen nur spielen. Die Teilnehmer schlüpfen in unterschiedlichste Rollen und lernen dabei Kompetenzen, die ihnen im wahren Leben weiter helfen, erklärt Bruno Wissenz, Organisator der Veranstaltung.

Der weitaus größte Teil der "Lanzen", das sind Gruppen mit jeweils acht angehenden Rittern, will kämpfen lernen. "Wir geben dabei nichts vor. Die Jugendlichen sollen mit ihren selbst gebauten Kunststoff-Waffen selbst herausfinden, welche Angriffs- bzw Verteidigungs-Strategie am effektivsten ist." Zuerst müssen sie aber den Umgang mit Schwertern, Streitäxten oder Pfeil und Bogen erlernen. Die Einbeziehung von Waldläufern (Spähern), Heilern, die "Verletzte" versorgen und Magiern, die bestimmten Angreifern besondere Kräfte verleihen, machen das Spiel noch interessanter.

"Wir sind ein Veranstalter, der sich dem pädagogischen Ansatz verschrieben hat", erklärt Bruno Wissenz. Ideologien hätten hier nichts verloren. So lernen die Jugendlichen auch, wie ein Verletzter "Krieger" sachgerecht geborgen wird, wie man einen Heiltrank zubereitet oder wie man Zauberkräfte erlangt. Und es herrschen klare Regeln, deren Übertretung Sanktionen in Form von Sonderaufgaben oder Liegestützten zur Folge haben.
Der Bereich der knapp 60 Betreuer ist für die Jugendlichen tabu. Im "Tross" erhält jede Gruppe alles, was sie den Tag über braucht. Alles andere bleibt im Zelt, weshalb der Zutritt ohne Erlaubnis untersagt ist. Das komme auch nur selten vor, denn die Jugendlichen seien viel unterwegs. Beispielsweise im Wald, wo sie Natur-Erfahrungen sammeln, aber auch Runen-Zeichen finden und deren Bedeutung erfahren. Allerdings hilft die erst weiter, wenn verschiedene Teilnehmer ihre Kenntnisse bündeln und so ein Geheimnis, mit dem sie im Lager konfrontiert werden, entschlüsseln können.

Zudem wird die Phantasie angeregt wenn Priester, Kaufleute, Fabelwesen wie Elfen und Faune oder ein Golem in das Geschehen einbezogen werden. Selbst die Englisch-Kenntnisse können die Kinder aufbessern. Mit den Elfen darf nämlich nur englisch gesprochen werden.