Die Italiener nennen sie Tortellini, die Schwaben Maultaschen, Nepalesen wie Kamala Sobedis Momo, und ihre Freundin aus der Mongolei kennt sie unter dem Namen Buuz: gefüllte Teigtäschchen. "Solche Gerichte kennt man in vielen Ländern", wissen die beiden Frauen. Und meist sind sie ein Gericht für Festtage. Die Teigtäschen sind praktisch. Man kann sie vorbereiten und dann, wenn der Besuch eintrifft, im Dampfeinsatz über der Suppe frisch kochen oder sie durch Anbraten in der Pfanne aufwärmen.
Viel Fingergeschick braucht Kamala Sobedi allerdings beim Rollen. Sie schlägt dazu den Löffel mit Fleischgewürzmischung rundum von allen Seiten ein und drückt dann die Teigmitte fest.

Ketchup statt Chili


Überhaupt schätzt Kamala Sobedi den Teig aus Weizenmehl als Basis für zahlreiche leckere und dabei trotzdem nicht allzu komplizierte Gerichte. Ein kleiner Teigfladen in trockener Pfanne und dann mit Rost direkt über der Hitze gebacken, gibt Roti oder Naan, die praktischen Fladen, mit denen Soße gedippt werden kann.
Die Menschen in Nepal stehen kulturell den Indern nahe. Üblicherweise essen die Menschen dort deshalb ohne Besteck und verzichten auf Rindfleisch. Ein weiteres Charakteristikum der nepalesischen Küche ist der verschwenderische Einsatz von Gewürzen. Die Mischung für die Momo-Füllung heißt Momo-Masala. Die Mischung lässt sich mit den dem Namen Curry verkauften indischen Gewürzmischungen vergleichen. Im Gegensatz zu den bei uns Varianten dominiert bei Sobedis Rezepten allerdings der Koriander. "Den bau ich in meinem Garten an", erzählt sie, während sie noch mehr landestypische Nahrungsmittel aus ihrer Speisekammer holt: Kicherbsenmehl, das mit Kartoffeln nepalische "Baggers" ergibt. Dazu Dal, das sind Linsen, die Kamala Sobedi für Suppen, aber auch als geröstete Snacks verwendet. Dal-Wat heißt der Oberbegriff für die tägliche Mahlzeit, zu der neben den Hülsenfrüchten Reis gehört. Und Gemüse wie Karotten, Zwiebeln, Auberginen, Blumenkohl oder Broccoli.
Während Kamala Sobedi nepalische Küchengeheimnisse lüftet, stürmt ihr Sohn Rischal - angelockt vom würzigen Duft - in die Küche. Er schnappt sich einen Teigrest und behauptet: "Ich kann Pizza." Natürlich. Rischal geht in den Kindergarten und in seinem Alter stehen eben Pizza und Nudeln mit Tomatensoße hoch im Kurs. Da spielt es keine Rolle, ob ein Kind nun deutsche oder nepalesische Wurzeln hat.