Tastend suchen die Hände nach dem besten Weg durch ein Gewirr von Haltegriffen nach oben. Mit viel Präzision seilen sich die Jugendlichen der Lebenshilfe-Tagesstätte Forchheim ab, nachdem sie den höchsten Punkt erreicht haben.

Wieder am Boden angekommen, strahlen ihre Gesichter und blicken mit Begeisterung auf den Weg, den sie soeben zurückgelegt haben.

Das Kletter-Projekt der Lebenshilfe besteht aus vier Einheiten. Die Jugendlichen werden gemäß ihrer Fähigkeiten gefördert. Zwei Einheiten widmen sich dem theoretischen Teil, der sich vor allem mit der Sicherheit und den Arbeitsmaterialen auseinandersetzt.

Die übrigen werden in der Forchheimer Kletterhalle "Magnesia" gehalten; hier können die Schüler ihre erworbenen Fähigkeiten an der Kletterwand austesten.


Klettern ist ein idealer Sport

Ein besonderer Augenmerk wird auf das Erlernen von sozialen Kompetenzen und das Verknüpfen von verschiedenen Wahrnehmungsebenen miteinander gelegt. "Durch das gegenseitige Sichern entwickeln die Jugendlichen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und vor allem Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Zueinander", erklärt Thomas Streng, ein staatlich geprüfter Motopäde und selbst begeisterter Kletterer mit langjähriger Erfahrung.

"Das Klettern ist ein idealer Sport, bei dem Körper, Gleichgewicht und Kommunikation gefördert werden", sagt Streng, der als Motopäde mit Menschen arbeitet, die Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen aufweisen.

Auf die Frage warum gerade klettern, antwortet Irina Batzel, eine der Gruppenleiterinnen von der Lebenshilfe: "Die Jugendlichen haben sich das gewünscht!" Um sich ihren Traum vom Klettern zu erfüllen, haben sie alle auch selbst einen wesentlichen Teil zur Finanzierung durch ihre Arbeit in der hauseigenen Cafeteria "Harmonie" beigetragen.

Das Überschreiten der eigenen Grenzen trotz Handicap stellt die größte Herausforderung für die Jugendlichen dar, aber durch ihren Ehrgeiz schaffen es alle und lächeln glücklich von ganz oben herunter. von Alisa Weber