Ab sofort feiert Monika John (59) an Silvester Geburtstag. Die Patientin überlebte einen schweren Herzinfarkt nur dank modernster Technik. Per Knopfdruck sendete Notarzt Christian Glaser das EKG, die Aufzeichnung der Herzströme, an das iPad des Dienst habenden Chefarztes Eberhard Kuon in der Klinik Fränkische Schweiz, der sofort wusste: Hier zählt jede Minute.

Die Forchheimerin wollte mit ihrer Schwester essen gehen. Doch dann begannen die starken Schmerzen in der Brust. Der linke Arm wurde ganz taub. Typische Anzeichen für einen Herzinfarkt. Daran habe sie aber gar nicht gedacht. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich wieder einmal Kreislaufstörungen habe", erzählt die Patientin, deren Schwester Luise dann aber doch den Notarzt anrief. Am EKG sah Christian Glaser sofort: Das ist ein schwerer Herzinfarkt. Per Knopfdruck übermittelte er die Daten über Funk an die Klinik in Ebermannstadt. "Im Landkreis Forchheim ist dies das einzige Haus mit einem Herzkatheter-Messplatz", rechtfertigt Christian Glaser seine Entscheidung.


Jede Minute zählt

Die schnelle, exakte Information bringt dem Kardiologen vor allem Zeit. "Ich weiß, in welcher Region des Herzens die Durchblutungsstörung aufgetreten ist, und kann entschieden, welche Materialien ich brauche", betont Eberhard Kuon. Jede Minute zählt. Er stand mit seinem fünfköpfigen Team - gekleidet in Röntgen-Schutzanzügen - bereit, als die Patientin angeliefert wurde. Noch vor dem Eingriff musste die Patientin vier mal reanimiert werden. "Aber wir haben es geschafft", freut sich Chefarzt Kuon. Aber nur weil zeitgleich alle beteiligten Stellen über die Schwere des Notfalls Bescheid wussten. Nur zwölf Minuten nach Eintreffen in der Klinik war das Vorderwand-Gefäß durch einen implantierten Stent (Drahtstütze) wieder durchblutet.

Insgesamt 102 Patienten wurden 2012 in Ebermannstadt dank dieses Systems gerettet. "30 000 Euro, die gut angelegt sind, immerhin endet ein Infarkt bei der Hälfte aller Menschen tödlich", bedankt sich Eberhard Kuon beim Förderverein der Klinik, der die Kosten übernommen hat. Inzwischen ist das System landkreisweit eingeführt. "Auch in Waischenfeld, wo wir viele Patienten haben", erklärt Notarzt Glaser. Er hofft, dass diese Technik bald bayernweit verfügbar ist. In Bamberg wird gerade um die Investition gekämpft. In Erlangen und Nürnberg werden die Daten per Fax gesendet.