Laut singen die Grundschüler "Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit". Musikalisch begleitet werden sie dabei von Rudolf Distler, dem Rektor der Grund- und Mittelschule Hallerndorf, mit der Gitarre. Den Text haben sie bereits vorher im Unterricht gründlich eingeübt, um jetzt zusammen mit 21 Kindern aus aller Welt singend den Spielenachmittag im Pfarrsaal von St. Johannis zu beginnen.

Etwas schüchtern zunächst sitzen die seit September in Forchheim wohnenden Kinder aus Asylbewerberfamilien zusammen mit den 28 Singenden der 3b und 4a verteilt an neun, mit Lebkuchen, Spekulatius und anderen Leckereien gedeckten, Tischen. Erst nachdem sich jeder am Tisch mit seinem Namen vorgestellt hat, scheint das Eis gebrochen zu sein und der Lärmpegel im Saal steigt durch rege Unterhaltungen.


Überwinden des Fremdseins

Hintergrund dieses eher ungewöhnlichen Nachmittags ist eine Aktion von Rudolf Distler, zusammen mit den Lehrkräften der Hallerndorfer Schule, Margit Fritschi und Maria Dösch, und den Betreuerinnen des AWO-Kinder- und Jugendhorts Forchheim. Ziel dieser war es, die persönlichen Kontakte zu pflegen und das Fremdsein der, zum Teil aus Syrien, der Ukraine oder dem Irak geflohenen, Kinder zu überwinden. Nachdem sich die Kinder spielerisch etwas besser kennengelernt haben, wird gemeinsam gebastelt. Zur Auswahl stehen ein Weihnachtsbaum, ein Engel oder eine Kerze aus bunten Karton. Konzentriert werden die vorgezeichneten Figuren ausgeschnitten und bei regen Unterhaltungen und Nascherei zu Fensterdekorationen zusammengeklebt und verziert. Von der anfänglichen Schüchternheit ist nichts mehr zu merken und die Kinder nehmen den Spielenachmittag sehr gut an: "Basteln macht Spaß!"

"Den Asylbewerbern wird mit materiellen Spenden viel geholfen, aber die sozialen Kontakte fehlen", erklärt Margit Fritschi, Klassenlehrerin der 4a. Die Idee, daran etwas zu ändern, kam von Rudolf Distler, nachdem er vor zwei Wochen das "Montagscafé" der AWO Forchheim besuchte. Schnell wird ihm klar, dass neben materiellen Spenden auch soziale Kontakte notwendig sind.

Nach einem Treffen mit dem evangelischen Pfarrer Enno Weidt stellte dieser ihm ohne zu zögern den Pfarrsaal für einen Besuch der Grundschüler zur Verfügung.

Der Spielenachmittag in Forchheim soll nicht der letzte gewesen sein: "Es sind weitere Aktionen geplant. Später wollen wir auch Asylbewerber in unsere Ganztagesklassen integrieren", meint der Schulleiter.Zum Abschluss bekommt jedes Asylbewerberkind dann auch noch eine, von den Schülern selbst mitgebrachte, Tüte mit kleinen Geschenken für Weihnachten überreicht.