An einem Sonntag im vergangenen Juli waren die Neunkirchener eingeladen, ein Kreuzchen zu machen. Es ging um den Bürgerentscheid zur Westumgehung der Marktgemeinde. 45 Prozent der Aufgerufenen beteiligten sich, und davon die Mehrheit von 58,5 Prozent stimmte dafür, dass die Gemeinde bis zu einer Höhe von 110 000 Euro das Erstellen von Planfeststellungsunterlagen vorfinanziert.

Ein Dreivierteljahr später sind die 6400 Stimmberechtigten erneut zum Urnengang aufgerufen. Jetzt heißt es, über Gemeinderat und hauptamtlichen Bürgermeister zu entscheiden. Und es ist nicht auszuschließen, dass ein Wahlgang nicht reicht, um einen Sieger zu ermitteln. In diesem Fall müssten sich die Neunkirchener am 30. März schon wieder aufraffen.

Doch so weit ist es noch nicht, auch wenn Amtsinhaber Heinz Richter (FWG), der seit 2008 im Amt ist, auf starke Herausforderer trifft, die ihre Erfahrung in kommunalen Verwaltungen in die Waagschale werfen. Der eine ist der CSU-Mann Martin Mehl, der als Abteilungsleiter bei der Stadt Erlangen arbeitet und seit zwölf Jahren an der Spitze der örtlichen Wasserwacht steht. Der andere ist mit Andreas Pfister (SPD) ein alter Bekannter: Schließlich zwang der Geschäftsstellenleiter und Kämmerer der VG Effeltrich den Freien Wähler Richter vor sechs Jahren in eine Stichwahl.

Inhaltlich setzen die drei Kontrahenten unterschiedliche Schwerpunkte, was sich auch bei der von der der Kolpingsfamilie St. Josef Neunkirchen ausgerichteten Podiumsdiskussion des Trios am Dienstag, 25. Februar, um 19.30 Uhr im Saal des Pfarrgemeindehauses (Gräfenberger Straße 2) zeigen dürfte.

Mehl: Nachhaltig handeln

Um die Verbesserung der Infrastruktur geht es Mehl, vor allem was den flächendeckenden Breitbandausbau betrifft. Zudem möchte er die Gemeindeverwaltung zu einem Dienstleistungsunternehmen ausbauen. Wichtig ist ihm auch: "Das Handeln der Gemeinde und aller gesellschaftlichen Gruppierungen auf Nachhaltigkeit - ökonomisch, ökologisch, sozial - ausrichten." Dies beinhaltet für den 56-Jährigen, die Energiewende auf kommunaler Ebene zu unterstützen und ein gemeindliches Energiemanagement aufzubauen.

Pfister: Verkehrskonzept erstellen

Hochwasserschutz, Westumgehung und Jugend sind die Themen von Pfister. Er will mehr Sicherheit durch den Ausbau der Hochwasserschutzmaßnahmen garantieren. Bei der Umgehungsstraße drückt er aufs Tempo: Das Planfeststellungsverfahren müsse zusammen mit dem Freistaat Bayern durchgezogen werden. Dann wisse der Markt, ob die Westumgehung gebaut werden kann oder nicht. Pfister: "Unter Berücksichtigung dieses Ergebnisses muss sofort ein Verkehrskonzept für den inneren Kern von Neunkirchen erstellt werden."

Am Herzen liegt dem 50-Jährigen auch der Nachwuchs der Gemeinde. "Ausbau, Erhalt, Sicherung und Anpassung der Betreuungsplätze für Krippen und Kindergärten und Einrichtungen für die Jugendarbeit an die sich ergebenden Bedürfnisse" hat er sich auf die Fahne geschrieben.

In exakt den gleichen Bereichen setzt auch Richter seine Schwerpunkte, die er jedoch anders ausgestaltet. So geht es ihm bei einem verbesserten Hochwasserschutz auch um die Bewahrung der Natur und einen gemeinsamen Weg mit den Nachbarn in Dormitz und Hetzles. Die Realisierung der Westumgehung will er "mithilfe finanzieller Unterstützung der Regierung" vorantreiben.

Richter: Schulden abbauen

Für die Kinder und Jugend hat er den zweiten Bauabschnitt des Schwimmbades genauso im Blick wie die Einrichtung eines Jugend- und Nachbarschafts treffs. Gleichzeitig solle jedoch der Schuldenabbau weitergehen. Mithilfe von ganzheitlicher Baulandausweisung und der einhergehenden Steigerung der Einkommens- und Gewerbesteuereinnahmen ist er zuversichtlich, dies zu schaffen. Dabei verweist der 59-Jährige gerne auf Projekte, die in seinen sechs Amtsjahren realisiert wurden: Dorfgemeinschaftshaus Ebersbach, Feuerwehrhäuser Ermreuth und Großenbuch, Kinderkrippen oder Mensa-Bau.