Sabine Lutz und Inge Hass haben mehr als nur einen einzigen Beruf: "Wir sind Tierbetreuer, Pfleger, Erzieher, Fahrdienst, Haushälterin. Und manchmal sind wir auch Zuhörer", sagt Sabine Lutz. Mit einem einzigen Wort gesagt: Die beiden Frauen sind Dorfhelferinnen. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn in einem Haushalt die Frau oder Mutter ausfällt. Weil sie krank ist oder gerade entbunden hat. Im schlimmsten Fall, weil sie gestorben ist.

Routine kennt eine Dorfhelferin nicht. "Jeder Haushalt ist anders organisiert", sagt Sabine Lutz. Kein Einsatzort gleicht dem anderen. Gefordert sind die beiden Frauen vor allem im Haushalt. Aber es kommt gar nicht so selten vor, dass sie auch in der Landwirtschaft einmal mitanpacken müssen. Es kommt immer darauf an, wie der Tagesablauf jener Frau ausgesehen hat, die sie ersetzen müssen.

In der Praxis kann das auch einmal heißen, dass Sabine Lutz und Inge Hass um 6 Uhr im Stall stehen und dort die Kühe melken und die Schweine füttern müssen. Anschließend geht es ins Haus, wo die Dorfhelferinnen sich um das Essen oder auch die Wäsche kümmern. Das setzt voraus, dass sie sich bereits kundig gemacht haben über die jeweilige Lebensweise und Haushaltsführung der betreffenden Familie.

"Wo ist das Geschirr? Hat jemand in der Familie Allergien, bestehen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, auf die man achten muss", - das sind für Sabine Lutz anfangs die drängenden Fragen.

Zwischen den Stühlen

Lange Einarbeitungszeiten gibt es dabei nicht. Schließlich sind Sabine Lutz und Inge Hass dafür da, damit der Betrieb reibungslos weiterläuft.

"Es ist ein Jonglieren zwischen allen Stühlen, da man nicht weiß, wohin man als nächstes kommt", sagt Sabine Lutz. Wenn das Telefon klingelt, erfährt sie ihren nächsten Einsatz und hat nur grobe Vorstellungen von der zu verrichtenden Arbeit.

Manchmal erfährt sie auch erst vor Ort, was sie jetzt tun soll. Sie hat deshalb immer beide Sachen parat: Stallklamotten und Stiefel sowie ihre Haushaltskleidung. Und manchmal übt sie auch zwei Einsätze parallel aus: bei den einen morgens und abends im Stall.

Bei den anderen dazwischen drei oder vier Stunden im Haushalt. Die 38-jährige Sabine Lutz ist hauptberufliche Dorfhelferin. Unangenehm wird es nur, wenn die Einsatzorte zu weit weg liegen. "Wir versuchen, die Dorfhelferinnen immer ortsnah einzusetzen. Aber das sei nicht immer möglich, sodass sich die hauptberuflichen Dorfhelferinnen schon früh am Morgen auf den Weg machen müssen", sagt Marga Wittigschlager vom Maschinenring Regnitz-Franken.

Sie organisiert die Einsätze in einem großen Gebiet. Dieses umfasst die Landkreise Nürnberg, Nürnberger Land, Erlangen, Erlangen-Höchstadt und Forchheim. In diesem Radius bewegen sich auch die Dorfhelferinnen, sodass Sabine Lutz durchaus einmal 40 Kilometer unterwegs sein kann.

Weniger Nebenberufler

Ablehnen können einen Auftrag nur die nebenberuflichen Betriebshelfer. Dabei handelt es sich um Jungbauern, die sich bereit erklären, auf anderen Höfen zu helfen, wenn am eigenen Hof gerade weniger zu tun ist.
Dass weniger Arbeit anfällt, weil die Landwirtschaften im Ganzen weniger werden, können weder Marga Wittigschlager noch die Dorfhelferinnen sagen. "Reduziert haben sich nicht die Einsätze, eher die Interessenten für diesen Beruf", sagt Wittigschlager.

Es gebe weniger nebenberufliche Betriebshelfer, da es einerseits weniger landwirtschaftliche Betriebe gebe und sich andererseits die Flexibilität innerhalb der Betriebe verändert habe, bestätigt Ralf Wagner. Er ist Geschäftsführer des Maschinenrings.

Derzeit kann Wittigschlager vier Frauen und drei Männer als Hauptberufliche und etwa 50 Nebenberufler einsetzen. Wobei die männlichen Hauptamtlichen Betriebshelfer heißen und nur für die Stallarbeiten zuständig sind.
Sie schwingen weder einen Kochlöffel noch wechseln sie Windeln.

Einen männlichen Dorfhelfer gibt es nicht. Der einzige, der die Dorfhelferschule besucht hat, hat seine Ausbildung wieder abgebrochen. "Frauenarbeit ist für Männer doch zu schwer", kommentiert Ralf Wagner. Selbst wenn es nur wenige hauptamtliche Dorfhelferinnen gibt, haben auch sie ein Anrecht auf Urlaub. Zudem können natürlich auch Dorfhelferinnen krank werden.

Das kann dann für beide Seiten anstrengend sein: für die Dorfhelferinnen selbst, aber auch für die Familie, die sie angefordert hat.

Alle Hände voll zu tun

Schon mehrfach eine Dorfhelferin hatte Doris Bachmeier im Haus, nach jeder Entbindung. Fünf Kinder hat die ehemalige Kirschkönigin und mit ihrem Obstanbau und dem Hofladen zusätzlich noch alle Hände voll zu tun.

Dass ihr in den Wochen des Mutterschutzes eine helfende Kraft zur Seite stand, empfand sie sehr angenehm. "Es ist eine super Sache. Die Dorfhelferinnen sind eine Entlastung und Hilfe. Die Arbeit würde sonst einfach liegen bleiben", sagt Bachmeier. Bezahlt werden die Dorfhelferinnen in der Regel von der Krankenkasse.

So putzte bei ihr Inge Hass morgens das Haus, kochte, wusch Wäsche und bügelte. Oder Inge Hass legte Dörräpfel aufs Gitter und füllte frische Äpfel in die Holzkisten.

Das alles ist anstrengend, aber eine Qual bedeutet es für Inge Hass trotzdem nicht: "Es ist ein sozialer Beruf und ich helfe gern", sagt sie.