Der alte Ludwig-Donau-Main-Kanal, dessen Bau im Jahr 1836 begann und zehn Jahre dauerte, wurde in den 1950er Jahren trocken gelegt. Von den 100 Schleusen von Kehlheim an der Donau bis Bamberg am Main sind rund zwei Drittel erhalten. Einige von ihnen - wie die Schleuse 100 bei Bamberg - funktionieren noch heute. Andere wurden dagegen aufgefüllt.

Die trockene Schleuse 94 bei Eggolsheim, die direkt an der Staatsstraße zwischen Forchheim und Neuses liegt, ist die einzige begehbare Schleuse des ehemaligen Kanals. Die Reste sind heute ein Industriedenkmal von europäischem Rang. Ein Denkmal, das zur Zeit eingerüstet ist, da es aufwändig saniert wird.

Für Architekt Jürgen Schönfelder ist der Auftrag ein "hochinteressantes Projekt". "So etwas kommt wahrscheinlich nie wieder", erklärt er bei einem Ortstermin. Die Schleuse 94 steht mitten in einem Naturschutzgebiet. Daher erfolgt die Sanierung nur im Einvernehmen mit dem Denkmal- und dem Naturschutz.

Schaden mit unbekannter Ursache

Gut zu erkennen, ist, dass die Schleuse an einer Stelle beschädigt worden war und dort vor vielen Jahren notdürftig mit Beton geflickt wurde. "Was passiert ist, wissen wir nicht", sagt Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB/OEB). Möglicherweise war es eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg oder ein Statik-Problem, das den Schaden angerichtet hat. Der Denkmalschutz will allerdings nach der Sanierung auch keine perfekte Sandsteinmauer sehen. Der Beton soll erhalten bleiben, denn er gehört zur Geschichte der Schleuse.

Die Fugen zwischen den Sandsteinquadern werden nicht großflächig zugemacht. Mitarbeiter der Obersten Naturschutzbehörde aus Bayreuth haben Schaumstoffteile dort eingesetzt, wo nicht verfugt werden soll. Insekten und die seltenen Zauneidechsen brauchen diese Ritzen, um sich darin zu verstecken. Das alles bedeutet eine Herausforderung für alle Beteiligten. "Die Sanierung muss so sein, dass wir in fünf Jahren nicht wieder sanieren müssen", sagt der Bürgermeister.

Altes Schema nachempfinden

Der Architekt erreicht mit der Schleusensanierung berufliches Neuland. "Auch der Steinmetz hat so etwas noch nicht gemacht", sagt Schönfelder. Er selbst hat sich im Vorfeld unzählige Schleusen entlang des alten Kanals angeschaut und mit Experten gesprochen. Alle 100 Schleusen wurden nach einem ähnlichen Schema gebaut. "Wir wollen nachempfinden, wie es früher war", erklärt Schönfelder. Alte Fotos liefern ihm weitere wertvolle Hinweise. Er hat ausrangierte Ankerketten organisiert, die zwischen die Poller, den Begrenzungssteinen der Auffahrt, gespannt werden sollen und die den historischen Ketten ähneln.

Die gewölbte Straßenbrücke der Schleuse 94, deren Brüstung aus Stein bestanden hatte, war irgendwann durch eine Betonbrücke ersetzt worden. Damit die Besucher trotzdem erahnen können, wie es einmal ausgesehen hat, werden Lamellen aus Metall gespannt, um den Rundbogen anzudeuten.

Ulrich Gaugler von der Firma Stahl kann bereits ein Muster zeigen. Etwa auf der Höhe des früheren Wasserspiegels soll außerdem ein Auffangnetz aus Edelstahl gespannt werden, das vor Abstürzen sichern soll.

1,3 bis 3,3 Tonnen schwer

Die Handwerker von damals haben die Quader akkurat bearbeitet und sehr genau aufeinander gesetzt. "Es ist ein Rätsel, wie die Leute das damals bewegt haben", erklärt Architekt Schönfelder. Die obersten Sandsteine musste ein Autokran herunter heben, da dort Pflanzen und Gehölze hineingewachsen waren. Der größte Quader wiegt 3,3 Tonnen, der kleinste 1,3 Tonnen.

"Die Schleuse 94 ist ein Denkmal von europäischem Rang und eines der letzten Relikte des Ludwig-Donau-Main-Kanals in Oberfranken. Sie ist Teil der Geschichte", sagt Bürgermeister Schwarzmann. Die Sanierung empfindet er daher auch als eine "Verpflichtung, die wir wahrnehmen". Touristen können sich die Schleuse im Vorbeifahren anschauen. "Eine begehbare Schleuse gibt es nur in Eggolsheim." Trotzdem gebe es in der Gemeinde Projekte - "kommunale Pflichtaufgaben" - die wichtiger seien, stellt Schwarzmann klar.

In Eggolsheim engagieren sich Bürger seit einigen Jahren in einem Schleusenförderverein, der sich für den Erhalt des Industriedenkmals einsetzt. "Das zeigt auch den Wert der Angelegenheit und stellt die Bedeutung der Schleuse für unsere Gemeinde heraus", sagt der Bürgermeister. Natürlich ist die Freude bei Stefan Pfisterm, dem Vorsitzenden des Vereins, besonders groß, dass es nun mit den Arbeiten los geht.

Insgesamt 675 000 Euro

Das historische Denkmal soll in zwei Bauabschnitten saniert werden. Der erste Teil, die eigentliche Sanierung, kostet 425 000 Euro. Sie umfasst unter anderem die Sandsteinsanierungen und die Treidelwege. Im nächsten Bauabschnitt, der "Inwertsetzung", sind 250 000 Euro geplant. Die Zuschüsse kommen unter anderem aus dem EU-Leader-Programm, von der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Landesstiftung und dem Schleusenförderverein, so dass die Gemeinde selbst keinen Anteil leisten muss. "Der Bauhof hat ein paar Tage mitgeholfen, aber es gibt keine größere finanzielle Beteiligung", betont der Bürgermeister.

Im Zuge der Inwertsetzung wird auch ein Informationspavillon an der Stelle errichtet, an dem einst das Schleusenwärterhäuschen stand. Dieses war im Jahr 1983 abgerissen worden.

Bis zum Schleusenkonzert am 19. Juli (Beginn: 20 Uhr, Motto: "Zigeunermusik") sollen die Sandsteinarbeiten der Firma FX Rauch aus München abgeschlossen sein.