Am Esstisch von Familie Mück in Langensendelbach geht es munter zu. Zwischen die Abendunterhaltung auf Fränkisch mischen sich Gespräche auf Englisch, dazwischen ein paar Wortfetzen Niederländisch und Spanisch.

Vier Austauschschüler sind im Moment bei Familie Mück zu Gast: Eduardo aus Venezuela, Eva aus der Dominikanischen Republik, Lukas aus Spanien und Robin aus den Niederlanden. Nadine und Ralf Mück haben selbst vier Töchter im Alter zwischen acht und 18 Jahren. Eine davon, Sissy, ist aktuell für ein Jahr in den USA.

Dass es am Ende fünf Gastschüler geworden sind, war eher Zufall, erzählt Gastmutter Nadine Mück. Die älteste Tochter Romy war 2017 mit der Austauschorganisation AFS ein Jahr in den USA, so entstand der Kontakt. Im vergangenen Sommer hat die Organisation die Familie angeschrieben, ob sie als "Welcome-Family" Eduardo zur Überbrückung aufnehmen können.

Parallel dazu ist Eva bei der Familie angekommen, deren Austauschjahr bereits geplant war. Über die Wirtschaftsschule der 14-jährigen Marie entstand der Kontakt zum Erasmus-Programm. "Eigentlich wollten wir nur einen Schüler aufnehmen, aber weil sich nicht so viele Familien melden, haben wir zwei genommen", sagt Nadine Mück.

Das Zusammenleben hat sich mittlerweile eingespielt, wenn Nadine Mück das Abendessen vorbereitet, muss sie eben neun Schnitzel panieren. Alles braucht etwas mehr Organisation, etwas mehr Zeit, etwas mehr Platz. Das schwierigste dabei? "Jedem gerecht zu werden", sagt sie. Gastvater Ralf Mück fügt hinzu: "Die Masse. Wenn wir früh aufwachen, dann ist einfach Gewusel. Wie ein Ameisenhaufen", sagt er und lacht. Er betont: "Alle sind sehr nett und anständig. Das halte ich ihnen zugute".

Nicht nur organisatorisch ist der Austausch ein Kraftakt - auch finanziell. So ist der Austausch mit AFS gemeinnützig, das heißt die Gastfamilie bekommt dafür kein Geld für die Lebenshaltungskosten.

Die Schwestern Elly, Marie und Romy Mück haben sich an die Besucher gewöhnt. "Ich finde das ganz gut", sagt die achtjährige Elly. Auch die 18-jährige Romy ist überzeugt vom Austausch.

Austauschschüler lernen nicht nur eine fremde Kultur und Sprache, sondern auch "sich selbst und die eigene Kultur besser kennen." In Gesprächen mit Eduardo hat sie gemerkt: "Wir sind hier viel direkter." Ihre Schwester Marie nickt zustimmend: "Das hilft in späteren Jahren, wenn man nicht nur mit der Familie umgeht, sondern auch mit anderen. Man lernt Toleranz."

Eduardo ( 18 Jahre) aus Venezuela

Eduardo ist bereits seit September 2018 als Austauschschüler mit der Organisation AFS in Deutschland. Bevor er nach Langensendelbach gekommen ist, hatte er bei einer Familie in Hamburg gelebt.

Im Sommer 2019 kommt er nach Langensendelbach, besucht seit September die Berufsschule in Forchheim. Ab September startet er eine zweijährige Schreiner-Ausbildung in Poxdorf. Eduardo ist in Langensendelbach voll integriert, viele kennen ihn. "Die Leute hier sind so ordentlich und pünktlich", sagt der 18-Jährige.

Dass Eduardo so lange in Deutschland bleibt, hängt mit den Unruhen in Venezuela zusammen. Sein Vater hat ihn bei dem Austausch-Programm angemeldet, damit er aus dem Land heraus kommt. Weil sich Eduardo in Langensendelbach so gut eingelebt hat, "wollten wir ihm eine Chance bieten, dass er bleiben kann", sagt Nadine Mück. Asyl für ihn zu beantragen, war der Familie aber zu unsicher.

Eva (18 Jahre) aus der Dominikanischen Republik/Santo Domingo

Seit September 2019 ist Eva mit der Austauschorganisation AFS in Deutschland. Sie bleibt bis Juli 2020 in Langensendelbach und besucht das Gymnasium in Spardorf. Was sie in Deutschland gerne mag? "Schnitzel und Karpfen", sagt sie und lächelt. Was sie weniger mag: "Die Kälte." In Deutschland hat Eva das erste Mal Schnee gesehen.

Zuhause lebt Eva mit ihrer Mutter in der Hauptstadt Santo Domingo. Wenn sie in der Metropole auf die Straße geht, ist das Sicherheitsgefühl ein anderes, Kriminalität ist immer ein Thema. Ihren Schmuck lässt sie deshalb meistens zuhause. Das Leben in einer Großfamilie in Langensendelbach ist für die 18-Jährige deshalb eine Umstellung - die ihr sehr gut gefällt, erzählt sie. Die Mück-Schwestern und Eva sind zu Freundinnen geworden. Wenn die 18-Jährige wieder zurück in ihrer Heimat ist, möchte sie an einer Universität Marketing studieren.

Lukas (13 Jahre) aus Spanien/ Toledo

Der 13-jährige Lukas ist über das Austauschprogramm Erasmus für eine Woche in Deutschland. Hier besucht er die Wirtschaftsschule. Die Menschen in Deutschland seien sehr offen, sagt er. Außerdem gefallen ihm die Gebäude und die Architektur gut. Zuhause ist er in der spanischen Stadt Toledo, der Hauptstadt der Region Castilla-La Mancha.

Robin (14 Jahre) aus den Niederlanden

Wie Lukas ist der 14-jährige Robin über das Austauschprogramm Erasmus für eine Woche in Langensendelbach. Seit eineinhalb Jahren lernt er an seiner Schule die deutsche Sprache. Für Deutschland als Austauschland musste er sich nicht lange entscheiden: "Das beste Land, in das man gehen kann", sagt er. Besonders beeindruckt hat den 14-Jährigen die Bamberger Altstadt. Auch die Berge hier in Deutschland sind ein Unterschied zu der flachen Landschaft in den Niederlanden. Ansonsten seien sich Deutschland und die Niederlande gar nicht so unähnlich, nur Weißwürste hat er hier das erste Mal gegessen.

Informationen zu AFS und Erasmus

Erasmus Das Erasmus-Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union. Besonders bekannt ist das Austauschprogramm von Erasmus: Studenten können damit einen drei bis zwölf monatigen Auslandsaufenthalt an einer Universität innerhalb der EU absolvieren. Während dieser Zeit im Ausland, werden Teilnehmer zudem finanziell und auch ideell unterstützt. Mehr Infos unter: www.erasmusplus.de

AFS Die deutsche Länderorganisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Der Verein versteht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Mehr Infos unter

www.afs.defr