Im Gasthof "Grüner Baum" wurde gerade zum Tanz aufgespielt, als die Wassermassen die Stadt Gräfenberg mit voller Wucht traf. Das Vieh im Nebengebäude schwamm bereits davon. Diese Hochwasserkatastrophe ist genau 240 Jahre her und prägte die Stadt in ihrem Erscheinungsbild genauso wie andere historische Ereignisse, die Christiane Reichert vom Büro "Kunst und Denkmalpflege" in Bamberg dem Stadtrat präsentierte.

Viele Veränderungen sind aus den historischen Ereignissen heraus entstanden und geben heute noch Zeugnis über das Leben der Vorfahren. Vor allem aber sind die Unmengen an Treppen, die vielen Gassen, die Fachwerke und besonderen Bauweisen der Häuser Ergebnis einer langen Geschichte der Stadt.


Einstündiger Vortrag

"Die Gäste kommen nicht nur hierher, weil das Bier gut schmeckt, sondern weil es schön ist", sagte Christiane Reichert. In einem einstündigen Vortrag entführte Reichert die Stadträte in die Geschichte, als sie das Ergebnis der vertieften städtebaulichen denkmalpflegerischen Untersuchung der Stadt vorstellte. Berücksichtigt wurden dabei nicht nur die denkmalgeschützten Häuser, sondern auch jüngere. "Der Stadt würde sonst etwas fehlen", meinte Reichert.

Die Untersuchung geschah in einer Art Spaziergang durch den Ort. In dem Abbildungskatalog dokumentieren Christiane Reichert und Ralf Jost, wo historische Bausubstanz erhalten ist, und gehen auch auf historische Ereignisse ein, die das Stadtbild geprägt haben: der Dreißigjährige Krieg beispielsweise oder der große Stadtbrand, bei dem 58 von 95 Häusern zerstört wurden.

Die traufständischen Häuser sind aus dieser Zeit. Beim Haus Wölfel ist noch heute das Brandgässchen sichtbar, jedoch derzeit mit einem Brettervorschlag verhängt.

Die Hochwasserkatastrophe, die vor allem die Vororte traf, weil das Egloffsteiner Tor verschlossen war, ist in einem Stahlstich festgehalten worden. Zu vielen dieser Jahrhundertereignisse erzählte Reichert Geschichten aus dem Alltagsleben der Gräfenberger Vorfahren.


Sommerbierkeller mit Kegelbahn

Im südlichen Teil des Scheunenviertels gab es einen Sommerbierkeller mit Kegelbahn, was zum Gasthaus "Weißes Ross" gehörte. Dem Bild nach zu urteilen muss es sich um das jetzige Hotel "Alte Post" handeln.

Schließlich erläuterte Reichert die Entwicklungsphasen der Stadt, die wohl einst sogar eine Burg hatte. Diese Burg wurde von der Kalkach umspült und dort herum hatte sich eine Burgsiedlung entwickelt, die etwa bei dem "Krämerhaus" am Bahnhof begann. Der Verlauf der Stadtmauer lässt darauf schließen.

Eine Besonderheit war das alte Rathaus in Gräfenberg. Es war als Kaufmannshaus errichtet worden und alleine an der Größe und dem Erker erkannte man, dass ein richtig reicher Mann dort lebte. Das Rathaus, das damals noch mitten auf dem Marktplatz stand, wurde abgerissen.


Begeisterung für Kleinstadt

Christiane Reichert machte deutlich, wie wichtig die historischen Bauten sind und dass auch die noch schlummernden, auf eine Sanierung wartenden Gebäude durchaus ihren Charme hätten. Vor allem aber steckte Reicherts Begeisterung für die historische Kleinstadt die Räte an. "Ich bin beeindruckt, mit welcher Begeisterung sie von Gräfenberg sprechen. Da können sich die Gräfenberger eine Scheibe abschneiden", meinte Matthias Striebich (Grüne). Denn dort höre man oft nur die andere Seite, dass man hoffentlich vom Denkmalschutz verschont bleibe. "Hier wurde die andere Seite aufgezeigt", sagte Striebich, der es gut fände, wenn diesen Vortrag alle Gräfenberger hören könnten.