Amadis de Gaula war - zumindest den mittelalterlichen Romanen nach - ein edler Ritter. Sein sagenhaftes Schicksal hat Friedrich Händel vertont und Catherine Jousseline hat ihr Ensemble für mittelalterliche Musik nach der Sagengestalt benannt.

In die Forchheimer Pfalz kam das Ensemble Amadis mit Musik aus der Entstehungszeit des Hauptgebäudes, dem 14. Jahrhundert. Mit Melodien, die auf und um den Jakobsweg entstanden sind. Der Auftritt war Teil des "Fränkischen Sommers - Musica Franconia 2012".

Seltsam vertraut und doch fremd klingen die Texte. Latein und doch nicht Latein; heutiges Spanisch oder Französisch ist es aber auch nicht: Es ist mittelalterliches Okzitanisch, Katalanisch und Galego-Portugiesisch; die Sprachen, die gängig waren, mit denen sich die Pilger und Gläubigen verständigten, wenn sie von den Alpen, über die Pyrenäen nach Westen zogen, bis sie kurz vor dem Ende der bekannten Welt zur Basilika des Apostel Jakobus kamen.

Handschriften als Quellen


Erhalten haben sich einige der Pilgerlieder in mehreren Handschriften und Codices; das meiste wird im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen sein. Vom Libre Vermell de Montserrat, eine der von Amadis benutzten Quellen, weiß man, dass von ursprünglich 172 Seiten 35 verloren gegangen sind.

Umso beeindruckender ist die Forschungsarbeit und vor allem der Vortrag des Ensembles, der den Zuhörer binnen Minuten in eine ferne Klangwelt entführt. In eine Welt voller Wunder, voller Frömmigkeit und - voller Minne. Kirchliche Musik und pralle weltliche Lieder einhellig nebeneinander, so wie sie - für uns leicht befremdlich - als Gesänge der heiligen Marias des Königs Alfonso des Weisen (Cantigas de Alfonso el Sabio) zusammengestellt sind.

Die erhaltenen Lieder sind nach den Regeln des Gregorianischen Gesang tradiert und enthalten viele damals populäre Melodien, greifen auf populäre Lyrik und Schöpfungen der Troubadours zurück.

Maurische Anklänge


Nicht ausgelassen hat Amadis in seinem Programm die musikalische Überlieferung der "Mauren", explizit der jüdischen Bevölkerung der Kalifate auf spanischem Boden, die die erobernden Spanier mit den arabischsprachigen Einwohnern unter dem einen Begriff zusammenfassten. Belegt wird dieser Blickwinkel in Programm "Sur les Chemins de Saint-Jacques" durch die Ballade (Romance) von Don Boyso aus einer romano-jüdischen Überlieferung. Der Ritter fragt eine junge Frau, ob sie Christin oder Maurin sei.

Das klangliche Erbe der mozarabischen Kultur kam immer wieder im Gesang zum Tragen; weniger bei den religiösen Stücken, die den Geist der Gregorianik in sich tragen, als vielmehr in den temperamentvollen Liebesliedern.