Das Haus mit dem gelben Anstrich und den kastanienbraunen Fensterläden macht von außen einen ruhigen Eindruck. Im Innern dagegen tobt das Leben: Im Zwergenland kümmern sich derzeit zwei Kinderpflegerinnen, zwei Erzieherinnen und zwei Praktikantinnen um 24 Kleinkinder.

Seit 2006 leiten Kathrin Kornfeld und Daniela Schriefer die Kinderkrippe am Klinikum Fränkische-Schweiz in Ebermannstadt. Das damals leerstehende Haus hatten sie angemietet, nachdem es eigentlich schon abgerissen werden sollte.

Schriefer erinnert sich an den Start: "Als wir damals angefangen haben, hieß es, es sei kein Bedarf da." Mittlerweile sind die Betreuungsplätze für die Ein- bis Dreijährigen höchst begehrt. "Für September haben wir keine Plätze mehr. Einige Eltern stehen auch schon auf der Warteliste."

Klinikum unterstützt Mütter

Kathrin Morell hat noch einen Krippenplatz ab September ergattert. Die Sozialpädagogin ist eine von fünf Müttern, die im benachbarten Krankenhaus arbeiten. Die dortigen Beschäftigten hätten einen kleinen Bonus bei der Vergabe der Plätze, erklärt Sprachtherapeutin Andrea Graf-Beller. Das liegt vor allem daran, dass das Klinikum das "Zwergenland" von Beginn an unterstützt hat. Generell steht die familienergänzende Kinderbetreuung aber jedem offen.

Die günstige Situation ermöglicht den Klinikum-Müttern, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. "Ich muss früh keine Wegzeiten fahren, da ich direkt neben der Kinderkrippe arbeite. Dadurch bin ich super flexibel", erklärt Kathrin Morell.

Andrea Graf-Beller hebt das Engagement der Krippenleitung hervor. Die Kinder würden liebevoll betreut und die Abläufe in der Krippe seien transparent. "Es gibt auch Entwicklungsgespräche, in denen der Fortschritt in der Gruppe festgehalten wird. Das ist schon klasse." Auch einen Elternstammtisch gibt es einmal im Monat. "Es ist ganz wichtig, dass sich die Eltern auch untereinander kennen", begründet Daniela Schriefer die Maßnahme.

Der Tag für die Kleinkinder beginnt meistens zwischen 7 und 9 Uhr. Um diese Zeit werden sie am "Zwergenland" abgeliefert oder von Zuhause abgeholt. Tagsüber wird zusammen gegessen, gespielt und geschlafen. Spätestens um 17 Uhr endet der Aufenthalt. Dann schließt das Zwergenland seine Türen.

Weiterer Handlungsbedarf

Krippenplätze sind begehrt wie nie. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend liegt der aktuelle Bedarf bei 780 000 Plätzen. "Wer einen Krippenplatz braucht, muss sich heutzutage früh umschauen", sagt Schriefer. Das weiß auch Kathrin Morell. Sie bezeichnet die Kinderkrippe als einzige Möglichkeit, regelmäßig arbeiten zu gehen.

Die Zwergenland-Betreiberin Kornfeld ergänzt: "Viele Familien haben keine Verwandtschaft in der Umgebung und oftmals arbeiten die Großeltern selbst noch. Da wissen dann viele nicht, wo sie ihre Kinder abgeben können."

Die Notwendigkeit, zusätzliche Krippenplätze zu schaffen, hat der Bund mittlerweile erkannt. Deswegen hat er im Sommer den Ländern zusätzliche Fördermittel in Höhe von 580 Millionen Euro für Betreuungsplätze zugesagt. Wenig Verständnis zeigt Morell allerdings für die Betreuungsgeld-Regelung. "Der Staat versucht mit dem Betreuungsgeld das Defizit an Krippenplätzen zu verschleiern. Außerdem wird mit dieser Regelung ein Frauenbild transportiert, das das Hinterletzte ist." Mit dem "Zwergenland" ist sie jedoch hochzufrieden.