Die Einwände sind formuliert, ab Montag geht es zur Sache. Eine Woche lang wird die Forchheimer Jahnhalle Schauplatz des Erörterungstermins sein. "Einschneidende Entscheidungen für die Zukunft unserer Stadt" erwartet Otwin Schneider, der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Forchheim Nord: "Wie wird der geplante Ausbau der Bahn das Bild der Stadt und wie wird der Bahnlärm die Wohnqualität der Bürger verändern?"

Alleine die Stadtverwaltung hat 26 Themenkomplexe (Lärmschutz, Eigentumsfragen, etc.) zusammengetragen und auf annähernd 50 Seiten ihre Einwände beschrieben, sagt Roland Eismann, der Amtsleiter der Bauverwaltung. Von Seiten der Bürger wurden über 1300 Einwände formuliert: 900 kommen aus Forchheim, über 400 aus Eggolsheim.

Erörterung ist nicht öffentlich
Der fünftägige Erörterungstermin ist nicht öffentlich - zur "großen Verwunderung" des Eggolsheimer Bürgermeisters Claus Schwarzmann (BB/OEB/AS). Der hält zudem die Terminwahl für "extrem unsensibel". Die Regierung sei daran nicht schuld, sondern die Bahn. Ursprünglich wollte sie die Erörterung mitten in den August legen, sagt Schwarzmann und rügt die "maßlose Frechheit" der Bahn in diesem Verfahren. "Die Politik muss mehr Geld bereit stellen, um die Anliegen Forchheims, Eggolsheims und der Regnitztal-Kommunen richtig ernst zu nehmen." Die Bahn versuche zu viele Mittel "auf die Kommunen abzuwälzen". Schwarzmann: "Man könnte uns gut als Partner gewinnen, wenn die nötigen Mittel bereit gestellt würden." Der Bürgermeister schätzt, dass der Streckenabschnitt zwischen Baiersdorf und Eggolsheim rund 300 Millionen Euro kosten dürfte. "Fünf Prozent mehr Investition von Seiten der Bahn - und unsere Belange sind befriedigt."

BI-Sprecher Otwin Schneider hofft, dass sämtliche betroffene Bürger in der Jahnhalle aufkreuzen: "Ihre Fragen und Antworten werden protokolliert und gewinnen damit Beweiskraft." Die Betroffenen könnten in der Erörterung "neue Gesichtspunkte einbringen, die ihnen in der kurzen Zeit der schriftlichen Einspruchsmöglichkeit noch nicht klar waren", wirbt Otwin Schneider für eine Beteiligung: "Viele neue Erkenntnisse sind dazu gekommen. So gibt es seit kurzem ein Gerichtsurteil, das bestimmt, dass der Lärmbonus für die Bahn nicht gilt, wenn eine Straße verlegt werden muss. Damit ist die Lärmberechnung der Bahn für den gesamten Bereich der Jean-Paul Straße ohnehin falsch, denn diese Straße wird verlegt."

Der Stadt wirft Schneider vor, das Thema ICE-Ausbau nicht intensiver zum Thema gemacht zu haben - etwa im Forchheimer Mitteilungsblatt. Zu viele Dinge seien nicht bekannt und sollten ab Montag publik werden, fordert der BI-Sprecher und nennt ein Beispiel: "Ein Gerichtsurteil stellt fest, dass die Bahn die Folgekosten für passiven Lärmschutz, also etwa für Lärmschutzfenster, nur dann übernehmen muss, wenn die Betroffenen dies beantragt haben." Otwin Schneider fordert die Bürger auf, ihre "Ansprüche anzumelden" und ihre mündlichen Einwände in der Jahnhalle protokollieren zu lassen.

Streit um Grundstücke
Schneiders persönlicher Anspruch: Er will nach dem ICE-Ausbau "so gestellt werden, wie ich es jetzt bin." Er werde in der Jahnhalle zudem klar machen, dass die Bahn keinen Anspruch auf das 4 mal 15 Meter große Areal vor seiner Garage habe: "Ich gebe mein Grundstück nicht her." Sechs weitere Grundstückseigener in der Jean-Paul-Straße "müssen was verkaufen und sind nicht einverstanden." Bei Enteignung müsse die Bahn "Alternativen prüfen", kritisiert Schneider. Das habe sie aber nicht getan. "Das Feld der Mängel ist riesig."

Um sämtliche Mängel zu benennen, hat die Gemeinde Eggolsheim mehrere Rechtsanwälte beauftragt. "Sie haben die Einwendungen geschrieben", sagt Bürgermeister Schwarzmann. Und weist auf ein möglicherweise absurdes Ende des ganzen Verfahrens hin: "Es wird von ganz oben gemunkelt, dass es keinen viergleisigen Ausbau geben wird und dass man auch zweigleisig zurechtkommt. Aber das Verfahren wird durchgeführt."