Der Ort Albertshof liegt idyllisch auf einer Anhöhe zwischen dem Wiesent- und dem Aufseßtal und gehört zur Marktgemeinde Wiesenttal. Man kann hier die Natur pur genießen und traumhafte Sonnenuntergänge bewundern.

Doch was ist, wenn die einzige Gaststätte schließt und man als Jugendlicher noch keinen Führerschein hat? "Das war 1972 so. Da hat die Gaststätte zugemacht. Und die Feuerwehr war der einzige Verein am Ort. Ich war damals im Gemeinderat und wollte der Jugend helfen", erinnert sich Paul Ganß. Die Jugendlichen wollten einen modernen Verein, nichts Traditionelles.

Deshalb hörte sich Ganß ein wenig um, sprach den einen oder anderen an. Und es fanden sich mit ihm sieben Personen, die den Vorläufer zum Hüttenverein gründeten. "Das war zuerst ein loses Zusammentreffen", erzählt Helmut Hofmann. Und Paul Ganß ergänzt, dass damals jedes der Gründungsmitglieder 100 Mark gezahlt hatte, damit man eine Hütte bauen konnte. "Das Material habe ich mit Genehmigung abgezwackt. Das Holz haben wir vom Sägewerk bekommen, und der Hofmann Fritz hat die erste Hütte dann aufgestellt", fasst Paul Ganß zusammen.


Der Pfarrer war auch da

Ganß erzählt weiter, dass es Probleme gab, die Genehmigung für die Hütte zu bekommen. Doch auch hier wusste sich Ganß zu helfen und spendierte dem damaligen Landrat eine Brotzeit, damit alles in Ordnung kam.
1975 feierten die " Madeln und Buam" ihre erste Hüttenkerwa. Das fing klein an, doch mittlerweile sind Albertshof und seine Hüttenkerwa legendär und berühmt. "Eine Zeitlang hießen wir ,das sündige Dorf'", erzählt Werner Müller und lacht. "Ja, wir hatten Stripperinnen", wirft Helmut Hofmann ein und Tobias Seliger ergänzt: "Wir haben damals nackte Tatsachen in ein Zelt gebracht. Das war früher etwas Besonderes. Heutzutage nicht mehr." Helmut Hofmann berichtet, dass das dem ehemaligen Pfarrer gar nicht gefallen habe: "Aber trotzdem war er da."

Aus dem losen Zusammentreffen der "Hütt'n Madel und Buam" wurde 1989 der eingetragene Verein "Hüttenverein Albertshof", der sich die Förderung des öffentlichen Lebens auf die Fahne geschrieben hat. Die Mitglieder des Vereins sind zwischen 20 und 75 Jahren alt. "Wir haben früher auch schöne Ausflüge gemacht", erzählt Helmut Hofmann. Aus dem Erlös der Festivitäten wurden Spenden an beispielsweise den Kindergarten oder die Kirche gegeben. "Wir haben uns auch an gemeindlichen Veranstaltungen beteiligt, wie zum Beispiel einen Wagen fürs Erntedankfest erstellt", berichtet Werner Müller.

Und Vorstandsvorsitzender Stefan Wolf erzählt, dass eine Fußballmannschaft des Vereins beim Wiesenttalcup mitgemacht habe: "Und wir haben ihn 2006 gewonnen."


Gut gefedertes Sofa

Neben der Hüttenkerwa gibt es auch noch das Johannisfeuer, das groß gefeiert wird. "Da läuft auch alles gemeinsam. Wir holen das Feuerholz und stellen es auf, besorgen Essen und Trinken. Heuer gab es Gyros. Das ist gut für die Kasse, denn damit finanzieren wir unsere Treffen", erklärt Jens Wolf.

Diese Treffen finden einmal im Monat in der Hütte statt, an jedem ersten Samstag. Wobei ein Mitglied die Bewirtung übernimmt. Man trifft sich, isst und trinkt und sitzt gemütlich zusammen. Früher einmal auf einem alten Ohrensofa. "Wenn das hätte erzählen können, oh je. Das hätte ein Buch schreiben können", meint Paul Ganß und schmunzelt - verrät aber nichts. "Aber es war gut gefedert", wirft Werner Müller lachend ein.

1996 war die alte Holzhütte dann marode geworden und die Vereinsmitglieder halfen zusammen und bauten sich eine neue. "Da haben wir viel in Eigenleistung gemacht. Auch das Wasser und den Strom hier heraus verlegt. Und den Festplatz geschottert. Alles selbst gemacht und bezahlt", sagt Zweiter Vorsitzende Tobias Seliger. Und so kann die Tradition des Hüttenvereins erst einmal weitergehen.