"Sieglinde unsere Feine hat zwar kurze Beine, doch im Eierlegen, da ist sie ein Segen" - dieser und ähnlich kesse Sprüche stehen auf der Besitzerurkunde des Leasingnehmers für ein Huhn im Wichern-Seniorenhaus in Forchheim. Als die Idee des Hühnerleasings 2010 im Garten des Seniorenheims umgesetzt wurde, war es ein Paukenschlag. Auch das "Sat. 1-Frühstücksfernsehen" berichtete darüber. Eine maue Zeit erlebte das Hühnerleasing 2014. "Da hatten wir nur sechs bis acht Leasingnehmer", erinnert sich Jochen Misof, der Leiter des Seniorenheims. Inzwischen muss er eher die Bremse treten, so viel Nachfrage besteht nach den farbigen Eiern.


Weniger Eier in der kalten Jahreszeit

Gerade jetzt, zur Osterzeit, wenn die Nachfrage nach Eiern noch größer ist, spielen die Hühner nicht mit. In der kalten Jahreszeit und beim Wechseln des Federkleids legen sie weniger oder haben gar einen Legestopp. Das passt auch den Senioren, die sich um die Hühner kümmern, bei ihnen vorbeischauen oder in das Gehege gehen, um die Hühner mit ihrer körnigen Futtermischung zu versorgen. Hildegard Kreller läuft noch immer täglich mit ihrem Stock den gepflasterten Weg zum Hühnerstall. Die beiden Herren, die sonst dabei sind, sind mit ihrem Gehwägelchen unterwegs. Und Kreller vermisst ihre Freundin, die ins Krankenhaus musste. Sie war immer ihre Begleiterin, wenn sie zu Sieglinde, Elisabeth und den vielen anderen freilaufenden Hühnern spazierte.

Dass sie frei herumlaufen dürfen und nicht geschlachtet werden, ist für viele Leasingnehmer (meist Familien mit Kindern) der wichtiger Grund, ein Huhn zu leasen. 30 Euro kostet ein Huhn für sechs Monate, 60 Euro ein Jahr. Fünf Eier pro Woche können geholt werden.


Hühner helfen, das Heim bekannter zu machen

Zugleich werden durch die Leasinghühner Barrieren abgebaut. Das Seniorenheim bekannter zu machen, war der ursprüngliche Gedanke vor 18 Jahren. Denn in der Regel machen viele einen großen Bogen um ein Altenheim, wenn nicht gerade Angehörige hinter den Heimwänden leben. Durch das Hühnerleasing ist es eine unkomplizierte Begegnung möglich geworden. Jung und Alt treffen sich hier ungeniert und unterhalten sich. Der Sohn und die Tochter einer Bewohnerin beispielsweise fütterten auch die Tiere. Obwohl die Bewohnerin bereits gestorben ist, kommen sie noch immer zu den Hühnern.


Bewohner kennen sich mit Tieren aus

Und man kommt viel leichter ins Gespräch. Viele der Bewohner hatten früher Hühner, kennen das Leben auf dem Land oder sind auf einem Bauernhof groß geworden. Wie Hildegard Kreller. Sie lebte auf einem großen Bauernhof im Böhmerwald und auch hier in ihrer Heimat im Landkreis Forchheim hatte sie früher Hühner und Tauben. Die vierzig Hühner erkennen schon von weitem, wenn sich Hildegard Kreller, Jochen Misof oder der Hausmeister nähert. Erwartungsvoll tippeln sie an den Zaun, immer ein "Boab Boab" aus dem Schnabel, während Jochen Misof und Hildegard Kreller in den Freilauf schlüpfen. "Manche sind hier schon drüber geflogen", erklärt Hildegard Kreller, warum ein weiteres Drahtgeflecht in der Höhe angebracht wurde. "Die Grauen waren anfangs für sich", erzählt die Bewohnerin des Wichernhauses weiter.


Wie ein buntes Osternest

Das eine oder andere Huhn, das doch entwischt, hat sie schon gefangen und wieder in den Freilauf gebracht. Kreller hat die 20 verschiedenen Hühnerrassen bei ihren täglichen Fütterungen genau beobachtet. Jochen Misof hat inzwischen Elisabeth, das schwedische Blumenhuhn auf dem Arm. Sie legt die türkisfarbenen Eier. Überhaupt schauen die Eier in der eigens angefertigten Eierschachtel mit dem Diakonie-Logo wie ein buntes Osternest aus.

Denn die vielen Hühnerrassen legen farbige Eier. Die grauen Hühner ohne Schwanz sind die Grünleger, wie Jochen Misof erklärt. Auch er kennt aus seiner Heimat, der Hetzleser Gegend. Hühner sind auch ein bisschen Hobby für ihn. Als Heimleiter hat er deshalb keine Scheu, in Gummistiefel zu schlüpfen und den Stall zu reinigen. Diese Arbeit teilt er sich mit dem Hausmeister. Während er das erzählt, hüpft ein schwarzes Huhn mit braunem Krage in den Sandkasten. Marans heißt diese Hühnerrasse und ist für die schokofarbigen Eier zuständig.

Dann gibt es noch das Haubenhuhn - ein Paduaner- oder das Australorp, ein großes schwarzes Huhn. Sussex ist das weiße Huhn mit dem grauen Kragen und die Italiener sind die weiß, silber-braunen Hühner. Auch die Henne, mit der alles begann ist noch da und trinkt gerade aus dem Wasserspender. Sie ist zehn Jahre alt, legt sicher keine Eier mehr, hat aber wie alle Hühner des Wichernhaus ein Bleiberecht für immer.