Das Tischtuch zwischen Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) und den Verantwortlichen der Freiwilligen Feuerwehr ist zerrissen. Geschlossen warfen Kommandanten, Zugführer, Gruppenführer, Jugendwart und die Leiter der Abteilungen Atemschutz und Absturzsicherung bei der jüngsten Dienstversammlung die Brocken hin. Als kommissarischer Kommandant ließ sich der bisherige Vizekommandant Erich Steinlein verpflichten.

Er machte aber unmissverständlich klar: "So kann es nicht weitergehen." Die Floriansjünger fühlen sich unverstanden, nicht ernst genommen. Die Folge: Viele Aktive seien demotiviert. "Wir bekommen ein zunehmendes Personalproblem", erklärt Erich Steinlein.


Vorwurf Ignoranz

Dies werde verschärft, wenn städtischen Mitarbeitern nahe gelegt werde, nicht zu den Übungen zu kommen, weil sie nicht entsprechend ausgebildet seien. "Dieses Manko hätte sich durch eine eintägige Ergänzungsschulung beheben lassen", erklärt Johannes Lange, der dies im Juli zusammen mit Kollegen dem Bürgermeister vorgetragen hat. Im Dezember habe sich herausgestellt, dass die städtischen Bediensteten davon nichts wussten. Dieses Verhalten werten Lange und Steinlein als "Ignoranz".

Die Floriansjünger vermissen insbesondere eine persönliche Wertschätzung ihrer Arbeit. Die zeige sich auch in der persönlichen Schutzausrüstung. "Unsere Einsatzkräfte haben die billigsten Gummistiefel, die es gibt. Bei einem Winter-Einsatz helfen nicht einmal vier paar Socken gegen die Kälte", klagt Erich Steinlein. Weil die Schutzjacke im Regen nach einer halben Stunde durchgeweicht war, zog sich Johannes Lange bei einem fünfstündigen Einsatz eine Nierenbecken-Entzündung zu.

Immer wieder seien sich die Feuerwehrler als "lästige Bittsteller" vorgekommen; etwa beim Altstadtfest, als der Kommandant auf Mindest-Sicherheitsabstände zwischen den Ständen beim Altstadtfest hingewiesen habe. Statt die Mahnung ernst zu nehmen und darauf zu achten, dass die Sicherheitsstandards auch eingehalten werden, sei der Hinweis kommentarlos an Wirte und Fieranten weitergegeben worden. "Ein inakzeptables Verhalten", findet Erich Steinlein.

Es habe sich selbst dann nichts geändert, als die Führungskräfte im Juni Franz Josef Kraus darauf hingewiesen hatten, dass sich nicht genügend Freiwillige fänden, um die Absicherung des Fränkische-Schweiz-Marathons gewährleisten zu können. Die damalige Zusage des Bürgermeisters, er werde sich kümmern, dass genügend Leute zur Verfügung stehen, wertet Steinlein als Lippenbekenntnis. Erst einen Tag vor dem Marathon hätten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung versucht, entsprechende Kräfte zu mobilisieren.


Vertrauen ist zerrüttet

Beispiele, die verdeutlichen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt und den 60 Aktiven der Ebermannstadter Feuerwehr zerrüttet ist, findet auch Zugführer Hans Beyer: angefangen vom bröckelnden Putz des Schlauchtrockenturms, dessen Sanierung bislang nicht in Angriff genommen wurde, bis zu einer Ausschreibung für ein neues Einsatzfahrzeug, die kommentarlos zur Kenntnis genommen worden sei. "Wir haben das Gefühl, nicht wichtig zu sein", sagt Beyer.

Es werde aneinander vorbei geredet, klagt Beyer, seit 1975 in Diensten der Freiwilligen Feuerwehr Ebermannstadt. Bürgermeister und Stadtrat gingen mit der Feuerwehr "nicht ehrlich um". Niemand habe auch nur einen Gedanken daran verschwendet, warum die letzten drei Kommandanten - Stefan Hübschmann, Franz Josef Hetz und Paul Steinlein - ihre Amtsperiode vorzeitig beendeten.

"Wir wissen, dass der Haushaltsplan kein Wunschkonzert ist. Wir haben Verständnis für die Finanznöte der Stadt, aber wir haben kein Verständnis für Ignoranz", verdeutlicht Beyer, der den geschlossenen Rücktritt der Führungsebene als Hilferuf verstanden wissen will. Zu allererst müsse das verlorene Vertrauen wieder aufgebaut werden.

So steht Bürgermeister Franz Josef Kraus ein Canossagang zu seiner Feuerwehr ins Haus. Erich Steinlein und Co. warten auf ein deutliches Signal aus dem Rathaus. Man könne jetzt nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen, denn faktisch sei die Feuerwehr mehr oder weniger führungslos.

"Freilich werden wir ausrücken, wenn es brennt, wenn Hilfe nötig ist", verspricht Hans Beyer. Aber ohne ein erkennbares Zeichen der Einsicht und Besserung aus dem Rathaus werde sich auch nach 27 Versammlungen niemand finden, der sich unter den gegebenen Umständen als Kommandant zur Verfügung stelle, behauptet Erich Steinlein: "Da hat jeder einen nachvollziehbaren Grund, warum er den Job nicht machen kann."


Kraus: Aussprache am 23. Januar

Überrascht zeigt sich Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) hinsichtlich der Vorwürfe der Feuerwehr. "Ich kenne die Anschuldigungen im Einzelnen nicht und kann daher auch nichts dazu sagen", erklärt das Stadtoberhaupt. Er verspricht aber: Die ganze Sache werde in einer öffentlichen Sitzung aufgearbeitet. Termin: der 23. Januar.

Von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis will Kraus nichts wissen. "An der Weihnachtsfeier am vierten Advent war noch alles in Ordnung", sagt der Bürgermeister.

Kraus betont: Die Vertreter der Stadt hätten stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Feuerwehren gehabt. Dies zeigten die 400.000 Euro, die jährlich für die Bedürfnisse der Wehren in den Haushaltsplan eingestellt würden.
Dass sich bei der Sanierung des Schlauch-Trockenturmes bislang nichts getan habe, dürfe nicht dem Stadtrat angelastet werden. Die Mittel für die Riffelblech-Verkleidung seien in den Haushalt eingestellt gewesen. Dann habe die Vereinsführung erklärt, dass sie das nicht wolle. "Erst seit Oktober wissen wir, dass der Turm nun doch in der vorgesehenen Weise verkleidet werden soll. Dann stellen wir die Mittel halt wieder in den Haushalt ein", zeigt sich Kraus unaufgeregt.

Er wolle sich nicht in die Belange der Feuerwehr einmischen, betont der Ebermannstadter Bürgermeister. Die bestimmen auch die Tagesordnung der Dienstversammlung selber, versichert Kraus. "Hätte ich gewusst, dass sich bei den Neuwahlen niemand zur Verfügung stellt, wäre dieser Punkt niemals auf der Tagesordnung gelandet", versichert Kraus. Zu denken gibt ihm die letzte Begegnung mit dem Vorstand und dem Kommandanten der Wehr. Dabei hätten sie Kraus erklärt, dass seine Anwesenheit bei der Vorbereitung der Dienstversammlung nicht notwendig sei. Deshalb vermutet das Stadtoberhaupt, dass bei diesem Treffen, der kollektive Rücktritt beschlossen wurde.

"Es gibt einen Kommandanten", betont Franz Josef Kraus. "Und der bleibt so lange im Amt, bis ein Nachfolger gewählt ist." Die Funktionsfähigkeit der Feuerwehr sei somit gegeben, denn der Kommandant sei genau dafür verantwortlich. Die Rücktritte der Zugführer gingen ins Leere, denn sie würden vom Kommandanten ernannt. "Wenn die nicht mehr wollen, versagen sie ihrem Kommandanten die Gefolgschaft", sagt Kraus. Und er formuliert es noch deutlicher: "Eine interne Angelegenheit der Feuerwehr."

Als solche betrachtet der Bürgermeister auch den Kauf eines Oldtimers durch den Feuerwehrverein. "Wenn ein Verein ein Auto kauft, muss die Stadt dafür doch nicht die Steuern bezahlen."