Moment, da fehlt doch die Mami. Das bedeutet, dass das Kleine mitten im Spielen schnell mal weinen muss. In den neuen, hellen Räumen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) im ehemaligen Spital geht es manchmal recht wild zu. "Da ist es dann gut, wenn uns Ehrenamtliche unterstützen, denn dann kann einer von uns den Kleinen trösten und die anderen können sich mit der Gruppe beschäftigen", erklärt Lisa Hümmer, Erste Vorsitzende des DKSB. Und Beisitzerin Barbara Kick ergänzt: "Sonst fällt den anderen ein, sie könnten ja jetzt aus Sympathie auch mit weinen." Besonders wichtig sind Ehrenamtliche bei der Kurzzeitbetreuung, denn hier ist nicht planbar, wie viele Kinder Mittwoch- und Donnerstagvormittag tatsächlich kommen.

Bei der Kurzzeitbetreuung können Eltern ihre Kinder für zwei Euro die Stunde an den beiden Vormittagen ohne Anmeldung vorbeibringen. "Manche Mütter müssen vielleicht zum Arzt oder zum Amt oder wollen sich einfach mal mit einer Freundin treffen oder in Ruhe arbeiten", erzählt Beisitzer Werner Przibilla. Sie wissen dann, dass ihre Kinder gut versorgt sind. "Die Mütter hinterlassen ihre Handynummer, damit sie bei einem Problem schnell erreichbar wären. Und nebenan ist eine Arztpraxis", berichtet Barbara Kick.

Ehrenamtliche Unterstützung wäre auch schön für die Vor-Kindergartengruppe, die Montag-, Dienstag- und Freitagvormittag stattfindet. "Das sind feste Gruppen, wo wir die Kinder an den Kindergarten heranführen wollen", erklärt Barbara Kick. Der DKSB habe diese Form schon angeboten, bevor es Kinderkrippen gab. In der ersten Zeit würden die Mütter dabei bleiben, damit sich die Kleinen an die Gruppe gewöhnen können. Danach blieben die Kinder alleine in der Gruppe und würden beim Basteln und Singen sozialen Umgang lernen.

"Dann sind etwa 50 Angestellte an den Grundschulen im Landkreis Forchheim verteilt, die die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung übernehmen", zählt Werner Przibilla auf. Ganz wichtig sei auch das Thema Gewaltprävention. "Da wollen wir das Angebot noch mehr ausbauen, denn Präventionsmaßnahmen kommen den Landkreis günstiger, als wenn Schaden ausgemerzt werden muss", meint Lisa Hümmer. Und Werner Przibilla ergänzt: "Wir arbeiten da bereits mit einem Theaterpädagogen zusammen, damit die Kinder spielerisch lernen, wie man zum Beispiel mit Gewalt umgeht. Oder gerade den Jungs wird vorgespielt, dass eine Faust manchmal schneller reagiert als das Gehirn." Auch Themen wie Integration oder der differenzierte Umgang mit Medien sollen künftig angeboten werden.

Lustig wird es, wenn Werner Przibilla mit den Kindern kocht. "Da hat er ein gutes Händchen; gerade den kleinen Jungs gegenüber, die daheim wie Prinzen verwöhnt werden und meinen, kochen müssen nur Frauen", lacht Barbara Kick. Spaßig sei auch, die Vorurteile der Kleinen zu sehen. "Da essen sie begeistert eine Pizza tonno. Dann wird gefragt, was tonno sei - Fisch - bäh, mag ich nicht", erzählt Przibilla. Auch würden Kurse für Babysitter angeboten.

Emotionaler gehe es zu beim "begleiteten Umgang" und bei "begleiteten Übergaben". Diese werden vom Gericht veranlasst, wenn Eltern beispielsweise zerstritten sind. Entweder darf ein Elternteil sein Kind nur in den Räumen des DKSB sehen oder ein Elternteil gibt das Kind ab, danach kommt der andere Elternteil und holt es zu sich. Hier versuchen die Mitarbeiter zwischen den Eltern zu vermitteln, um die Umstände für das Kind zu verbessern.


Das Sprach-Café ist ein "Kind" von Regina Steigerwald-Kuth

"Das ist so eine agile und aktive Frau, ich bin ganz begeistert", erzählt Werner Przibilla, Beisitzer beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB). Gemeint ist Regina Steigerwald-Kuth, Gründungsmitglied des DKSB in Forchheim.
Von 2002 bis 2008 war die Lehrerin stellvertretende Vorsitzende, war aber auch als Beisitzerin und Schriftführerin für den Verein tätig. "Und sie bietet Deutschkurse an und hat das Sprach-Café gegründet", ergänzt Przibilla. Eben im Sprach-Café sollen Menschen unterschiedlicher Nationen sich zwanglos treffen und Deutsch lernen - die Umgangssprache. Bei den Treffen gibt es dann verschiedene Themen. "Mir hat gefallen, dass beispielsweise eine Italienerin gefragt hat, ob sie ihre Familie mitbringen kann, um ihren Geburtstag im Café zu feiern. Da wurde dann gemeinsam gekocht und gefeiert. Das war richtig schön", erzählt der Beisitzer begeistert.


Keiner verstand und alle lachten

Einmal sei das Thema "Lieblingsorte in Deutschland" gewesen. Jeder konnte etwas erzählen, erfuhr aber gleich auch etwas Neues über Deutschland. "Der eine war schon auf Schloss Neuschwanstein gewesen. Da erzählte ich, dass die große Halle der von der Wartburg nachgebaut sei. Dann kam die Frage, was die Wartburg denn ist, und so weiter", berichtet Przibilla. Oder dass er Geschichten auf Plattdeutsch vorgelesen habe - die wohl niemand verstand, aber alle lachen mussten.

"Regina hat auch eine Strickgruppe aufgebaut", erzählt Vorsitzende Lisa Hümmer. Der DKSB würde hier die Wolle spenden, damit die Frauen etwas stricken können. Wie beispielsweise eine schwangere Flüchtlingsfrau, die eine Babyausstattung strickte. 2013 wurde Regina Steigerwald-Kuth vom damaligen Landrat Reinhardt Glauber (FW) die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Und im November 2008 erhielt sie den Bürgerpreis der Sparkasse Forchheim für ihr Lebenswerk.