Eine volle Innenstadt, Schwarz-Rot-Gold an jeder Ecke und überall grölende, jubelnde Menschen und der Geruch von Bier. Richtig, die Weltmeisterschaft ist in vollem Gange und ganz Forchheim ist ihr verfallen. Ganz Forchheim? Nein, einige kleine Forchheimer Orte wehren sich gegen die allmächtige Weltmeisterschaft.

Getreu dem kleinen Dorf aus Gallien, das sich mit Asterix und Obelix gegen die Römer wehrt, gibt es kaum Möglichkeiten dem Fußball in diesen Tagen zu entkommen. Eine WM-freie Zone ist aber das Forchheimer Kino-Center. "Wir haben noch nie WM-Spiele im Kino gezeigt", sagt die Inhaberin Manuela Dengler-Redlin.

Das liege auch an dem hohen Risiko. "Wenn das Wetter schön ist, werden es alle Menschen lieber im Freien schauen wollen", sagt sie. Außerdem gibt es in dem Kino nur drei Säle - kein Platz, um einen Vorführraum für Fußballspiele freizuhalten. "Das Kinoprogramm muss ja weiterlaufen", erläutert die Inhaberin.

Bei diesem Programm geht die Besitzerin vor allem auf Frauen ein. Denn "der Männermarkt ist zu dieser Zeit abgegrast". Am 21. Juni läuft der Film "Ocean's Eight" an, der sich an die Ocean's-Reihe um Brad Pitt und George Clooney anlehnt. Denn in dem neuen Film sind Frauen die Meisterdiebinnen und planen einen spektakulären Raub.

Manuela Dengler-Redlin sieht das Kino als Zufluchtsort vor der Weltmeisterschaft. Sie erkennt aber auch, dass "mittlerweile auch viele Fußballdesinteressierte die WM schauen - es ist einfach ein Event".

Das kann man einen aber auch - im wahrsten Sinne des Wortes - im Forchheimer Königsbad kalt lassen. Während die Fußballfans bei sommerlichen Temperaturen beim Public Viewing schwitzen, kann man im Schwimmbad die Ruhe genießen und dem Trubel entfliehen.

"Im gesamten Badebereich gibt es keine Fußballübertragungen", sagt Peter Lutz vom Marketing. Es werden keine Bildschirme oder Leinwände aufgestellt, um die WM zu zeigen. Wer dem Fußballtrubel entgehen möchte, kann schwimmen gehen.

Auf ein leeres Schwimmbad soll man aber nicht hoffen, denn Lutz weiß: "Die Gäste richten sich nach den Deutschland-Spielen." Beginnt die Partie um 17 Uhr, würden einige Gäste das Bad entsprechend rechtzeitig verlassen.

Ganz ohne WM geht es dort jedoch nicht. "In der Königsbad-Gastronomie in der Saunabar ist der Fernseher eingeschaltet", sagt Lutz. Er betont jedoch, dass das ein vollkommen abgetrennter Bereich sei. "Der Fernseher ist meistens aus. Zur WM wird er mal angemacht", erläutert Lutz. Das Bad an sich bleibt also fußballfreie-Zone.

Forchheim bietet sogar eine Möglichkeit für Familien, Freunde oder Bekannte, bei denen die eine Hälfte Fußball schauen möchte und die andere Hälfte kein Interesse daran zeigt. Die UP Sportsbar in der Soccerhalle in Forchheim überträgt alle Deutschen Spiele, sagt der Inhaber Ulrich Pechtold - das allerdings im Innenbereich. Dort starren die Menschen auf eine Leinwand, auf der das Runde ins Eckige muss. Im Freien können WM-Muffel selbst das Runde ins Runde putten. Richtig, der Minigolfplatz ist frei vom Fußballfieber, bestätigt Pechtold.

Wer es noch sportlicher mag und die Natur ungestört genießen will, hat vermutlich jetzt die besten Karten. Während die meisten vor den Bildschirmen oder Leinwänden hängen, um sich Fußball anzuschauen, ist ein Fahrrad- oder Wanderausflug in der Fränkischen Schweiz perfekt. Viele Menschen wird man dort wohl nicht treffen - insbesondere bei Deutschland-Spielen.

Mit den zahlreichen Wanderrouten können Sportbegeisterte beinahe jeden WM-Spieltag ungestört in der Natur genießen.