Man sagt ja nichts, man red' ja bloß - und das natürlich in aller Diskretion. Ohne einen Namen nennen zu wollen. Schon gar nicht seinen eigenen. Nach diesem Schema laufen alle Gespräche ab , wenn man sich bei der CSU umhört nach möglichen Kandidaten für die kommende Landratswahl. Immer wieder hört man stereotyp, dass Spekulationen ein Jahr vor der Wahl kontraproduktiv seien. Potenzielle Kandidaten würden dadurch nur zerschlissen. Und dennoch hört man immer wieder einen Namen: Hermann Ulm.

Interessanter Lebenslauf

Der 36-jährige Familienvater mit zwei Kindern ist kein Unbekannter in der Politik. 2008 trat er in Kunreuth die Amtsnachfolge seines Vaters Helmut Ulm (FW) an und wurde zum Bürgermeister gewählt - und zwar auf der Liste "Demokratie", die eine Verbindung mit der örtlichen SPD eingegangen war. Ulm legt wert auf seine Parteifreiheit - obwohl er bis zu seinem 35. Lebensjahr Mitglied der JU war, besitzt er kein CSU-Parteibuch.

Beruflich ist er als Konrektor an der Grund- und Mittelschule in Kirchehrenbach tätig und übt einen Lehrauftrag für Geographie an der Universität Erlangen/Nürnberg aus. Thema seiner Doktorarbeit war die "Nachhaltige Entwicklung im Ländlichen Raum". Dies ist auch heute noch sein wissenschaftliches Steckenpferd und macht ihn zum gefragten Referenten auf den verschiedensten Podien.

Unkonventionelle Persönlichkeit

Jung, intelligent, parteifrei, bekannt und charmant - das sind Attribute Ulms, die ihn für eine Nominierung interessant machen. Auch - oder besser gesagt, ganz besonders - für die CSU. So bekennt ein wichtiger Parteistratege im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er Ulm als Kandidaten begrüßen würde. Er sei mit seinen Gedanken innovativ und auch bestens geeignet wegen seines Wissens über die demographische Entwicklung und Siedlungsforschung.

Diplomatische Verhandlungen

Die Parteifreiheit eines Hermann Ulm wird sogar als Vorteil gesehen - eröffnet sie doch die Möglichkeit, Koalitionen zu bilden. Sogar - man höre und staune - mit den Freien Wählern. Über so etwas jedoch denkt man bei den "Schwarzen" nur im allerengsten Kreise nach. Aber die Gedanken sind bekanntlich frei - und drehen sich darum, inhaltliche und personelle Gemeinsamkeiten "im bürgerlichen Lager" zu finden.

Zwar gebe es auf kommunaler Ebene Reibungsflächen mit den Freien Wählern, aber auch Deckungspunkte.Ein anderer CSU-Funktionsträger formuliert es so: Für die Entwicklung des Landkreises wäre es vorteilhaft einen Landrat zu haben, der sich auf eine breite Basis stellen könne und von möglichst vielen Schultern mitgetragen werde. "Grundsätzlich ist vieles denkbar", deuten die Auguren an. "Die L-Frage wird auf sehr vorsichtiger diplomatischer Ebene verhandelt".

Die wildesten Gerüchte

"Ich habe durch die Buschtrommeln vernommen, dass die CSU mit den Freien Wählern reden wolle", bestätigt FW-Kreisvorsitzender Peter Dorscht aus Wiesenttal. Man höre die wildesten Gerüchte. Dorscht redet jedoch Klartext: "Ich persönlich hätte meine Probleme mit Hermann Ulm, weil er ein externer Kandidat wäre , der schon längst als CSU-Mann gilt und nicht wirklich unabhängig ist". Bei seiner damaligen Wahl zum Bürgermeister sei Ulm als "CSU-Wolf im Schafspelz" angetreten.

Nebenbei gefragt: Wer käme denn als FW-Kandidat in Betracht? Es müsse nicht unbedingt ein schon überall bekanntes Gesicht sein, erklärt Dorscht. Es habe sich gezeigt, dass auch unbekanntere Kandidaten eine gute Wahl-Chance hätten. Eigene Ambitionen streitet Dorscht nicht ab: Er selbst hätte von seinen politischen Erfahrungen und seiner Ausbildung her durchaus die Voraussetzungen dafür.

Ulm zeigt sich zurückhaltend

Zurück zu Hermann Ulm: Der gibt sich zunächst bescheiden - "ich will mich nicht selbst ins Spiel bringen." Er sei auch als Bürgermeister glücklich. Bei einem weiteren Gespräch mit unserer Zeitung zur Frage, ob er für die CSU seinen Hut in den Ring werfen würde, erklärt er dann doch: "Prinzipiell kann ich mir eine Landrats-Kandidatur vorstellen."  Er stehe aber im Wort, "nicht groß herum zu plaudern". Allerdings bestätigt Ulm, dass der CSU-Kreisvorsitzende Benedikt Graf von Bentzel schon mit ihm im Gespräch gewesen sei. Zu sonstigen Parteien schweigt er . Ihm gehe es nicht um Parteipolitik, erklärt Hermann Ulm, sondern um die Zukunft des Landkreises.

Mann des Ausgleichs

Als Region sei es für den Raum Forchheim fundamental wichtig, dass Stadt und Landkreis zusammenarbeiten und die jeweiligen - durchaus unterschiedlichen - Probleme gegenseitig wahrnehmen. Ulm gibt zu: "Ich bin kein echter Parteipolitiker. Ich finde es schade, wenn nur wegen einer Parteizugehörigkeit Gegensätze entstehen. Ich möchte keine Gegnerschaften provozieren, die nicht nötig sind". Ulm räumt ein, dass es natürlich anmaßend sei, zu erwarten, von allen Parteien unterstützt zu werden. Sein Wunsch sei es aber , sich zusammenzusetzen und an einem Strang zu ziehen.

Graf Bentzel zeigt sich beim Thema Ulm nach außen hin zugeknöpft: "Ich werde mich zur Kandidatenfrage nicht äußern, bevor wir jemanden nominiert haben." Wenn man Gespräche führe, dann sicherlich im vertrauten Kreise. Es werde natürlich Kandidaten geben - darüber werde in der Kreisdelegiertenversammlung diskutiert.

Droht eine Kampfkandidatur ?

Ein "Parteigrande", der nicht genannt werden will, wird da deutlicher: "Ich kann mir vorstellen, dass es Gegenkandidaten geben wird - zum Beispiel in Person des Vize-Landrates. Das ist Georg Lang. "Meine Ambitionen sollten hinten anstehen", erklärt der. Es gehe darum, in der Partei einen Kandidaten "auf den Schild zu hieven", der die besten Chancen hat, die Wahl zu gewinnen. "Ich erhebe keinen Anspruch", versichert Lang, " ich habe als Bürgermeister in Gößweinstein ein verantwortungsvolles Amt."

Ein anderer Name, der gehandelt wird, ist Egloffsteins Bürgermeister Stefan Förtsch, der auch im Kreisvorstand der CSU ist. Der findet: "Das Schöne in der CSU ist, dass man genügend qualifizierte Bewerber hat". Auf die Frage, ob er denn selber dabei sei, meint er nur: "Momentan ist alles offen". Eine Funktion im Kreisvorstand sei nicht gleichbedeutend mit einem Anspruch auf ein Amt. "Da ist ja der frühere Kreisvorsitzende (Udo Schönfelder, Anm. d. Red) mit seiner Denkweise drüber gestolpert", erinnert Stefan Förtsch.