Seit Ende Februar steht der Kran still. Auf der Baustelle in der Apothekenstraße 10 tut sich nichts. Dort, wo im Juni ein Restaurant und ein Weinstube eröffnen sollten, klafft eine Baulücke. Gleichzeitig blockiert die tote Baustelle die Apothekenstraße.
"Die Frequenz in der Straße hat nachgelassen", beobachtet Beate Rösch, die in der Boutique "Neun" Kleider verkauft. "Doch das ist kein größerer Aufreger für uns", sagt die Verkäuferin. So gelassen sind nicht alle Geschäftsfrauen in der Straße. Erika Distler, die Chefin des Messer- und Scherenladens, beklagt einen "deutlichen Umsatzrückgang durch die Baustelle". Es sollten Schilder an beiden Enden der Straße darauf hinweisen, dass die Apothekenstraße passierbar sei, fordert Erika Distler. Ihre Mitarbeiterin Walburga Pieger hat beobachte, dass viele Passanten "in die Straße reinschauen; sie sehen den Kran, denken, die Straße ist dicht und gehen weiter", sagt Pieger. Unter der Laufkundschaft seien üblicherweise viele Touristen. "Von denen leben wir und die blieben nun aus", sagt Erika Distler. Sie hat kein Verständnis dafür, "dass da monatelang ein Kran steht und nichts passiert".
Bauherr Lorenz Schneider aus Poxdorf bedauert, sich bei der Wahl des Bauunternehmers "vergriffen" zu haben: "Er ist nicht in die Gänge gekommen und hat keinen Plan eingehalten." Daher sei "nicht viel passiert, das ist traurig, aber es lässt sich nicht ändern."
Es sei aber nicht möglich gewesen, dem "unzuverlässigen Bauunternehmer" schon nach den ersten Verzögerungen "einfach zu kündigen", sagt Lorenz Schneider.
Mittlerweile habe er aber einen "Schnitt gemacht" und gekündigt. Die neue Ausschreibung laufe. Und Schneider hofft, dass der Kran vom nächsten Bauunternehmer übernommen werden kann. Denn um sein Projekt "in drei bis vier Monaten" fertig zu stellen, werde in jedem Fall ein Kran benötigt.

Ende der Geduld

Birgit Moller ist mit ihrer Geduld aber schon jetzt am Ende. Sie betreibt das Café-Bistro in der Apothekenstraße 17. Die ausbleibende Kundschaft wegen der Baustelle bedeute für sie "eine starke existenzielle Gefährdung", sagt Birgit Moller. In der Zeit, seit der Kran still stehe, hätte man sogar ein Hochhaus fertig stellen können. "Stattdessen hat sich nichts getan, wie viele Monate soll das noch so gehen?"
Fluchenden Postzustellern und Lieferanten ist Matthias Zipfel in den letzten Monaten vielen begegnet. Er persönlich, sagt der Chef des Friseurladens Pony Club, sei jedoch von der Baustelle nicht betroffen. Seine Stammkundschaft beschert ihm einen ausgebuchten Laden. So ergeht es auch Sabine Henschler vom gegenüberliegenden Friseursalon Hair-Design. "Aber schön sieht diese Baustelle nicht aus", sagt die Friseurin: "Außerdem wirkt die ganze Straße so, als wäre sie dicht."
Michael Bierfelder (Chef des gleichnamigen Raum-Designerladens) appelliert, "Verständnis mitzubringen". Natürlich sei der Kran eine Behinderung. "Aber ich sehe das Ziel", sagt Bierfelder: "Der Leerstand des ehemaligen Café Löblein hat mich mehr besorgt. Jetzt freue ich mich auf das Restaurant, das entsteht." Und seine Mitarbeiterin Agathe Schwalb sagt: "Sicher haben wir momentan weniger Kunden, aber wir wollen uns nicht ärgern. Wenn es vorbei ist, ist es eine schöne Straße."
Wann es aber vorbei ist, weiß auch Roland Brütting (Chef des Sachgebietes "Straßenverkehr" bei der Stadt Forchheim) nicht. "Dieser Kran sollte nach Auskunft des Bauherrn Schneider schon letzte Woche abgebaut werden", sagt Brütting. Ohne Straßensperrung sei das jedoch nicht zu verantworten und ein Antrag, den Kran abzubauen, liege noch nicht vor.
"Kleine Straße, großer Ärger", diese Erfahrung habe er schon oft gemacht, sagt Roland Brütting. Um den großen Ärger der Geschäftsleute etwas zu mindern, hat der Verkehrsexperte nun ein Schild aufstellen lassen, das die Lieferzeiten auf 10.30 Uhr beschränkt. Wenigstens der Lieferverkehr also soll den Betrieb der Straßencafes nicht beeinträchtigen.
Roland Brütting spricht von einem "Abwägen der Interessen der Allgemeinheit und des Bauherrn." Natürlich werde, um das Projekt in der Apothekenstraße zu beenden, ein Kran benötigt. Dafür sei eine Sondernutzungserlaubnis notwendig. Ob diese Erlaubnis für den Kran befristet werden kann? Darüber werde er eine Einschätzung bei den Experten vom Bauamt einholen, sagt Brütting. Er sei für die Verkehrssicherheit zuständig.