Die Gräfenberger Nachbargemeinde Igensdorf will ein Seniorenheim im Hauptort der Gemeinde errichten lassen, der Gräfenberger Stadtrat sollte dazu Stellung nehmen. Einwände gegen das Igensdorfer Vorhaben gab es eigentlich nicht, doch der Bauträger Senivita ist für den Stadtrat wie ein rotes Tuch. Ihren Unmut über das Vorgehen der Betreiber in Gräfenberg äußerten die Stadträte. Ein ironisch-bedauerndes "Herzlichen Glückwunsch" schickte Stadtrat Heiko Kracker (GBL) zur Nachbargemeinde. Grund dafür war die damalige Gräfenberger Situation, als Senivita angekündigt hatte, das Heim in ein betreutes Wohnen mit Tagespflege umzubauen. "Das betreute Wohnen mit mobiler Pflege und Tagespflege kommt den Menschen nicht zugute", kritisierte Kracker. Antje Rammensee (SPD) stimmte dem zu. Sie erinnerte an die vielen alten Menschen, die alt und pflegebedürftig in andere Pflegeheime wie nach Muggendorf umgesiedelt werden mussten. "Es ist nicht jeder dement. Die pflegebedürftigen Menschen wollten in Gräfenberg bleiben und die Angehörigen müssen nun viele Kilometer fahren", fasste Rammensee die Belastungen der Pflegebedürftigen und Angehörigen zusammen.

"Nicht in private Hände"

Dass die Altenpflege nicht in private Hand gehöre, meinte Grünen-Stadtrat Matthias Striebich. Auch wenn er davon überzeugt sei, dass beide Pflegeeinrichtungen - die Gräfenberger und künftige Igensdorfer - genug Bewohner haben würden, sollte man die Entwicklung doch im Auge behalten, damit Gräfenberg die Pflege nicht verliere. Werner Wolf (FW) erinnerte an die Senivita-Anfangsjahre, als dieser private Betreiber das Senioren- und Pflegeheim in Gräfenberg errichtete und damit erst die Pflege in Heimatnähe ermöglichte. "Wir waren damals froh, dass wir es hier haben", sagte Wolf.

Unmut über das Landratsamt

Weiteren Unmut erregte ein privater Bauantrag - nicht gegen den Antragsteller, sondern das Landratsamt Forchheim und hier die Baubehörde. Ausgangspunkt ist die Baulage, eine Grünfläche in Sollenberg, die bereits von Häusern umgeben ist. Auch das elterliche Anwesen des Antragsstellers befindet sich dort. Das Elternhaus wurde bereits mit einem Anbau erweitert auf der Wiese, die im Flächennutzungsplan als Grünfläche eingetragen ist. Diese Grünfläche gehört dem Antragsteller, und dort würde er gerne sein Haus errichten. Ein Vorgespräch mit dem Landratsamt ergab, dass die Behörde das Bauvorhaben ablehnen würde. Werner Wolf (FW) fühlte sich von den Beamten in Ebermannstadt gegängelt. Manche Bauanträge hätte der Stadtrat zwei Mal auf dem Tisch liegen, weil die Räte zu streng beurteilt hätten, nun wolle der Stadtrat einen Antragsteller bauen lassen und dürfe nicht. "Die konstruktiven Vorschläge fehlen. Wir wollen nicht wissen, dass er nicht bauen darf, sondern warum nicht. Was müssen wir tun, damit er bauen darf?", ärgerte sich Werner Wolf (FW). Er äußerte den Wunsch, dass der Landrat mehr durchgreife.

Bebauungsplan fehlt

Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) versuchte zu beschwichtigen. Die ablehnende Aussage sei nur in einem mündlichen Gespräch getroffen worden, da der Bebauungsplan fehle. Das Bauvorhaben sei "Außenbereich im Innenbereich". Lars Laufer (CSU) sprang seinem FW-Kollegen Werner Wolf zur Seite. Es habe schon ähnliche Bauvorhaben gegeben, die ohne weiteres genehmigt worden seien. "Es ist im Flächennutzungsplan als Grünland ausgewiesen, nicht als Baufläche", erklärte Nekolla und erwähnte, dass auch die "Spitze im Bauamt" gewechselt habe und man die Vorhaben kritischer betrachten würde, um den Flächenfraß zu reduzieren. Auch Matthias Striebich (Grüne) nahm das Landratsamt in Schutz. "Das ist keine willkürliche Entscheidung, sondern nach Rechtslage", sagte Striebich. Auch Heiko Kracker (GBL) erinnerte an frühere Bauanträge. Die Sachbearbeiterin im Gräfenberger Bauamt habe schon vor Jahren angemerkt, dass ein Bauen im Außenbereich vom Landratsamt kritisch beäugt worden sei.

Was sonst noch war

Im neuen Baugebiet in Sollenberg in der Nähe des Fernsehverstärkers samt Mobilfunkantenne wurde der Straßenverlauf bereits abgesteckt. Lars Laufer (CSU) wollte wissen, was mit dem Löschwasserbehälter sei. Bei Feuerwehrübungen habe sich gezeigt, dass der Wasserfluss nicht ausreichend sei. Bürgermeister Nekolla erläuterte, die Druckverhältnisse seien notiert und dem Kreisbrandrat übermittelt worden. Einen Löschwasserbehälter habe die Feuerwehr nicht explizit gefordert, so Nekolla. Die Verwaltung möge nachhaken, bat Laufer.

Drei Anträge wird die Stadt Gräfenberg ans Landratsamt stellen. Alle betreffen eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer. Ein Antrag war in der Bürgerversammlung in Thuisbrunn gefordert worden und betrifft die Ortsdurchfahrtsstraße ohne Gehweg. Das war schon mehrmals abgelehnt worden, weil es sich um eine Kreisstraße handele. Matthias Striebich (Grüne) sah darin keinen Grund. Da sich die große Menge an Verkehr von Hohenschwärz Richtung Forchheim durch Thuisbrunn bewege, habe die Reduzierung vor allem eine lokale Bedeutung. In Egloffstein wurde die Durchfahrt auch auf Tempo 30 reduziert, merkte Bürgermeister Nekolla an. Dort gebe es jedoch Gehwege. Nun stellt die Stadt diesen Antrag erneut. Zugleich soll ein Lückenschluss am Bach in Gräfenberg mit auf Reduzierung auf Tempo 30 erfolgen sowie eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h in der kompletten Egloffsteiner Straße.

Eine gute Nachricht hatte Bürgermeister Nekolla auch dabei: Gräfenberg hat einen neuen Bademeister.