Ob sitzend oder stehend - etliche Schüler schauen während ihrer Pause immer wieder die Bilder im Fernseher in der Aula der Realschule Gräfenberg an. Dort wandern gerade einige Jugendliche und ein Erwachsener auf dem Weg einer wunderschönen Bergwelt. Dann nimmt ein Schüler einen Hammer aus dem Rucksack und kniet sich auf den Boden. Was die Schüler fasziniert ansehen, ist keine Fernsehsendung, sondern sind die Fotos vom Gletscherprojekt der neunten Klasse. Der LED-Bildschirm ist kein Fernseher, um Programme zu erhalten, sondern Teil des neuen Projekts "Digitale Schülerzeitung", mit dem die Gräfenberger Realschule eine Vorreiterrolle der Schulen im Landkreis Forchheim übernimmt. Der Wunsch nach einer Schülerzeitung kam von den Schülern selbst, die Umsetzung entstand dann in der "Kesch"-Gruppe: Das steht für Kooperation Eltern und Schule. Mit der digitalen Schülerzeitung gelingt den Gräfenberger Schülern der große Wurf, ist es doch ein Projekt, das eigentlich nur Vorteile bringt, abgesehen davon, dass es umweltschonend ist.

Niedrige Kosten

"Niedrige Kosten, eine hohe Aktualität und näher am Geschehen", fasst der Elternbeiratsvorsitzende Andreas Aschenbrenner zusammen. Nicht zuletzt die hohen Druckkosten waren Grund dafür, dass die alte Printausgabe, die oft nur einmal jährlich erschien, eingeschlafen ist. Nach Jahren der Abstinenz können die Schüler wieder auf ihre Aktivität aufmerksam machen. "So bekommt man auch mit, was andere Klassen machen, und man erhält Ideen für die eigenen Schulausflüge oder fürs Sommerfest", sagt Lukas Neuß. Er und sein Klassenkamerad Kilian Unbehaun sind die beiden Technikfreaks, die auch in der IT-Gruppe sind. So können die dort gelernten Arbeiten zum einen gleich in der "Arbeitsgruppe (AG) Schülerzeitung" umgesetzt werden, andererseits auch Wissen und Hardware von Zuhause im Schulleben eingesetzt werden. Lukas Neuß hat sein Bildbearbeitungsprogramm mitgebracht und zeigt den anderen der 17-köpfigen Schülerzeitungsredaktion, wie man mit den Programmen arbeitet. Die Lehrerin Stefanie Schwarz leitet die Arbeitsgruppe, ist zugleich Schnittstelle zwischen den Schülern und Lehrern und versorgt ihre Schützlinge mit Bildmaterial. Dann sind die Schüler dran. "Wir achten darauf, dass alles die gleiche Belichtung hat, dass nichts verschwommen ist, und schneiden die Bilder auf die richtige Größe zu. Dann drehen wir aus den Bildern einen Sechs-Sekunden-Film", erklärt Unbehaun.

Kleine Filme

Diese kleinen Filme werden dann über den Computer, der hinter der Säule, an dem der Fernsehbildschirm hängt, eingespielt. Dass es so funktioniert, ist dem alten und neuen Elternbeirat zu verdanken. 1200 Euro haben sie bezahlt, um den Computer, den Bildschirm und einen Halter zu kaufen. Der vorherige Elternbeirat hatte unter dem damaligen Vorsitzenden Thomas Hutter das Projekt "Digitale Schülerzeitung" angeschoben. Seit Beginn des Schuljahrs wird es nun umgesetzt. Auch die Elternbeiratsmitglieder sind fasziniert. "So können auch wir Eltern bei Veranstaltungen oder der Wartezeit bei Elternsprechstunden sehen, was die Kinder geleistet haben. Das sind Bilder, die wir so nie zu Gesicht bekommen", sagt Andrea Igel. "Damit wird aber auch das Engagement der Lehrer dargestellt", ergänzt Aschenbrenner. Diese Bilder oder Filme übers Internet aufzuspielen, wurde wieder verworfen. Da hätten viele Zugriff. So bleibt es intern und die Bilder können wie bei den früheren Fotocollagen an der Wand nicht verunstaltet werden. Eine weitere Hoffnung verknüpft der Elternbeirat mit dem digitalen Projekt. "Dass durch die gezielte Anwendung der Informationsgehalt höher ist als bei WhatsApp", meint Aschenbrenner. Denn die Schüler würden nicht nur Bild- und Videobearbeitung lernen, sondern auch, die erklärenden Texte kurz und prägnant zu formulieren. Auch wenn das Projekt in den wenigen Wochen seit der Taufe gute Fortschritte gemacht hat, fertig entwickelt ist es nicht. Es gibt noch viel Spielraum, denn auch die Schülermitverwaltung (SMV) und andere Gruppen werden in der digitalen Schülerzeitung künftig ein aktuelles Sprachrohr haben.