Nach dieser Saison hört Familie Gundelfinger mit ihrer "Gräfenberg-Zone" auf. Der Bahnhof wird wieder verkauft. Schon nächste Woche wird er auf der Internetseite eines Immobilienmaklers gelistet sein. In dem Hochglanzmagazin "Beste Lage" sollen Fotos den Beliebtheitsgrad der Bahnhofsgaststätte unter den Gundelfingers zeugen.

Die Entscheidung fiel den Gundelfingers nicht leicht. Das Ehepaar erweitert seine Ferienwohnungen und bietet dann statt zwei Ferienwohnungen mit zehn Betten vier Ferienwohnungen mit 19 Betten an. Das muss bewirtschaftet werden. "Diese Expansion bringt uns endgültig an den Rand unserer Kapazitäten", erklärt Jochen Gundelfinger.


Vergrößerung

Zugleich schreit auch der Bahnhof nach Vergrößerung. Beides schaffen Gundelfingers nicht mehr. Cora Gundelfinger ist alleine an den drei Öffnungstagen des Bahnhofs mehr Stunden in der Küche beschäftigt als ein Arbeitnehmer die gesamte Woche über. "Die Gäste kamen oft über 70 Kilometer weit angefahren", betont Gundelfinger.


Mit Günther Jauch fing es an

Angefangen hat alles 2003, als Günter Jauch in der Fernsehsendung "Wer wird Millionär" fragte, wo sich die "Gräfenberg-Zone" (erogene Zone der Frau) befindet. "Ich habe damals blitzschnell den Bildschirm fotografiert. Das Foto lag viele Jahre lang in einer Schublade und immer, wenn wir die Schublade geöffnet haben, haben wir uns gesagt: Es muss in Gräfenberg irgendwann einen Laden, ein Geschäft namens ,Gräfenberg-Zone' geben", sagt Jochen Gundelfinger.


Elf Jahre später

Elf Jahre später konnte Jochen Gundelfinger sein Angestellten-Dasein an den Nagel hängen und mit den zwei Projekten Ferienwohnung und Bahnhof zwei Pflänzchen pflanzen. Er berichtet: "Unsere erste Ferienwohnung haben wir im Mai 2015 in Betrieb genommen. Parallel dazu haben wir bereits 2014 begonnen, als Mieter am Bahnhof einen winzig kleinen Kiosk zu betreiben. Schon nach kurzer Zeit haben wir das große Potenzial des Bahnhofs erfasst und uns entschlossen, das Gebäude im April 2015 zu kaufen und das Erdgeschoss zu sanieren."

Beide Pflänzchen haben sich prächtig entwickelt. Ein Jahr später erhielt das Ehepaar für den Bahnhof die Ausschankgenehmigung und der Küchenbetrieb wurde aufgenommen. Zeitgleich hat es die zweite Ferienwohnung ausgebaut und bald darauf Urlauber begrüßen können.


"Nürnberg Vegan" machte Werbung

"Katalysator für die rasante Steigerung des Bekanntheitsgrads unseres Biergartens war schon drei Wochen nach dem Start unseres Küchenbetriebs im Mai 2016 der Verein ,Nürnberg Vegan'. Dessen Vorsitzende hat uns besucht und uns sofort tags darauf auf Facebook bekanntgemacht. In dem Beitrag wurden wir erstmals als erster vegetarisch-veganer Biergarten Frankens betitelt. Dieses Etikett hat uns umgehend viele Besucher beschert", erklärt Cora Gundelfinger.

Alle Gerichte und Kuchen bereitet sie selbst täglich frisch zu. "Der Kundenansturm in der Folge war kaum noch zu bewältigen. Wir haben jetzt sieben geringfügig beschäftigte Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Eine Entwicklung in dieser Größenordnung hatten wir nicht beabsichtigt. Unsere Öffnungstage von April bis Oktober, freitags bis sonntags hatten wir von Anfang an auf 80 Tage pro Jahr begrenzt und eine Nebenbeschäftigung angestrebt", sagt Cora Gundelfinger.


Aus Neben- wird Vollbeschäftigung

Die Nebenbeschäftigung ist an der Anzahl der Arbeitsstunden gemessen ähnlich einer Vollbeschäftigung. Wären nicht die Ferienwohnungen, wäre es kein Problem. Doch nun werden in Gundelfingers Haus die Räume frei, die an eine Zahnärztin als Praxisräume vermietet waren. Zwei Ferienwohnungen sollen daraus entstehen.

Zudem meint Jochen Gundelfinger: "Der Bahnhof schreit nach Erweiterung: mehr Öffnungstage pro Woche, mehr Sitzplatzkapazitäten, Ganzjahresbetrieb." Der Bahnhof könne zu einem Vollerwerbsbetrieb ausgeweitet werden.

Vier Ferienwohnungen mit 19 Betten sind aber auch ein Vollerwerbsbetrieb. Daher der Entschluss, eines der beiden Pflänzchen abzugeben. "So schwer es und fällt, loszulassen", bedauert Cora Gundelfinger.

Im Bahnhofsgebäude befinden sich zwei langjährig vermietete Wohnungen. Schon damit sind Einnahmen für einen neuen Käufer gesichert. "Wenn sich ein Nachfolger mit dem Thema vegetarisch oder vegan identifizieren kann, kann er einen fliegenden Start hinlegen", bekräftigt Jochen Gundelfinger.