Das Pflegeheim Senivita in Gräfenberg gehört wohl der Vergangenheit an. Das brachte der Tekturplan der Betreiber des Gräfenberger Seniorenheims noch einmal deutlich ins Bewusstsein. "Den Menschen, die die Hoffnung hatten, zurückzukommen, wurde diese Hoffnung genommen", sagte Werner Wolf (FW) auf der jüngsten Stadtratssitzung. Scheinbar sei das Thema "Betreutes Wohnen" aktueller. Gespräche mit Betroffenen hat Renate Krause (FW) kürzlich geführt. Diese Gespräche erregten weiterhin den Unmut des Stadtrats.

Renate Krause erzählte von einer Angehörigen, deren Mutter in dem Demenzzentrum untergebracht ist. Das Demenzzentrum sollte eigentlich bestehen bleiben. Doch: "Es ist schlimm, diese Leute dem Druck auszusetzen. Sie sind nun auf der Suche nach einer neuen Bleibe", erzählte Krause. Das Demenzzentrum bleibe demnach nicht. Das allerdings hatte der Betreiber Horst Wiesent dem Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) bei dessen kritischer Nachfrage ausdrücklich versichert. "Er hat das in komischen Worthülsen genannt", fügte Nekolla an und rezitierte Wiesents Wortwahl von einer "ambulanten Demenzbetreuung", was bedeute, das Demenzzentrum bleibe, aber die Betreuung sei ambulant.

Zuschüsse zurücknehmen

"Was als Demenzzentrum bleiben soll, ist eine abgespeckte Form", warf Krause ein. "Wir hatten damals einen Baukostenzuschuss für das Demenzzentrum gegeben. Können wir diesen Zuschuss nicht zurückfordern, wenn es kein Demenzzentrum mehr gibt?", wollte Hans Derbfuß (CSU) wissen. Den Zuschuss hatte Senivita nicht nur von der Stadt, sondern auch vom Kreis und vom Staat erhalten, erinnerte Werner Wolf. Der Bürgermeister will den Betreiber Horst Wiesent in die nächste Stadtratssitzung einladen, um ihn vielleicht doch noch umstimmen zu können, im Sinne der vielen alten Menschen, die hier im Pflegeheim eine Heimat hatten und nun im gesamten Landkreis verteilt sind. Weiter meinte Nekolla, dass der Stadtrat aus rechtlicher Sicht nichts gegen das Bauvorhaben der Senivita GmbH unternehmen kann, aber alles versuchen wolle, die Betreiber umzustimmen.

In dem vorliegenden Tekturplan waren die von Senivita vorgesehenen Änderungen eingearbeitet. Demnach wird der Achteck-Bau doch nicht aufgestockt, womit das Satteldach erhalten bleibt. Im Erdgeschoss dieses Baus finden nur interne Umbauten statt, um zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften mit neun und zehn Wohneinheiten zu schaffen. Ein Treppenhaus mit Aufzugsanlage zu bauen, wurde wieder gestrichen und in den Kellerabteilen ist nur noch Bedarf für 34 Apartments. Im Erdgeschoss des L-Gebäudes wird eine Tagespflege eingerichtet. Gerade wegen des Betreuten Wohnens, das die Pflegeeinrichtung verdrängte, beschloss Lars Laufer (CSU) aus moralischen Gründen gegen den Tekturplan zu stimmen.

Ein Gebäude, in dem ebenfalls täglich viele Leute eine Anlaufstelle suchen, ist das Verwaltungsgebäude (VG). Das soll nun im Zuge der energetischen Sanierung einen neuen Farbanstrich erhalten. Sechs Gestaltungsvorschläge lagen den Räten vor, vom Restaurator erarbeitet und vom Denkmalamt wohlwollend betrachtet. Bürgermeister Nekolla holte sich dazu auch die Meinung der Altstadtfreunde ein.

Zwei Epochen darstellen

Das Gebäude selbst wurde in zwei Abschnitten errichtet. Der vordere Bau ist der historisch ältere Bereich aus dem Barock. Zu jener Zeitepoche waren ausladende Verzierungen um die Fenster üblich. Diese Verzierungen auch mit einem ockerfarbenen Anstrich deutlich zu gestalten, war Nekollas Vorschlag. Aus Sicht der Umgebung - das Gemeindehaus und die evangelische Kirche sind unmittelbare Nachbarn und ockerfarbig gehalten - empfand Martin Kempe (FW) das Ocker als richtig. Allerdings passe dann die schlichte Farbgestaltung an den Fenstern besser als die ausladende Rundbogenbemalung. "Ich finde die Idee nicht schlecht, die zwei Epochen darzustellen", meinte dritte Bürgermeisterin Regine Bleckmann (SPD). Doch müsse auch der Charakter der Stadt herausgestellt werden, weshalb sie die schlichtere Form favorisiere. Damit sprach sie die mehrheitliche Meinung des Stadtrats an. Für eine ockerfarbene Umrandungsgestaltung in schlichter Form lautete dann der einstimmige Beschluss.