"Gräfenberg ist fast das Zentrum der bayerischen Vatertags-Bewegung", zitiert Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) den Eindruck eines führenden Mitarbeiters im Landratsamt Forchheim. Allerdings erfreuen sich die Wanderwege der Gräfenberg auch sonst großer Beliebtheit.

Von Mai bis September kommen unzählige Wanderer an den Feiertagen und Wochenenden nach Gräfenberg, meist mit der Bahn. Genaue Zahlen können die Gräfenberger nicht nennen. Aber sie können ihre Erfahrungen und Eindrücke schildern. Vor allem der Zug, der um halb zehn in Gräfenberg ankomme, bringe viele Wanderer mit. "150 bis 200 Leute steigen dann aus", sagt beispielsweise Michael Stumpf. Er ist Vorsitzender des Heimat- und Touristenvereins (HTV).

Lärm und Vandalismus

Damit aber kein falscher Eindruck entstehe: "Ich bin trotzdem positiv eingestellt. Die Leute brauchen ein Ventil nach einer langen Arbeitswoche, müssen in die Natur", sagt Stumpf. Er spricht damit den anderen Verantwortlichen in Gräfenberg aus der Seele.

Der Fünf-Seidla-Steig ist unbestritten besonders attraktiv für Wanderfreunde. Sie können dadurch in Weißenohe, Gräfenberg, Hohenschwärz und Thuisbrunn sowohl Natur als auch Kultur erleben.

Doch es gibt auch Beispiele, die den vielleicht bekanntesten und meist frequentierten Themenweg Bayerns in ein dunkleres Licht tauchen. Es geht vor allem um Junggesellen und auch Junggesellinnen, die ihre Abschiedsparty entlang des Fünf-Seidla-Steigs feiern. "Jeder vielbegangene Themenweg bringt ähnliche Probleme mit sich.
Lärmbelästigung, Besucherströme, Enge in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Vandalismus oder Überfüllungen der gastronomischen Betriebe am Wochenende", sagt Julia Endres, die mit ihrem Büro "Landweg Kultur- und Projektwerkstatt" die Projekte der Brauereien koordiniert. Ihr Eindruck, dass sich die Folgen durch den Alkohol noch verschärfen, ist nicht überraschend.

Flüssiger Proviant

Manche Besucher kommen schon mit dem Bollerwagen, auf dem eine Kiste Bier steht, in Gräfenberg an. Gleich am Bahnhof gibt es die erste Rastgelegenheit, und bereits da wird das erste, zweite oder dritte Bier getrunken.
Von dort geht es weiter zur nächsten Sitzgelegenheit, bis die Wanderer im Gasthaus der Weißenoher Klosterbrauerei den ersten Stempel holen.

Und da es auf dem Rückweg die letzte Gelegenheit ist, nochmals flüssigen Proviant zu ergattern, kehren die teils stockbetrunkenen Wanderer vor der Heimreise nochmals in Weißenohe ein. "Erst im vergangenen halben Jahr ist es mehr negativ geworden", sagt Elke Sandner. Sie ist als Chefin des Wirtshauses für die Junggesellenabschiede verantwortlich. Erst in der vergangenen Woche seien elf Feiergesellschaften auf dem Fünf-Seidla-Steig unterwegs gewesen.

Wenn die Gäste schon sehr betrunken sind, bekommen sie allerdings nichts mehr in der Wirtschaft. So hält es auch Irene Brehmer, die Chefin des Lindenbräu. Einzelne, die aus dem Weg einen fränkischen Ballermann machen wollen, sollen keine Chance erhalten. Wer betrunken ankommt, bekommt bei den Brehmers keinen Alkohol mehr.

Betrunkene zerlegten Herrentoilette

Bei Sandners haben einige Betrunkene erst kürzlich zu randalieren begonnen. "In ihrem Suff haben sie die Herrentoilette zerlegt, das Handpapier über die Zwischenwände geworfen und die Toiletten verstopft. Und sie haben meine Mülleimer ausgeleert. Wenn man mit ihnen redet, wird man höchstens beschimpft", ärgert sich Sandner.
Sie hat inzwischen in einem Kurs der Berufsgenossenschaft gelernt, wie sie in vergleichbaren Situation reagieren kann. Christine Polster kann dem Ganzen noch eine lustige Seite abgewinnen.

Immer wieder klingeln sogar verkleidete Feierwütige an der "Schnapsklingel" ihrer Probierstube. "Auch Elvis ist schon dabei gewesen", lacht Polster. Weniger lustig hat es aber auch sie gefunden, als einige Besucher das "Schnapsklingel"-Schild abmontiert haben. Sie hat die Konsequenzen daraus gezogen und das Schild inzwischen festgebohrt. Manche Wanderer sind eben Souvenirjäger. "Früher war es der Bierdeckel, nun ist es das Schild", sagt Bernd Albig. Er ist Vorsitzender des Fränkische-Schweiz-Vereins in Gräfenberg.

Konstruktive Reaktionen

Trotz allen Ungemachs sind sich alle an dem Weg Beteiligten in einem einig: Es ist ein sehr schöner und abwechslungsreicher Weg. Und lukrativ für die Gaststätten und Geschäfte ist er obendrein. "Wenn es Probleme gibt, muss man zuerst konstruktiv werden", sagt Albig.

So ist beispielsweise mit den Wirten abgemacht worden, dass die Wegewarte ein Salär bekommen. Einmal in der Woche laufen die Wegewarte mit ihren blauen Säcken die Route ab. Dann sammeln sie Unrat ein und schauen, wo Schilder fehlen oder Wegweiser ausgerissen wurden. "Wir haben Schilder an neuralgischen Punkten höher gesetzt", sagt Albig. Diese seien nun nicht unbedingt so gut sichtbar, würden aber im Gegenzug nicht mehr so sehr zur Demontage einladen.

Albig und die anderen wollen alles dafür tun, um die Entgleisungen einzudämmen. Es geht ihnen auch um die fröhlich gesinnten Wanderer. Sie sollen auch weiterhin ein schönes Stück Heimat in der Fränkischen Schweiz erleben können.