Viele Schätze waren auf dem Dachboden in der St. Ägidius Kirche in Stöckach gelagert. Selbst als in der Kirche aufgrund eines Holzwurmbefalls eine Begasung notwendig war, konnten die Schätze in der Kirche bleiben: Das waren zwei Herz-Jesu-Figuren - die eine aus Gips, die andere aus Holz, der gestorbene Jesu und eine Grablege.

"Ich wusste um die Heiligtümer, die unsere Vorgeneration auf dem Dachboden abstellte", sagt Kirchenpflegerin Renate Siebenkäs bedauernd. Doch sie war auch dankbar, dass die Stücke nicht einfach aus der Kirche weggebracht wurden.

"Jesus sieht so erlöst aus, also bekomme auch ich die Kraft, mein schweres Kreuz zu tragen." Das ist die Botschaft, die Renate Siebenkäs beim Anblick des geschnitzten Leichnams Jesu vernahm. Und doch empfand sie auch "Scham, dass der Herr oben auf dem Dachboden irgendwo hinter der Orgel auf dem Kirchturm in der St. Ägidius Kirche in Stöckach verstaubte".

Bei der Gipsfigur hatte eine Hand gefehlt, bei der Holzfigur war Holz abgesplittert und Farbe abgeplatzt. Daneben waren noch einige Bassgeigen, also traditionelle Messgewänder, auf dem Dachboden aufbewahrt. "Uns wurde immer gesagt, dass Gipsfiguren nicht restauriert werden können", erinnert sich Siebenkäs. An Fronleichnam vor vier Jahren holte der damalige Mesner Jan Kossa die kaputte Herz-Jesu-Figur herunter und lehnte den Heiland an den Altar im Freien.
1924 ist die Figur, die nur geringen materiellen Wert hat, datiert.

Die Gläubigen waren begeistert, fanden es schade, falls diese Figur verschwinden würde. "Wir haben die üblichen Schritte für eine Restaurierung eingeleitet", erzählt die Kirchenpflegerin. Auch der Gips-Herz-Jesu wurde restauriert.

Die Christusfigur aus Holz kam in den Chorraum der St.-Ägidius-Kirche in Stöckach, die andere in die Kirche Kreuzerhöhung nach Forth. Mit dem Einzug der Herz-Jesu-Figur in Stöckach rief Pfarrer Andreas Hornung ein Herz-Jesu-Jahr aus. Papst Franziskus hatte gerade das Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, als die andere Herz-Jesu-Figur in die Kirche in Forth einzog, von Pfarrer Andreas Hornung getragen.

Blieben noch der gestorbenen Jesus und die Grablege als Schatz auf dem Dachboden. Wohin mit ihnen, war die Frage, als in St. Ägidius kein Gottesdienst an Karfreitag mehr gefeiert wurde. Also kam die Figur damals auf den Dachboden.

"Für mich gibt es einen Spannungsbogen. Da ist die Generation, die anschaulich Glaubenselemente benötigte, um ihre Nöte, Sorgen, Belastungen, Kriegswirren aber auch ihre Freuden ganz symbolisch ganz nah an den Herrgott in Form eben der Herz-Jesu-Figuren oder der Grablege abgeben konnten", sagt Siebenkäs. Dann sei da die moderne Generation, die jetzt reif dafür sei, eine Stärkung im Glauben durch die bildliche Darstellung zu erhalten.

Deshalb entstaubte Mesner Michael Ihle den geschnitzten Leichnam - er war noch so gut erhalten, dass er nicht restauriert werden musste - und die Grablege, schleppte das gut 50 Kilo schwere Gestell die Treppe herunter und brachte beides in die Kirche Kreuzerhöhung nach Forth.

Dunkle Tücher symbolisierten dort das Grab. Es war noch verdeckt, als in der Karfreitagsliturgie nach den großen Fürbitten die Kreuzverehrung war. Die Tücher, die sein dunkles Grab darstellten, waren beiseite geschoben. Anschließend begann die Verehrung des Heiligen Grabes. "Die Menschen haben Jesus alle Möglichkeiten genommen, sie haben ihn zerstört. Doch Gottes Kraft reicht weiter. Gottes Wille und Wunsch sind das Erste und Oberste. Wenn wir uns in seinem Willen befinden, werden wir leben", sagt dazu Pfarrer Andreas Hornung.

Viele Menschen haben das Bedürfnis, Jesus zu berühren. Zudem: "Im Grab können auch Konflikte begraben werden. Jesus nimmt unsere Aggressionen mit ins Grab und befriedet den Menschen, der an ihn glaubt", sagt Hornung.

"Auch wenn die Grablege künstlerisch nicht sehr wertvoll sein wird, strahlt sie doch eine wesentliche Botschaft aus. Eine Botschaft, die ich nicht im Kirchenturm verstecken muss", sagt Siebenkäs. Deshalb wird der Leichnam Jesus auch heuer bis Karsamstag in der Kirche in Forth aufgebaut sein.