Ein Familienauto wollen sich Elke und Matthias Bäumer schaffen, um auch Platz für ihre beiden Kinder zu haben. Ausgiebig hat das Ehepaar aus Gräfenberg die Preise der Angebote der Autohäuser im Internet mit dem Kontostand verglichen. Das Ergebnis: Ein Auto für den schmalen Geldbeutel scheint es nicht zu geben.

Die Autos kosten 10 000 Euro aufwärts und der Markt scheint ausgedünnt. Zuviel Geld für den Alleinverdiener Matthias, der als einfacher Arbeiter seine Brötchen hart verdient. Schuld daran hat der Dieselskandal nur bedingt. "Die Preise sind gefallen", sagt Andreas Mayer, Gebrauchtwagenverkäufer bei der Firma Autopark in Forchheim.


Diesel-Nachfrage stark rückläufig

Natürlich ist es vom Modell abhängig, doch durchschnittlich gesehen lagen die Preise für Diesel vor dem Skandal über den Preisen der Benziner. Viele Dieselfahrzeuge wurden dann zurück gegeben. Nun ist es umgekehrt oder eher gleichwertig. "Es waren viele Leasingfahrzeuge", sagt Joachim Deusinger, Filialleiter von Auto Thurn in Forchheim. Auch die Diesel-Umtauschprämie hat dazu beigetragen, wird doch auf neue Autos ein Nachlass gewährt, wenn man den alten Diesel zurück gibt.

Um rund 40 Prozent ist die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen zurück gegangen, weiß Markus Ertel, Verkaufsberater des VW-Autohauses Hartmann in Gräfenberg. Dabei sei gerade auf dem Land ein dieselbetriebenes Auto lohnenswerter, da es einfach wirtschaftlicher fahre. Die meisten Bürger arbeiten in den nächstgrößeren Städten Nürnberg, Fürth oder Erlangen und brauchen das Auto täglich.


Kaum alte Autos auf den Straßen

Markus Ertel ärgert sich, wie im europäischen Vergleich mit dem Diesel umgegangen wird. Abgesehen davon, dass in Deutschland die Messpunkte direkt an der Straße festgesetzt waren, "gelten die Dieselrichtlinien nur für deutsche Fahrzeuge, aber nicht für Importfahrzeuge", erklärt Ertel. Die momentan günstigeren Gebrauchtwagen sind deshalb derzeit überall die Dieselfahrzeuge. Oder kleinere Autos wie ein VW Up, der jedoch nicht als Familienkutsche genutzt werden kann.

Ein Blick auf Deutschlands Straßen zeigt zudem ein anderes Bild. Es sind weniger alte Auto zu sehen. "Das lag an der Abwrackprämie. 2009 sind viele Autos entsorgt worden", erklärt Deusinger und spricht damit zugleich den wichtigeren Grund für die augenscheinlich "hohen" Kosten auf dem Fahrzeugmarkt an: Das Alter der Autos. "Sie sind maximal sechs, höchstens sieben Jahre alt", sagt der Filialleiter von Auto Thurn.

"Als Händler sind wir geknebelt, Garantie zu geben", erklärt Markus Ertel. Grundsätzlich ist das in Ordnung, denn die Autos werden vor dem Verkauf ohnehin in den Autohäusern gecheckt, Kundendienst und Tüv durchgeführt. Doch: "Je älter das Auto, desto höher ist das Risiko für Defekte", sagt Ertel.

Selbst wenn Bremsen und Zahnriemen in Ordnung sind, sind auch Autohäuser und Autohändler nicht davor gefeit, dass ein Vierteljahr nach Verkauf der Motor auf der Strecke bleibt. Ab sieben Jahren Fahrzeugalter gehen die eigentlichen Reparaturen an. Um das Auto für 6000 Euro verkaufen zu können, müsste es für maximal 4000 Euro angekauft werden.


"Der Kunde kauft zu teuer"

"Der Kunde kennt den Marktwert", erklärt Deusinger, warum der Autobesitzer dann lieber das Auto für 5500 Euro an Privat verkauft. Allerdings ohne Garantie. Zum Verdruss des neuen Besitzers. Manchmal werde geschummelt und die ersten Reparaturen flattern kurz darauf ins Haus, weiß Deusinger. "Der Kunde kauft zu teuer", findet Deusinger. Wenn Autohändler ein älteres Auto in Zahlung nehmen, dann geht es nicht ins eigene Autohaus. "Es geht an den Händler weiter, für den Export", erklärt Ertel. "Von Händler an Händler darf es ohne Garantie verkauft werden", stimmt Deusinger zu.

Elke und Matthias Bäumer fällt die Entscheidung nicht leicht, sind doch alle ihre Befürchtungen genannt, die gegen einen Autokauf ohne Garantie sprechen, andererseits wollen sie die hohen Kosten für einen neueren Gebrauchtwagen auch nicht tragen.

"Wenn man viel Geld in ein gebrauchtes Fahrzeug investieren muss, kann man die Zinsen auch bezahlen", sagt Markus Ertel und rät angesichts des niedrigen Zinssatzes zur Finanzierung eines hochwertigen Fahrzeugs. In der Regel kommen zunächst keine weiteren Kosten auf den neuen Besitzer zu. "Aber man hat ein neueres Fahrzeug mit wenigen Kilometern, niedrigerem Verbrauch und geringerer Steuer, dafür Infotainment, Handy- und Navischnittstellen", sagt Ertel. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Unfälle auf die Ablenkung durch Handygebrauch zurück zu führen sind, sei das ein wichtiger Vorteil.