"Keine Linie 264 weit und breit, auch kurz vor acht nichts zu sehen" - dies stellten zwei empörte Mütter am vergangenen Montag mit eigenen Augen in Kersbach fest. Sie hatten die Kontrolle durchgeführt, nachdem - so ihre Schilderung - in der vergangenen Woche zwei Angestellte des Busunternehmens Klemm an den zwei Haltestellen (Kirche und Fliederweg) gestanden seien "und unseren Kindern erklärten, dass zukünftig die Busse nicht mehr fahren würden und sie mit der anderen Linie 224 fahren müssten".

Die Verwirrung war groß

Sabine Lindenberger, Mutter dreier Buskinder, erklärt dazu ergänzend: "Die Linie 264 wurde vom Landratsamt vor einigen Jahren speziell für die Kersbacher Schulkinder eingeführt, da die Linie 224 aus Neunkirchen immer so voll war, dass unsere Kinder keinen Platz mehr hatten." Beim Ausbleiben des Busses der Linie 264 habe man sich erst nichts dabei gedacht und vermutete eine Fahrplan-Änderung.

Auf Anfrage beim Landratsamt habe man erfahren, dass die Linie normal weiter fahren müsste, es hätte sich nichts geändert. "Auch im Fahrplan ist der Bus nach wie vor aufgeführt", betont Sabine Lindenberger. Die Verwirrung sei allseits groß gewesen. Nach einem erneuten Anruf beim Landratsamt hätten sich der für den ÖPNV zuständige Klaus Hummel und sein Mitarbeiter Stark doch sehr verwundert gezeigt. "Es war keine Fahrplan Änderung vorgenommen worden, will heißen,die Kersbacher Busse müssten fahren" berichtet Sabine Lindenberger. Ihre Vermutung: Das Unternehmen Klemm, das seit einer Woche auch die Linien 224 als Subunternehmer bedient, könne durch die Streichung der zwei anderen Busse der Linie 264 einfach mehr Gewinn machen. "Sie werden nämlich nach wie dafür bezahlt, die Linie 264 zu bedienen", betont die empörte Frau.

Als eine Mutter direkt beim Busunternehmer nachgefragt habe, habe sie folgende Antwort erhalten:" Ja, also heute haben wir die Linie 264 nicht bedient und ich weiss auch nicht, wo der Bus heute war."
Sabine Lindenberger ist fassungslos: "Hallo geht's noch, ich bin unglaublich verärgert".
Die Verantwortlichen des Landratsamtes hätten sich allerdings sehr engagiert gezeigt, und versprochen sich an die Bushaltestelle in Kersbach zu stellen, um zu sehen, ob Klemm jetzt fährt.

Fliederweg war nicht eingeplant

Tatsächlich hatten sich die ÖPNV-Verantwortlichen gestern früh an den Haltestellen postiert. Und Hummel stellte fest: Der Bus hat offensichtlich die Haltestelle Fliederweg nicht eingeplant gehabt und ist versehentlich nur ab der Haltestelle Kirche gefahren ". Die Sache sei aber nun geregelt, versichert Klaus Hummel. Busunternehmer Josef Klemm weist den Eltern-Vorwurf, er habe nur mehr Gewinn machen wollen, scharf zurück.Es sei so, dass sechs Busse durch Kersbach fahren, erklärt Klemm - "von Subunternehmern und von uns". Die Fahrer hätten die Anweisung, das sie bei schlechtem Wetter alle wartenden Schüler mitnehmen.

"Als dann unser Bus kam, war niemand mehr da", versichert Klemm. Die genaue Rekonstruktion des Falles sei aber schwierig, weil das Leitsystem (RBL) , durch das der Fahrverlauf satellitengestützt erfasst werde, noch nicht angeschlossen sei. Josef Klemm kündigte jedoch an, dass am heutigen Mittwoch ohnehin eine Besprechung stattfinden werde, in der es darum gehe, ob der Bus um 7.25 Uhr bestehen bleiben soll oder nicht. Klaus Hummel zeigt sich angesichts dieser Äußerung jedoch überrascht und stellt unmissverständlich klar: "Da muss nichts mehr besprochen werden - die Leistung war ausgeschrieben und der Bus wird weiter fahren".