Es kann schnell gehen. Ein Autounfall, ein Sturz oder ein Schlaganfall - von einer Sekunde auf die andere wird man aus dem Leben gerissen und ist teilweise oder gar nicht mehr in der Lage, sein gewohntes Leben mit allem Drum und Dran zu regeln.

Aber auch ein körperlicher oder geistiger Verfall altersbedingt kann ein Grund sein, nicht mehr allein leben oder seine schriftlichen Angelegenheiten regeln zu können. Bei einem Vortrag der katholischen Kirche für Senioren wurde auch Pfarrer Wolfgang Kuntze wieder für das Thema Vorsorgevollmacht sensibilisiert. "Man hofft zwar, dass es nicht so kommt, muss aber immer bereit sein", sagt Wolfgang Kuntze.

Wenn es passiert ist, kommen die Fragen: Wer kocht das Essen? Wer organisiert eine ambulante Hilfe? Wer nimmt Überweisungen vor, füllt Anträge aus und schließt Verträge ab.
Nicht automatisch sind der Ehepartner oder die Kinder die Bevollmächtigten. "Es gibt zwar das Sorgerecht der Eltern für ihre Kinder, aber nicht umgekehrt", sagt Maximilian Erras, Geschäftsführer des VdK Forchheim. Er rät daher, sich mit den Fragen, was wird, wenn man auf Hilfe angewiesen ist, auseinanderzusetzen und Vorsorge zu treffen, indem man beispielsweise einen Angehörigen oder eine andere Vertrauensperson als Bevollmächtigten bestimmt.

Gesetzlich geregelt

Grundsätzlich muss diese Vollmacht also auch für die Familienangehörigen ausgestellt werden. Aber: "Es ist gesetzlich geregelt, dass bei hinreichender Vollmacht keine Betreuung angeordnet werden darf", so Petra Göppner, Rechtspflegerin am Betreuungsgericht Forchheim.

"Es ist gut, wenn jemand da ist, der weiß, wie ich entscheiden würde, bevor vom Staat jemand eingesetzt wird, der mich nicht kennt", sagt Wolfgang Kuntze.
Deshalb hat er selbst eine Vorsorgevollmacht ausgestellt. Vorab besorgte er sich eine Broschüre, die über die Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung informiert und zugleich die notwendigen Formblätter beinhaltet.

Bevollmächtigen kann man eine Vertrauensperson für alles Mögliche. Für Bankangelegenheiten, Post- und Fernmeldeangelegenheiten, ärztliche Entscheidungen. Im Prinzip für alle Angelegenheiten, die man teilweise oder gar nicht mehr selbst erledigen kann: Denn ohne Vollmacht könnte nicht einmal eine Rechnung vom Konto beglichen werden.

Vordrucke für diese Vorsorgevollmacht gibt es auch im Handel, in gutsortierten Schreibwarengeschäften, im Internet und beim VdK. Diese Vollmacht kann man zuhause aufbewahren oder besser beim zentralen Vorsorgeregister registrieren lassen.

Aber gerade in akuten Situationen, beispielsweise wenn es im Krankenhaus schnell gehen muss, kann es schon passieren, dass Angehörige in dem Durcheinander an ihre Bevollmächtigung nicht denken oder diese nicht gleich finden.

Oder sie wohnen weit entfernt und sind im Notfall noch nicht informiert, weshalb anderweitig eine Betreuung angeordnet wird. "Diese Betreuung kann wieder aufgehoben werden, wenn eine Vollmacht da ist", sagt Petra Göppner.

Die Expertin rät deshalb, die Vollmacht im Vorsorgeregister eintragen zu lassen. Das tat Wolfgang Kuntze nicht. Das Original der Vollmacht hat er bei sich zu Hause aufbewahrt, die Bevollmächtigten erhielten eine Kopie davon.
Aber: "Ich habe vorher mit den Menschen, die ich bevollmächtigt habe, gesprochen; und auch gefragt, ob sie im Notfall bereit wären, in meinem Sinn zu handeln.

Leben nach dem Tod

Auch eine Patientenverfügung habe ich ausgestellt, denn ich möchte nicht mit Maschinen am Leben erhalten werden. Es gibt auch ein Leben nach dem Tod", erläutert Kuntze. Mehrere Personen hat er angegeben für den Fall, dass ein Bevollmächtigter ihn beispielsweise aufgrund einer Krankheit nicht vertreten könnte.
Manche Personen haben keine Vollmacht gegeben. "Wenn keine Vollmacht vorliegt, muss eine Betreuung angeordnet werden", erklärt die Rechtspflegerin. Auch in so einem Fall werde erst geprüft, ob Angehörige die Betreuung übernehmen könnten.

Doch viele Menschen haben keine Angehörigen mehr, die Kinder leben weit entfernt oder die Angehörigen fühlen sich mit den Aufgaben überfordert. Ein Berufsbetreuer kümmert sich dann um die Angelegenheiten. Dennoch fühlen sich viele Menschen unbehaglich bei dem Gedanken, dass eine fremde Person über ihr weiteres Leben bestimmt, Einblick auf die Konten hat; schalten und walten kann, wie er will. Die Tätigkeit der Betreuer wird vom Betreuungsgericht kontrolliert. Die engsten Anverwandten - also Eltern, Kinder oder der Ehepartner - gelten als befreite Betreuer.

Andere Personen als Betreuer oder Berufsbetreuer müssen Einnahmen und Ausgaben belegen können. Auf Sparbüchern oder Depots sind Sperrvermerke eingetragen und ohne Zustimmung des Gerichts können weder Versicherungen gekündigt noch einfach so größere Beträge ausgegeben werden. "Da wird schon geprüft, wofür das Geld gebraucht wird und ob der Kaufpreis angemessen ist", erläutert Petra Göppner.

"Grundbesitz ist grundsätzlich nicht ohne Zustimmung des Gerichts veräußerbar. Wenn die Mutter beispielsweise Wohnrecht hatte und nun in ein Heim muss, kann der Sohn das nicht einfach löschen und das Haus verkaufen", sagt Göppner. Auch Familienangehörigen als Betreuer seien hier die Hände gebunden.

Eine Vollmacht werde schon benötigt, falls man nach einem Unfall bettlägerig sei, weiß Maximilian Erras. Trotzdem werde das Wort Betreuung gerade von älteren Menschen oft missverstanden: Sie glauben, der Betreuer sei als eine Art Pfleger für die Versorgung der Menschen zuständig - für die Arztfahrten oder dass er am Herd steht und Essen kocht.

Bürokratie statt Kochen

Betreuung ist der rechtliche Begriff für Vertretungsbefugnis. Der Betreuer vertritt den zu Betreuenden in bestimmten Angelegenheiten, muss sich darum kümmern, dass - je nach Aufgabenbereich - eine Versorgung geregelt wird.
Kochen muss der Betreuer oder Bevollmächtigte nicht; auch nicht waschen, putzen und von einem Arzt zum anderen fahren. Aber er muss sich darum kümmern, dass diese Versorgung reibungslos klappt, indem er Essen auf Rädern bestellt, dafür sorgt, dass ärztliche Untersuchungen erfolgen, die Anträge stellen und auch die Vermögensgeschäfte erledigt.
Mit einem Wort: Der Betreuer muss den gesamten Verwaltungsakt erledigen, der für diese Amts- und Rechtsgeschäfte nötig ist.