Ein junger Mann kommt in die Bürger-Sprechstunde. Er hat Streit mit dem Vermieter und nun trägt er seine Sorgen dem Oberbürgermeister vor. Als Franz Stumpf hört, dass der Fall schon beim Anwalt gelandet ist, erkundigt er sich nach dessen Namen und greift zum Telefon. Der junge Mann wundert sich und Stumpf klärt ihn auf: "Ich war früher Anwalt, da habe ich manche Nummern noch im Kopf."

Die meisten Besuche an diesem Nachmittag verlaufen nach diesem Muster: Stumpf hört zu, schiebt sich die Brille auf die Stirn, macht Notizen. Dann fallen schnell Sätze wie: "Ich kümmere mich drum", oder: "Sie hören von mir". Oder er springt auf und holt ein Schriftstück aus seinem Büro. Als er zum zweiten Mal aufspringt, kommt er mit einem unhandlichen juristischen Nachschlagewerk zurück, dem "Sartorius". In dem rot gebunden Wälzer stecken viele bunte Merkzettel.


Forchheims OB Franz Stumpf stellt sich vor by Infranken.de

Dieses Buch ist seit vier Jahrzehnten ein ständiger Begleiter des heute 63-jährigen Franz Stumpf. Man könnte ihn einfach als "den Anwalt der Stadt" bezeichnen: Erst war er ein niedergelassener Rechtsanwalt, dann Rechtsrat der Stadt; dann wurde er 1990 zum Oberbürgermeister gewählt und erledigt die Arbeit des Rechtsrates seitdem nebenher mit.

Seine vierte Amtszeit geht gerade zu Ende und die fünfte soll am 16. März beginnen. Stumpfs Vorgänger, Karlheinz Ritter von Traitteur (CSU), war 29 Jahre im Amt. Im Falle einer Wiederwahl könnte er Traitteur zeitlich überflügeln: "Um ein Jahr", sagt Stumpf und lächelt verschmitzt.

Vor dem Amtszeit-Rekord
Doch der 63-Jährige kandidiert nicht, weil er einen Amtszeit-Rekord brechen will: "Wenn ich jetzt aufhöre, befürchte ich, dass Forchheim in ein Loch fallen könnte." Diese

 

Befürchtung dürften die drei Mitbewerber im Oberbürgermeister-Rennen befremdlich finden; herrscht doch die Vorstellung, dass Stumpfs Verdienste zwar unbenommen seien; dass der Oberbürgermeister nun aber weichen und einer transparenteren Politik Platz machen solle. Der Amtsinhaber dagegen ist überzeugt, dass die kommenden sechs Jahre für ihn und die Stadt wichtig sind: "Ich will weiter was bewegen und es wird meine Aufgabe sein, einen Kandidaten aufzubauen, der weiterentwickelt, was ich aufgebaut habe." Außerdem stelle er fest, "dass die Nachbarstädte von unseren Erfolgen aufgeschreckt sind". In Bamberg und Erlangen würden im großen Stil Gewerbegebiete ausgewiesen.

"Damit die Stadt dabei nicht der Verlierer wird, kann ich meine Erfahrungen einbringen."

Wenn Franz Stumpf auf seine Erfahrungen verweist, dann hebt er neben dem "Netzwerk persönlicher Kontakte" vor allem eines hervor - "den immer wichtiger werdenden juristischen Sachverstand".
Den hat er während der nachmittäglichen Bürgersprechstunde weidlich genutzt. Auch der letzte Bürger, der an diesem Freitag in die Sprechstunde kommt, hofft auf juristischen Beistand. Er habe seine Wohnung verloren und eine Klage am Hals. Die Sache wirkt kompliziert. Am Ende verlässt der Mann das Rathaus mit Stumpfs Rufnummer. Er soll sich am Dienstag melden. "Aber rufen sie gleich um 8 Uhr an", sagt Stumpf.

Unzählige solcher Bürger-Begegnungen hat er in 24 Amtsjahren hinter sich gebracht. Und man könnte meinen, der Routinier kann gelassen in seinen letzten Wahlkampf gehen.

"Auf keinen Fall", sagt Franz Stumpf: "Ich muss alles geben, jeder Wahlkampf hat seine eigene Geschichte."

Die Geschichte des Wahlkampfes 2014 beschert ihm drei Gegenkandidaten - und daher ist natürlich eine Stichwahl möglich. "Eine Stichwahl ist immer gefährlich für den Amtsinhaber", sagt Stumpf. Allerdings fühle er sich im Vergleich zu vor sechs Jahren "etwas sicherer". Damals blieb die Stichwahl aus, obwohl sechs Kandidaten um Stimmen warben. Und mit Sebastian Platzek (FDP) habe er einen renommierten Bewerber aus einer alten Forchheimer Familie gegen sich gehabt.

Alteingesessen zu sein, so ist aus diesem Satz zu schließen, das hat im Oberbürgermeister-Wahlkampf ein ganz besonderes Gewicht. Dieser Logik folgend, muss Franz Stumpf am 16. März als nahezu unbesiegbarer Favorit gelten. Daher hatte der politische Gegner wohl auch auf seine Amtsmüdigkeit spekuliert. Vergebens: "Ich hab zu keinem Zeitpunkt überlegt, aufzuhören", sagt Franz Stumpf lachend, "das Schwierigste war, das einigen Leuten beizubringen."