Sowas hat Hans-Joachim Welsch in seinem Heben danz noch nicht erlebt. Eine ganze Filmcrew stürmt das Bräustüberl. Und das am Ruhetag. Der Wirt vom Hebendanz steht am Zapfhahn und ruft durch die Durchreiche: "Ein Wasser für den Kameramann!" André Albrecht schaut konzentriert auf den Kontroll-Bildschirm über seiner Filmkamera. "Passt das Licht? Stimmt die Schärfe?" Für Wasser hat der Kameramann jetzt keine Zeit. Eine Action-Szene wird gedreht. Susi - die Freundin eines verdächtigen Rockers - rennt wie wild aus der Kneipe. Dann auf und davon. Albrecht, der Mann mit der Kamera, ruft: "Kamera läuft!" Klaus "Haui" Hack, der Regisseur aus Pinzberg, sagt: "Und bitte!" Daraufhin wirbelt Caroline Koch wie eine Furie aus der Tür und rennt auf die Kamera zu. Panik liegt in ihren Augen.

Zwei Proben, und vier Sprints später. Kameramann und Regisseur sind mit Caroline alias Susi sehr zufriedenen: "Super gespielt!" Diese Szene ist schnell im Kasten. Aber der erste Drehtag hat gerade erst angefangen. Und viele Szenen stehen noch auf dem Drehplan. Filme machen ist Arbeit. Lustig geht es am Set trotzdem zu. Hans-Joachim Welsch präsentiert den größten Weißbier-Kelch, den er finden kann. "Den gibt es aber erst nach Drehschluss", sagt Karl Heilmann und zückt seinen Revolver: "Mein Name ist Bond. James Bond."



Gute Stimmung beim Dreh sei wichtig, um die Schauspieler in den Drehpausen bei Laune zu halten, sagt er. Dann geht es aber schon wieder weiter. Die nächste Szene steht an. Diesmal ist das komplette Ermittler-Team um Hauptkommissar Franz Brandner dran. Eine Reporterin spielt auch mit. "Die Journalistin wird mich gleich jagen. Sie will natürlich mehr wissen - aber sie erfährt nicht mehr", sagt Karl Heilmann, der den Film produziert und als Hauptkommissar Brandner vor der Kamera steht. "Eine Schlüsselszene", sagt Sara Teber-Tok, die die ehrgeizige Journalistin Inge Steiner in dem Franken-Krimi "Seilschaften" spielt. Ein kurzer Kniff am Dress, ein kleiner Tupfen Puder - dann ist Sara perfekt gestylt für den Dreh.

Regisseur Haui Hack kümmert sich derweil um das Mise-en-scène. Die Einsätze müssen stimmen, der Text sowieso. Zuerst soll Kommissar Walter Stern (gespielt von Chris van Varenberg) "Scheiße" sagen. Dann kommt Brandner und die Kommissarin Mona Frank (Michelle Tönnies) hinzu. Im gleichen Atemzug soll auch schon die Reporterin in die Szene hereinplatzen. Nicht ganz einfach ist diese Sequenz.

Klappe! Kamera läuft! Und bitte!
Das Licht wird korrigiert. Noch eine Stellprobe für die Schauspieler. Noch eine Probe für die Kamera, die jetzt auf einem Kran fixiert ist, um die Szene noch dramatischer im Bild festzuhalten. Dann die Klappe. "Kamera läuft!" Und bitte! Die drei Kommissare rennen aufeinander zu. Der Polizist mit den Muskeln sagt: "Scheiße!" Die blonde Kommissarin mit der Stubsnase verzieht das Gesicht.

Dann eilt auch schon die Reporterin herbei. "Brandner! Was sagen Sie dazu, dass die Staatskanzlei in den Fall verwickelt sein soll? Und Sie das alles vertuschen wollen?" Der Kommissar mit Hut stutzt die junge Reporterin erstmal zurecht: "Kriminalhauptkommissar! So viel Zeit muss sein." Die Reporterin nimmt er dann doch erstmal mit. Vielleicht braucht Brandner sie ja noch. Bei der Aufklärung des Mordes im Kellerwald.

Warten bis Sonnenuntergang
Irgendwann ist auch diese Szene im Kasten. Zeit für Brotzeit. "Wir müssen sowieso warten, bis die Sonne weg ist, um die nächste Szene zu drehen", sagt Heilmann. Die Crew wird noch bis Mitternacht beschäftigt sein.
"Das ist wirklich etwas neues für mich", erzählt Hans-Joachim Welsch. Für die Brauerei und für ganz Forchheim sei das etwas besonderes, sagt der Wirt.

Kinderspiel. Der letzte große Film wurde vor vielen, vielen Jahren in Forchheim gedreht. "Stadt ohne Mitleid" von 1961 mit Kirk Douglas und der jungen Christine Kaufmann.

Eine kleine Favoritin in der aktuellen Film-Crew hat der Wirt übrigens auch schon: "Die Dame von der Spurensicherung." Josephine Volk freut sich über den ersten Fan und verspricht später aus dem Riesenglas zu trinken. Nach Drehschluss! Der 20-minütige Franken-Krimi "Seilschaften" soll übrigens bei der Museumsnacht im September gezeigt werden.

Hintergrundinfos:
Der Macher des Forchheimer Franken-Krimis, Karl Heilmann, und der ehemalige Eiskunstlauf-Start Manfred Schnelldorfer kennen sich aus Old Ass Bastards.