Die Lillinger Kapelle ist ohne die vier Linden nicht vorstellbar. "Wir waren schockiert, als der Sturm im vergangenen Herbst die Linde zerrissen hat", gestand Pfarrer Josef Pingold an der Kapelle auf der Lillinger Höhe. Doch dann fand das Landratsamt Forchheim einen Pilz in einem der vier Bäume, die als Naturdenkmal gelten.

Das war das Aus für eine der Linden, die seit mehreren hundert Jahren die Lillinger Kapelle umschirmen und deren Wahrzeichen sind. Einzig der meterdicke Baumstumpf gibt noch Zeugnis über seine einst imposante Erscheinung, denn in einem Eilantrag stimmte der Stadtrat Anfang des Jahres aus Sicherheitsgründen dem Fällen der Linde zu.

Gerade für die Mitglieder des Vereins "Lillinger Kapelle" war die Entscheidung ein Stich ins Herz, wenn auch nachvollziehbar. "Der geheiligte Baum gehörte dazu", erklärt der Neunkirchner Pfarrer Pingold, ein gebürtiger Lillinger und Vereinsmitglied. Das Fleckchen Erde, auf dem die Kapelle errichtet wurde, war ein Calvarienberg. Das sei symbolisch ein Ort für die Kreuzigung Christi. Die Linde sei schon immer ein Baum gewesen, der Verehrung genossen habe. Es gebe viele Wallfahrtsorte, wo die Linde - zudem ein weiblicher Baum - eine große Rolle spiele.

Wann genau die vier Linden an der Kapelle gepflanzt wurden, darüber können die Vereinsmitglieder nur spekulieren. Vorstand Alfred Schaffer, dessen Urgroßvater Lorenz die jetzige Kapelle 1871 wieder erbaut hat, vermutet, dass die Linden bereits mit der ersten Kapelle durch den Sollenberger Bauern Weber gepflanzt worden sind.

Ein zehn Jahre alter Ableger

Es stand für die Vereinsmitglieder deshalb von vornherein fest, dass eine neue Linde gepflanzt wird. Ein kleiner Baum sollte es jedoch auch nicht sein, sondern wenigstens groß genug, um aufzufallen, wenn auch der Umfang des Stammes noch lange nicht mit den drei großen Schwestern mithalten kann.

Doch selbst eine fünf Meter große Linde kostet ungefähr 1700 Euro und die Mitglieder haben bereits Spendenaktionen überlegt. Dass keine Spenden benötigt wurden, lag an der Baumspende von Hans Friedrich und dessen Sohn Thomas aus Lilling. Bei ihnen im Garten hatte sich ein Ableger einer anderen Linde gebildet, war gewachsen, zählt inzwischen zehn Jahre und misst fünf Meter Höhe. Dieser Baum sollte an der Lillinger Kapelle gepflanzt werden, damit das Wahrzeichen wieder vollständig ist.

Der ortsansässige Bauunternehmer Markus Kögel, ebenfalls ein gebürtiger Lillinger, holte dann kurzerhand seinen Bagger, grub die Linde aus, schaufelte an der Kapelle ein neues Loch und setzte mit anderen Vereinsmitgliedern und Lillingern die neue Linde ein. Natürlich unentgeltlich. "Es ist schön, dass eine Linde aus Lilling hier weiterwachsen darf", freute sich Pfarrer Pingold, dessen Schwägerin, die Kreisrätin Gunda Pingold, zu Lebzeiten den Verein "Lillinger Kapelle" gegründet hatte.

Bevor die Linde verpflanzt werden konnte, wurde sie von Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde und einem Förster begutachtet. Sie gaben ihr Einverständnis. Mit der neuen Linde ist das Wahrzeichen wieder vollständig. Aber: "Ein Naturdenkmal ist diese Linde nicht. Neupflanzungen sind davon ausgenommen", erklärte Schaffer, bevor Pfarrer Pingold die Linde weihte und Marianne Schaffer zur wohlverdienten Brotzeit einlud.