Blankes Entsetzen herrscht im Landkreis Forchheim, denn die ersten Landwirte haben ihre Drohung wahr gemacht und teils ganze Flächen von Streuobstbäumen in der Fränkischen Schweiz gefällt. Die Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" und die Biotopkartierung spaltet die Bevölkerung in Naturschützer und Landwirte.

Landwirte in der Fränkischen Schweiz: Landschaftspfleger oder Zerstörer?

Die Landwirte werden von den Naturschützern nicht mehr als Landschaftspfleger gesehen, sondern als Zerstörer eines fränkischen Wahrzeichens: der Streuobstwiesen in der Fränkischen Schweiz. Einer dieser Landwirte kommt aus Walkersbrunn und hat bei allen alten Obstbäumen auf seiner 2000 Quadratmeter großen Wiese die Säge angesetzt. Sogar am Sonntag wurde in der Predigt dieser Naturfrevel angeprangert. "Die Kirche hat selbst viele Flächen und könnte überall Biotope schaffen", schießt der Landwirt zurück. Nicht nur er, auch die anderen Landwirte, die ihre Bäume rodeten, stehen im Fokus der Kritik. Bei Heinrich Kattenbeck vom Bund Naturschutz stand das Telefon nicht mehr still. Oberhalb des landkreiseigenen Parkplatzes am Gasthaus "Walberla" in Kirchehrenbach wurden in voller Blüte stehende Bäume einfach umgesägt. "Mehr als 25 kerngesunde Kirschbäume mit einem Durchmesser zwischen 30 und 60 Zentimetern wurden unwiederbringlich vernichtet", schimpft Kattenbeck. Er prangert diese Handlung als Sünde gegen den Klima-, Natur- und Tierschutz an.

Hinweise an Vogelschützer

Auch bei Helmut Schmitt, Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), gingen zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung ein. Die Bürger seien fassungslos gewesen angesichts des "Niederwalzens" ganzer Streuobstflächen. Denn nicht nur in Walkersbrunn, sondern auch zwischen Leutenbach und Mittelehrenbach und bei Kirchehrenbach wurden massenhaft Bäume gerodet. Helmut Schmitt überzeugte sich vor Ort von der Vernichtung und erstattete Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde. Dabei hoffte gerade Schmitt nach den Veranstaltungen des Bauernverbands zum Thema Kartierung und Umsetzung des Volksbegehren auf ein Miteinander zwischen Natur- und Vogelschützern und Landwirten. Allerdings gibt Schmitt zu, dass die Biotopkartierung nicht ganz so glücklich abgelaufen sei. Mit dieser zu 60 Prozent fehlerhaften Biotopkartierung habe das Dilemma angefangen.

BBV nimmt Stellung

Eigentlich sollten nur extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen mit mehr als 2500 Quadratmeter Fläche als Biotop kartiert werden. "Es wurden auch intensiv genutzte Flächen kartiert oder zwei verschiedene Flurnummern als ein Biotop zusammengefasst", erklärt Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Zwar wurde diese Kartierung vom Umweltministerium wieder aus dem Internet genommen, doch bis 8. Mai soll der Gesetzesentwurf zur Umsetzung des Volksbegehrens Artenvielfalt im Landtag auf den Tisch kommen. Welche Flächen nun als Biotop eingezeichnet sind, ist noch unklar - ebenso, was mit "extensiv" genau gemeint ist. Denn laut Greif würde aus dem Obst der extensiven Flächen noch Obstbrände oder Obstsäfte hergestellt werden. Der Hauptgrund aber für die Handlungen der Landwirte sei die Unsicherheit. Welche Auflagen erhalten sie? Was darf noch bewirtschaftet werden und wie? Dürfen alte, morsche Bäume nun doch gefällt werden? "Was nutzt eine biotopkartierte Fläche, die wie ein denkmalgeschütztes Haus zusammenfällt?", fragt Greif. Vor zwei Monaten wäre ein Landwirt nie auf die Idee gekommen, seine Bäume zu fällen.

Verständnis für die Bauern

Verständnis für die Handlung der Bauern hat er durchaus. "Die Unsicherheiten führen bei manchem zu solchen Reaktionen", sagt Greif. Er fordert ein schnelles, deutliches Zeichen von der Politik. Auch für den Walkersbrunner Landwirt waren diese Unsicherheiten ausschlaggebend für seine radikale Handlung. Sehr zum Leid der Vogelschützer sind jedoch nicht nur die alten Obstbaumbestände, sondern auch Hecken gerodet worden. Es ist verboten, ab 1. März Hecken zu schneiden. Dies kann mit einer Geldstrafe belegt werden. Durch die Rodung der alten Obstbäume und der Hecken wurden seltenen Vogelarten wie dem Neuntöter Nistmöglichkeiten genommen. Mehr noch fürchtet Schmitt, dass bereits bestehende Bruten vernichtet wurden.

Landratsamt betont Bedeutung

Auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim betont die Bedeutung der Streuobstwiesen. Diese seien vom Menschen geschaffene Lebensräume, die sich durch einen besonders hohen Reichtum an Artenvielfalt auszeichnet. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten kommen im Streuobst vor. Viele davon sind sogar vom Aussterben bedroht, stehen also auf der roten Liste.

Die Gesetzeslage

Die aktuelle gesetzliche Rechtslage lasse ein Fällen der Obstbäume nur unter bestimmten Voraussetzungen zu. Aufgrund des Artenreichtums eines Streuobstbestandes werde darauf hingewiesen, dass es verboten sei, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu verletzen, zu töten, ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, diese zu beschädigen oder zu zerstören. Das gelte auch während der Fortpflanzung und Aufzucht und für die Ruhestätten der Tiere. Andernfalls stelle es eine Ordnungswidrigkeit dar, so das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Der Walkersbrunner Landwirt jedenfalls sagt, er habe keine brütenden Vögel in seinem Baumbestand gefunden. Auch wenn die Naturschützer in der Unterzahl seien, sollten die Landwirte wissen, dass mit der Natur nicht alles gemacht werden dürfe. Dafür habe mit dem Volksbegehren die Mehrzahl der Bevölkerung gestanden, behauptet Schmitt. "Diese Natur hat nicht der Umweltschützer geschaffen, sondern der Grundstücksbesitzer", sagt Hermann Greif dazu. Diese seien die Landwirte, die das Bild der Fränkischen Schweiz durch ihre Pflege zu dem werden ließen, wie es in aller Welt bekannt sei.

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