Das Jahr 1869, also die Zeit vor 150 Jahren, war kein besonders turbulentes, aber es gab wichtige Weichenstellungen. Während August Bebel und Wilhelm Liebknecht am 8. August in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) gründeten, ein Vorläufer der SPD, und Ulysses Grant seinen Dienst als 18. US-amerikanischer Präsident antrat, wurde am 16. November nach zehnjähriger Bauzeit der Suezkanal freigegeben und somit eine kurze Schiffsverbindung von Europa nach Asien geschaffen. In Bayern gingen die Uhren damals etwas anders: Hier tobte fast 30 Jahre lang der bayerische Kulturkampf - eine Auseinandersetzung zwischen der konservativen katholischen Kirche und der fortschrittlichen Regierung des Königreichs Bayern.

Der Fortschritt kam still und leise nach Ebermannstadt. Wie im Amtsblatt nachzulesen, wurde am 1. März 1869 mit der Verlegung einer Telegrafenleitung von Forchheim nach Ebermannstadt begonnen und "soll mit dem 1. Mai die hiesige Station eröffnet werden".

Kriminelle Energie

Kriminelle Energie hat der Zimmerer Göhl aus Weiher bei Hollfeld erfahren, dessen Anwesen zusammen mit dem des Nachbarn Krug Ende März niedergebrannt ist. Man vermutete Brandstiftung. Wenige Wochen später brannten in Schressendorf bei Plankenfels (Kreis Bayreuth) ein Haus und zwei Scheunen ab. Ein vierjähriges Mädchen, dass mit Streichhölzern gespielt hat, soll den Brand verursacht haben. Die Hollfelder Feuerwehr konnte nicht mehr eingreifen, "da das Alarmzeichen vom Turme zu spät erfolgte, weil man den Turmwächter zu diesem Zwecke erst aus dem Wirtshaus holen musste", schrieb das Amtsblatt lakonisch. Sehr lobend äußerte sich der Bezirksamtmann Zametzer über eine vorbildliche Feuerwehrübung der ein Jahr vorher gegründeten Hollfelder Wehr: "Die Feuerwehr arbeitete mit einer großen und zwei kleinen Spritzen und entwickelte dabei im Ganzen eine bewundernswürdige Ordnung und Präzision. Insbesondere zeichnen sich die Steiger und Schlauchführer durch Gewandtheit und Kühnheit wie durch Sicherheit der Bewegungen aus." Zametzer dankte ausdrücklich dem Notar Herrn Küster, der die Hollfelder Feuerwehr 1868 ins Leben gerufen hatte.

Versammlung der Landwirte

Jede Menge "Fremde" hatte Forchheim Ende Mai, während der "12. Wanderversammlung bayerischer Landwirte". Zwischen 200 und 400 Menschen besuchten die Veranstaltungen und die Stadt zeigte sich deshalb von ihrer charmanten Gastgeberseite: "Die Häuser der Stadt sind auf das Schönste decoriert, in allen Straßen wehen Fahnen den lieben und hohen Gästen herzlichen Willkommensgruß entgegen", schreibt das Amtsblatt. Ob der vielen Gäste wurde in der Zeitung gleich der Vorschlag gemacht, "einen permanenten Verschönerungsverein für Forchheim ins Leben zu rufen, gestützt auf den vorausgeschickten kleinen Leistungsversuch".

Mit der Pferdepost

Nach heutigem Maßstab wenig für Gäste geeignet war die damalige Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Von Bayreuth nach Waischenfeld dauert die Fahrt mit der Pferdepost mehr als vier Stunden, mit Anschluss an die Kutsche nach Muggendorf, die dort weitere zwei Stunden später eintraf. Von Muggendorf aus fuhren Kutschen weiter nach Forchheim, was noch mal fast drei Stunden andauerte.

Straßenbau bei Doos

Keinen Einfluss darauf hatte der Bau der Straße von Doos nach Behringersmühle, die im gleichen Jahr vollendet wurde. In Doos fuhren die Kutschen über den steilen Berg nach Muggendorf, weshalb man ab Doos mit vier Pferden weiterfuhr.

Bierbrauer aus Unterweilersbach

Wollte man damals eine Gastwirtschaft eröffnen, musste man auch um eine Konzession anfragen, die dann öffentlich entschieden wurde. Deshalb ist aus dem Amtsblatt zu erfahren, dass der Bierbrauer Anton Kügel aus Unterweilersbach einen Gasthof eröffnen will und deshalb um die Erlaubnis ersucht, Befugnisse zu erhalten für die Beherbergung von Fremden, Verabreichung von Speisen, Ausschank von Bier, Wein und geistigen Getränken, dann zur Verabreichung von Kaffee und warmen Getränken und Erfrischungen. Apropos Bier: Laut einer Statistik des Amtsblattes trank 1868 jeder Bayer 158 Liter Bier. 2017 trank jeder Bayer laut Bayerischem Brauerbund im Schnitt immerhin noch 140 Liter Bier. Mehr Bier trinken nur noch die Tschechen: 150 Liter.