Die 92-jährige Margot Lubs fürchtet die Zwangsräumung: "Ein Skandal ist das." Denn das Haus in der Sudentenstraße, in dem die alte Dame seit 33 Jahren wohnt, soll abgerissen werden, um großen Wohnblocks und Zufahrten Platz zu machen. Gegen das Projekt "Sonnenpark", das auf dem Gelände des ehemaligen evangelischen Kindergartens, zwischen Bayreuther- und Sudentenstraße entstehen soll, macht eine Bürgerinitiative jetzt mit einer Unterschriftenaktion mobil.

Bereit zur "Endoffensive"

"Zu groß, zu massiv, zu dicht", fasst Birgit Heldmann die Einwände gegen die vorgesehenen 24 Wohneinheiten zusammen, die in vier Wohnblocks auf dem Gelände entstehen sollen. Die Anliegerin, deren Reiheneckhaus in der Färberstraße direkt an das Neubaugrundstück grenzt, hat sich an die Spitze der Bürgerinitiative gestellt. Birgit Heldmann zeigt sich vor der Abstimmung im kommenden Planungsausschuss kämpferisch und kündigt an: "Es geht jetzt in die Endoffensive!"

Ein wenig Zeit für ihre Unterschriftenaktion hat sie gewonnen: Die für kommenden Montag anberaumte Ausschuss-Sitzung ist abgesetzt worden. Derweil liegen seit einer Woche überall an frequentierten Stellen in der Stadt - von der Pizzeria San Marino, über Arztpraxen bis zum Seniorenbüro - Unterschriftenmappen gegen den "Sonnenpark" aus. Schätzungsweise 200 Unterschriften sind bis jetzt eingegangen", freut sich Birgit Heldmann. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Klaus Friesleben bittet sie die Bürger um Unterstützung: "Wir möchten uns dafür einsetzen, dass das rein profitorientierte Projekt eines finanzstarken Unternehmers und Millionärs aus Eltmann am Main in unserer Stadt, mit Hilfe eines alles andere als bürgernahen Engagement des Planungs- und Umweltausschusses unseres Stadtrates, gestoppt und neu überdacht wird".

Brandbrief an den Oberbürgermeister

Auch an Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) hat die Initiative einen Brandbrief gerichtet - mit der Forderung den aktuellen Entwurf des Bebauungsplanes für das Projekt Sonnenpark zu verwerfen. Bei den vorgesehenen 24 Wohneinheiten in vier Wohnblöcken sei auf dem Gelände eine von der Stadt immer wieder propagierte "behutsame Nachverdichtung" nicht erkennbar.

"Die überdimensionalen Häuserfronten erschlagen förmlich die angrenzenden Wohngebäude", betonen die Mitglieder der Bürgerbewegung. Die Forderung der Anlieger auf eine Anpassung sei erneut nicht nachgekommen worden. "Wir fordern eine deutliche Reduzierung der Bebauung auf 15 Wohneinheiten, um die städtebaulich sinnvolle, für das Gebiet verträgliche Nachverdichtung zu erreichen", heißt es in dem Schreiben an Oberbürgermeister Stumpf.

Zudem befürchtet die Initiativgruppe durch das zunehmende Zuparken der Sudetenstraße eine "akute Gefährdung" von Kindern auf ihrem Schulweg. Besonders am Herzen aber liegt Birgit Heldmann und ihren Mitstreitern, dass die 92-jährige Margot Lubs, die in dem vom Abriss bedrohten Mietshaus lebt, nicht zu einer Zwangsräumung verurteilt wird, sondern ihren Lebensabend dort ungestört und in Frieden verbringen kann. Die alte Dame schwebt derweil in Ängsten. "In meinem Alter einen Umzug machen zu müssen, das ist eine Zumutung", sagt Margot Lubs und fügt verzweifelt hinzu: "Mein Gott, kostet mich das alles Nerven!"