Die Sicherheit der Bürger sei wichtiger als "denkmalpflegerische Gesichtspunkte". Daher sollte "zum Schutz der Bevölkerung" der Abriss des Rathauses erwogen werden. So die Auffassung im Forchheimer Stadtbauamt des Jahres 1969. Der damalige Leiter des Forchheimer Stadtbauamtes, Hans Knoch, ließ sich im März 1969 in der Zeitung sogar zu der Meinung hinreißen, dass "der Abbruch des Rathauses nicht zu umgehen sein wird."

Oberbürgermeister Ritter von Traitteur ließ daraufhin eine Bürgerversammlung einberufen, bei der auch Oberkonservator Schwerdtfeger auftrat. Die Geschichte von der Einsturzgefahr, die sich auf "eingehende statische Untersuchungen" berief, büßte dann zwar ihr erschreckende Wirkung ein; aber, so erinnert sich Fritz Igel, "die Geschichte um einstürzende Gebäude zog sich noch viele Jahre hin". Fritz Igel, der seit langem der Politik den Rücken gekehrt hat, saß 1969 für die CSU im Stadtrat.

In jener Zeit sei es einmal das Rathaus, dann das Katharinenspital gewesen, das als baufällig und als einsturzgefährdet galt, sagt Fritz Igel. Er erklärt das rückblickend damit, dass es Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre einige einflussreiche Architekten und Bauunternehmer in Forchheim gegeben habe: "Die mussten sich etablieren und darstellen. Da ist vieles übertrieben worden."

44 Jahre nach diesem Abriss-Gerücht sind im Stadtbauamt solche Übertreibungen nicht mehr üblich. Zwar laboriert das Rathaus seit Mai an einer gewissen Altersschwäche, weil ein Stützbalken des großen Rathaussaales gebrochen ist. Aber niemand spricht von Abriss. Bürgermeister Franz Streit (CSU) hatte lediglich darauf hingewiesen, dass es mit "kosmetischen Maßnahmen" wahrscheinlich nicht getan sein wird - die fällige Sanierung werde wohl an die Substanz gehen.

Untersuchung für 25.000 Euro

Fest steht bislang nur: Der Balkenbruch hat die Statik des Rathauses verändert. Die Kosten der noch immer laufenden Untersuchungen hat Bauamtschef Gerhard Zedler auf mindestens 25.000 Euro geschätzt.

Seit Mitte des Jahres wird das 600 Jahre alte Haus durch drei Holzbalken an der Fassade gestützt. Eine Maßnahme, die übrigens auch im Jahr 1969 im Gespräch gewesen war. Eine Abstützung des Rathauses hatte Oberbaurat Hans Knoch damals dann aber abgelehnt. Begründung: "Zu gewagt".

Nicht gewagt, aber auch nicht treffend war übrigens die Einschätzung von Bauamtschef Gerhard Zedler vom Sommer. Da hatte er angekündigt, die Stützbalken an der Rathaus-Fassade würden bis Weihnachten "weg sein".
Gerhard Zedlers aktueller Kommentar zur Situation am Rathaus: "Im Moment gibt es keinen neuen Sachstand. Wir müssen vom Ministerium die Entscheidung für einen Zuschuss abwarten. Erst dann können wir die Universität Bamberg beauftragen, die Untersuchungen mit dem Aufmaß durchzuführen."