"Füttern Sie uns!" Von dieser Aufforderung des Stadtplaners Leonhard Valier (Büro für Städtebau in Bamberg) machte der Beirat für Umweltfragen und Naturschutz (BUN) am Dienstagabend reichlich Gebrauch. Die neun Beiräte, die der Einladung von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) und Stadtbiologin Rotraud Krüger in das Stadtbauamt gefolgt waren, hatten reihenweise "grüne Ideen" mitgebracht. Das zentrale Thema des Abends war, wie diese Ideen mit dem sogenannten Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) verknüpft werden können.


Leitfaden soll 20 Jahre gelten

Leonhard Valier erinnerte die Beiräte daran, dass Isek bis zum Jahresende einen Handlungsleitfaden für die Forchheimer Stadtstruktur der nächsten 20 Jahre liefern will. Ulrich Buchholz (BN-Vorsitzender) kritisierte fehlende Detailinformationen: Etwa sei nicht klar, wie der Baum-Bestand auf der viel diskutierten Ost-West-Achse erhalten werden kann. Auch Stadtbiologin Rotraud Krüger meinte, dass das Isek-Konzept der Vernetzung noch Lücken aufweise: Etwa ziehe der Kanal eine ökologische Trennlinie durch Forchheim, die durch eine "Grünbrücke" überwunden werden müsste.
Der BN-Aktivist und promovierte Agrarwissenschaftler Axel Schauder "haderte" insofern mit den Isek-Planung, als sie "Verbindungen" thematisiere, die nur bedingt der BUN-Perspektive entsprächen: "Was ist mit den ökologischen Verbindungen? Das ist ein anderes Paket. Wollen wir das aufmachen", fragte Schauder. Und drängte darauf, den Klimaschutz im Isek-Prozess zu betonen. "Wenn wir baulich weiter verdichten, hat der Wald in Forchheim keine Funktion mehr beim lokalen Klimaschutz."
Auch der Landschaftsarchitekt Hannes Unfried mahnte: Nur die grünen, offenen Hänge in Reuth seien in der Lage, die erforderliche Frischluft zu produzieren; keinesfalls dürften die Hänge angetastet werden.
"Isek ist kein Naturfachplan", sagte Leonard Valier, dem an diesem Abend viele Anregungen "zu tief" gingen. Valier wollte "das Ganze weniger unter ökologischen Aspekten" sehen, sondern den Blick auf die "Aufenthaltsqualität" in Forchheim lenken.
"Das lässt sich nicht trennen, eine Feindefinition muss schon sein", meinte dagegen Hannes Unfried. "Freizeit und Ökologie gehören zusammen, da wurden in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht."
Auch Ernst Deutsch (Geschäftsführer beim Bezirksverband Gartenbau) entdeckte Lücken in der Isek-Planung: Der Sendelgraben im Norden sei als ökologische Achse nicht mal erwähnt, ebenso wenig der Umgang mit der Trubbach und dem Regnitz-Arm. Zudem regte Deutsch eine Aufwertung der Bastionsgärten zu einem Grünzug an und plädierte für eine Landesgartenschau in Forchheim.
Ein Dorn im Auge war Deutsch die "Penetranz", mit der der alte Krankenhausgarten als Standort-Option für eine Event-Halle benannt werde. "Zerstückeln Sie diesen Grüngürtel nicht weiter", warnte Ernst Deutsch.
Warnungen waren am Dienstag noch etliche zu hören: Eine seniorengerechte Ost-West-Radverbindung dürfe in der Isek-Planung nicht vergessen werden, sagte Karola Weiß (Sprecherin für die Forchheimer Bastionsgärten). Asphaltierte Radwege, reduzierte Baumbestände und private Versiegelung sah Axel Schauder als Bedrohung der Lebensqualität in Forchheim; vor dem Verschwinden der Bolzplätze in verdichteten Baugebieten warnte Ulrich Buchholz.
Viele Hinweise "nehmen eine Tiefe ein, die Isek überschreiten", kritisierte Leonhard Valier. Gleichwohl war der Stadtplaner von einigen Anregungen beeindruckt. Etwa von dem Vorschlag des Energieberaters Andre Heim, auf der Sportinsel ein "Erfahrungsfeld der Sinne" einzurichten. Oder von der Idee des Wasserwirtschaftlers Johann Böhm, die Potenziale der Forchheimer Gewässer zu nutzen.
Böhms Vorschlag, am Ochsenklavier einen Wasserspielplatz einzurichten, faszinierte auch Bauamtschef René Franz. Das sei ein typisches Isek-Thema. Axel Schauders Radweg- Konzept (vom Regnitztal ins Stadtgebiet einschließlich eines Panoramaweges auf den Reuther Hängen) begrüßte Franz ebenfalls, zumal die Trassen dafür schon vorhanden seien.
Als "wahnsinnig konstruktiv und detailreich" empfand OB Kirschstein den Austausch mit den Umwelt-Beiräten. Am Stadtrat liege es nun, ein "Priorisieren" der BUN-Ideen vorzunehmen, sagte der Forchheimer Oberbürgermeister.