Vorher wohnten sie ganz in der Nähe am Bahndamm. Als die Bäume dort gefällt wurden, haben die Krähen den Neuen Friedhof zu ihrem neuen Quartier gemacht.

Das war vor eineinhalb Jahren. Ab Oktober, bis in den März hinein, kommen die Vögel seitdem jeden Nachmittag. Gegen 16.30 Uhr kehren sie von den Futterplätzen aus der Fränkischen Schweiz zurück und steuern die hohen Schlafbäume an der Haidfeld- und Heimgartenstraße an.

"Bestimmt weit über 1000 Saatkrähen sind es mittlerweile", schätzt Gärtnermeister Andreas Geck. Er ist nicht der einzige Mitarbeiter der Stadt Forchheim, der sich seit über einem Jahr den Kopf zerbricht, wie man die intelligenten Tiere wieder los werden könnte. Denn rund 50 Gräber werden täglich intensiv vom Kot der Krähen bespritzt.

Die Friedhofnutzer beschweren sich und drängen auf eine Lösung: "Einer hat schon beantragt, einen Pavillon über sein Grab zu bauen; andere fordern uns auf, die Bäume abzusägen", erzählt Herbert Fuchs, der Chef des Gartenamtes.

Gestern präsentierten Franz Stumpf (Oberbürgermeister, CSU/WUO), Walter Mirschberger (Leiter des Bau- und Grünbetriebes), Herbert Fuchs (Leiter des Gartenamtes) Andreas Geck (Gartenmeister) und Klaus Rösch (Vorarbeiter am Friedhof) eine Strategie für den Umgang mit den Krähen. "Zwei Schritte" seien möglich, sagt Walter Mirschberger; warnt aber auch gleich vor großen Hoffnungen. Bayernweit hätten Kommunen mit Saatkrähen zu kämpfen, ohne das Problem in den Griff zu kriegen.

Böllerschüsse im März

Schritt eins: Im März, kurz vor der Brutzeit, wird versucht, die Vögel an mehreren Tagen durch Böllerschüsse zu vergrämen. Sollte das nicht klappen, werde ein Falkner beauftragt, kündigt Mirschberger an.

An mehreren Tagen vormittags und nachmittags einen Habicht oder einen Falken aufsteigen zu lassen, könnte die Krähen-Schwärme zu einem Standortwechsel zwingen, weiß Andreas Geck. Zumindest sei es einen Versuch wert, die Saatkrähe mit ihrem "Feindbild" zu verunsichern.

Dass solche Versuche scheitern können, hat Franz Stumpf aus der Stadt Lahr erfahren. Auch dort sei der Habicht bemüht worden. Die Krähen hätten sich am Ende zusammengetan und den Habicht gejagt.

Selbst wenn die Vögel vom Friedhof verschwinden, sagt Stumpf, dann lassen sie sich möglicherweise im Kellerwald oder im Stadtpark nieder, was nur eine Verlagerung des Problems wäre. "Es gäbe ja genug Platz für die Krähen in Forchheim, etwa im Zassi-Wäldchen oder auf der Schleuseninsel. Aber wir können ja keine Hinweisschilder aufstellen, denen sie folgen."

Aus der Stadt seien diese intelligenten Tiere auch deshalb kaum zu vertreiben, weil sie hier gezielt nach Abfällen in Mülleimern und auf der Straße suchten, sagt Klaus Rösch. "Auch die Vorratsbehälter auf dem Friedhof sind für sie eine große Attraktion."

Solange die Saatkrähen ihre Schlafbäume am Neuen Friedhof nicht aufgeben, werden viele Friedhofsbesucher wohl weiterhin ihre Grabsteine schrubben müssen. Klaus Rösch sagt, dass er und sein Kollegen täglich auf dem Friedhof erreichbar sind - und zumindest mit warmen Wasser und Putzmittel behilflich sein könnten.