Sachte schlagen die Wellen ans Ufer. Majestätisch ragen die Berge in den weiß-blauen Himmel. Sebastian Wiegärtner wirft einen kritischen Blick nach oben. Noch strahlt die Sonne über dem Bilderbuch-Bauernhof am Tegernsee. "Hoffentlich hält das Wetter", fleht der junge Kameramann aus Forchheim den Himmel an, während Konstantin Wecker lässig aus dem Wohnwagen klettert.

Dann fordert der Regisseur absolute Ruhe und schreit laut: "Action!" Panisch rennt eine junge Frau über den Hof. Wecker läuft ihr aufgebracht nach. Was los ist? Nein, der Weltuntergang steht nicht bevor. Viel schlimmer. Die Glocken sollen läuten. "Die kleine Lissy heiratet!", ruft Chiara Schoras die schöne Neuigkeit in die romantische (böse Zungen würden sagen: kitschige) Filmkulisse hinaus.

Groupies, Wecker und die Pascal

Zum Glück ist Wecker zur Abwechslung mal da. Sonst Musik-Star, Konzerte, Groupies - schlimme Rockstar-Geschichten. Die Olivia Pascal hat der Wecker auch schon mal sitzen lassen. Also im Film versteht sich. Deshalb soll Papa Wecker zumindest bei der Trauung der jüngsten Tochter dabei sein.

Die Story hat sich Wiegärtner aber nicht ausgedacht. "Meine größte Sorge sind die Bilder." Schließlich will Wiegärtner nicht, dass der fertige Film nach Herzschmerz und Heimatschinken aussieht. "Ich mag die Bilder nicht, wenn sie so hell und heile Welt sind. Es gehört auch ein bisschen Schatten dazu. Meine Bildsprache soll nicht kitschig, sondern realistisch wirken", sagt Wiegärtner bei den Dreharbeiten zum neuen Lilly-Schönauer-Film "Die Hochzeit meiner Schwester", der an einem Freitag im Sommer 2014 zur besten Sendezeit in der ARD laufen soll.

"Die zweite größte Sorge beim Dreh ist das Wetter", sagt der junge Chef-Kameramann aus Forchheim und knöpft die Jacke zu. Im Herbst zu drehen sei schon heftig. Besonders mit den Alpen im Rücken. Mann-o-mann. "Das Wetter kann sich hier ziemlich schnell drehen."

Sonne, Regen, Nebel, Schnee

Am eigenen Leib hat Sebastian das bereits erfahren müssen. Sonne, Regen, Sonne, Nebel, Nebel und dann plötzlich Schnee. "Beim Schneechaos am letzten Freitag hatten wir wirklich Glück, weil wir nicht draußen drehen wollten." Ansonsten hatte Wiegärtner aber richtig Pech mit dem Wetter. Und das ausgerechnet bei seinem ersten Fernsehfilm. "Das ist schon ganz schön viel Verantwortung für das erste Mal." Denn die Zuschauer sollen später im Fernsehen von den Wetterkapriolen freilich nichts mitbekommen. Man könne aus der Not aber auch eine Tugend machen. "Wir können auch mit künstlichen Sonnen arbeiten. Das schaut dann später im Film sogar besser aus", erklärt Wiegärtner.

Wecker spielt sich einfach selbst

Und wie klappt die Zusammenarbeit mit den bekannten Schauspielern wie Konstantin Wecker? "Der Wecker spielt sich eigentlich selbst. Ein Musiker. Supercool und ohne Star-Allüren. So ist er auch, wenn die Kamera nicht läuft", schwärmt Sebastian von der Atmosphäre am Set. "Die Zusammenarbeit im ganzen Team ist einfach toll. Es ist ein bisschen wie beim Zirkus", sagt Sebastian und lacht. Rund 50 Film-Leute hetzen seit 18 Tagen von einem Drehort zum nächsten. "Das Kamera-Equipment braucht schon einen eigenen Lastwagen. Da kann man sich den Trubel vorstellen, der hier abgeht."

Nach jedem langen Drehtag sichtet Sebastian das Material im Hotel am Laptop. "Die ersten Bilder sind klasse geworden. Der Regisseur ist auch zufrieden", freut sich Wiegärtner, der es immer noch nicht fassen kann, mit 30 Jahren schon der Herr über die Kameras bei einer großen Film-Produktion sein zu dürfen. "Das ist schon der Wahnsinn. Sonst schleppe ich alles selber. Hier darf ich noch nicht einmal ein Knöpfchen drücken. Für alles gibt es einen Assistenten. Dafür steht man als Chef-Kameramann aber auch unter einem enormen Druck, weil man sich um so viele Sachen kümmern muss. Trotzdem macht es unwahrscheinlich viel Spaß", berichtet der Kameramann vom Set in den Bergen.

Party nach der letzten Klappe

Am Dienstag ist der letzte Drehtag. "Nach der letzten Klappe feiern wir mit dem ganzen Team. Für mich stehen danach noch Aufnahmen aus der Luft auf dem Programm. Mit dem Helikopter geht es über die Alpen", erzählt Sebastian stolz und auch ein bisschen kaputt. "Langsam freue ich mich, dass bald Schluss ist", sagt er und schaut im Sucher der Kamera zu, wie der große Wecker das Kind (mal wieder) schaukelt.