Das Annafest in Forchheim startet am Wochenende in eine neue Runde. Damit jährt sich auch der Vorfall, für den sich ein heute 22-Jähriger seit Dienstag vor dem Landgericht Bamberg verantworten muss. Der Angeklagte hat sich laut Oberstaatsanwalt Bernd Lieb des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht.

Vor fast genau einem Jahr, am Abend des 20. Juli 2013, hielt sich der Angeklagte Christoph T. (Name von der Redaktion geändert) während des Annafestes auf einem der Keller auf. Auf dem Weg zur Toilette wurde er von einem ihm unbekannten 17-Jährigen angetippt und nach einer Zigarette gefragt - das war nach Zeugenaussagen der Auslöser für die Tat.

Mehrmals in Gesicht

Erst soll es eine heftige Diskussion gegeben haben, dannsoll der Angeschuldigte unvermittelt den jungen Mann mit einem Stein-Maßkrug ins Gesicht geschlagen haben.

Angeblich holte T. mehrmals aus und traf den Geschädigten auch noch am Hinterkopf. Als der Jüngere schon zu Boden gegangen war, soll Christoph T. das wehrlose Opfer schließlich noch zwei Mal gegen den Oberkörper getreten haben. Erst als ein Zeuge eingriff, ließ der Täter von seinem Opfer ab und rannte davon.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nahm er bei seiner Handlungsweise tödliche Verletzungen zumindest billigend in Kauf. Das stark blutende Opfer wurde von anwesenden Sanitätern versorgt und war zwei Wochen lang krank. Per Brief im Vorfeld der Gerichtsverhandlung und mit einer persönlichen Entschuldigung im Gerichtssaal wandte sich Christoph T. nun an den Geschädigten, der aus Eggolsheim stammt.

Er erklärte sich bereit, sämtliche Kosten des Opfers, die in Verbindung mit der Tat stehen, zu übernehmen. Angaben zur Sache wollte der Angeklagte jedoch keine machen. Er gab an, dass er zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen sei. Eine Blutprobe von ihm hatte 1,33 Promille ergeben.

Erst drei Tage auf freiem Fuß

Vorsitzender Richter Manfred Schmidt fragte den Angeklagten, ob er bei sich nach Alkoholkonsum Wesensveränderungen feststellen würde. "Ja. Wenn ich Alkohol trinke, werde ich schnell aggressiv", gab T. zu. Der 22-Jährige sagte, dass er auch unter der Woche oft Alkohol konsumieren würde, am Wochenende betrinke er sich häufig. Er stuft seinen Alkoholkonsum als Problem ein, eine Therapie wurde von seinem Arzt angeblich abgelehnt.

Der Vater einer zweijährigen Tochter ist bereits mehrfach vorbestraft. Im Juli 2012 war er zuletzt zu einer Einheitsjugendstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Am 17. Juli 2013 hatte die Justiz ihm den Strafrest auf Bewährung erlassen - drei Tage später passierte die Tat auf dem Annafest.

Seine Bewährung war daraufhin widerrufen worden. Er kam zunächst in Untersuchungshaft und verbüßt gerade den Strafrest. Die Haft endet am 15. August 2014. Im Anschluss möchte T. nach eigenen Angaben seine Lehre zum Maler und Lackierer abschließen.

Platzwunde am Kopf

Das mittlerweile 19-jährige Opfer, das ein blaues Auge, eine sieben Zentimeter lange Platzwunde am Hinterkopf und einen Tinnitus davon getragen hat, kann sich an den Tathergang nur vage erinnern.

Auch der Eggolsheimer war nicht nüchtern gewesen. Ein medizinischer Sachverständiger gab den Prozessbeteiligten zu verstehen, dass der Geschädigte Glück im Unglück hatte. Ein derartiger Angriff hätte schwerwiegendere Folgen haben können, auch den Tod. Der junge Mann gab an, dass er und der Täter sich vorher völlig unbekannt waren und er lediglich für eine Freundin nach einer Zigarette fragen wollte.

Wieder aufs Fest

Über den Angriff sei er so überrascht gewesen, dass er sich kaum wehren konnte. Die Freude am Besuch des Annafestes hat ihm der Vorfall nicht genommen: Er möchte auch heuer hingehen.

Die Verhandlung geht mit weiteren Zeugenbefragungen weiter. Gehört werden mehrere Personen, die den Tathergang beobachtet haben. Unter ihnen der Freund des Opfers; die jungen Männer waren gemeinsam unterwegs gewesen.